Was Hollywood für die Filmbranche, ist Detroit für die Autoindustrie. Noch bis zum 24. Januar steht die Stadt ganz im Zeichen von Glanz und Glamour auf vier Rädern. Die Detroit Auto Show 2016, die wichtigste Automesse in den USA, hält zahlreiche Premieren vom E-Auto über muskelbepackte Geländewagen bis hin zur Nobellimousine parat.

An Glanz fehlt es der Branche auch am Kapitalmarkt nicht. Trotz des Durchhängers am Hoffnungsmarkt China und des Abgasskandals von VW, raste der Sektor 2015 dem Gesamtmarkt erneut davon. Dies lag nicht zuletzt an den guten Verkaufszahlen. Auf dem krisengeschüttelten europäischen Markt nahmen die Neuzulassungen nach Berechnungen der Beratungsfirma PwC um eindrucksvolle 8,3 Prozent zu. PwC-Analyst Christoph Stürmer geht davon aus, dass das starke vierte Quartal in das neue Jahr übertragen werden kann. "Für 2016 bedeutet das einen Schub, der die Branche in die Lage versetzen dürfte, sich der schleppenden europäischen Konjunktur ein weiteres Mal zu entziehen", sagte Stürmer. Auch im Reich der Mitte könnte es weiter aufwärtsgehen. "Die Sorge, die Lage in China könne sich dauerhaft eintrüben, ist aus unserer Sicht unbegründet", ergänzt PwC-Auto-Experte Felix Kuhnert und fügt hinzu: "Davon profitieren vor allem die deutschen Hersteller."

Auf der Detroit Auto Show zeigen die heimischen Premiumhersteller BMW und Daimler gleich mal Stärke. Erstgenannter trumpft mit den beiden Weltpremieren M2 und X4 M4.0i auf. Mercedes enthüllt unter anderem den neuen SLC. Der Nachfolger des Roadsters SLK soll dessen 18-jährige Erfolgsgeschichte fortschreiben. Damit geht der Schlagabtausch der beiden Erzrivalen aus Stuttgart und München in eine neue Runde. Und dies gilt nicht nur bei den Verkaufszahlen, sondern auch beim Gewinn. Im Vergleich zu Daimler hatte BMW zuletzt das Nachsehen. Die Marke mit dem Stern zog nach drei Quartalen 2015 mit einer operativen Marge von 10,2 Prozent am Konkurrenten BMW vorbei, der es lediglich auf 9,0 Prozent brachte. Allerdings ist dies nur eine Momentaufnahme, 2016 haben beide das Potenzial zu einer prozentual zweistelligen Rendite. Die aktuelle Bewertung des Autoduos spiegelt deren gute operative Verfassung noch nicht wider.

Auf Seite 2: Internationale Aufsteiger





Internationale Aufsteiger



In Sachen Rentabilität stiehlt derzeit ein ganz anderer den Nobelkarossen-Herstellern die Show: Toyota Motor. Zum Halbjahr 2015/16 legte die operative Rendite der Autosparte auf satte 10,8 Prozent zu. "Toyota erwirtschaftet im Massenmarkt Margen, von denen manch Premiumhersteller nur träumt", sagt Autoanalyst Frank Schwope von der Nord/LB. Ein entscheidender Gewinntreiber dabei ist der günstige Yen. Ein Umstand, der noch länger Bestand haben könnte, liebäugelt Japans Notenbank doch bereits mit neuen Geldspritzen. Zudem könnte Toyota von den massiven Problemen des ärgsten Konkurrenten VW profitieren. Hinzu kommt eine kürzlich gestartete China-Offensive mit Hybridmodellen. Ein günstiger Zeitpunkt, hatte doch die Regierung in Peking im Oktober Steuererleichterungen für "Eco-Fahrzeuge" unterhalb von 1,6 Liter Hubraum eingeführt. "Toyota dürfte in den nächsten Jahren der Titel des größten Automobilherstellers der Welt nicht zu nehmen sein", sagt Schwope. Da derzeit die Chancen überwiegen, stufen wir die Toyota-Aktie auf "Kaufen" hoch.



Ebenfalls im Bereich der Volumenhersteller ist Peugeot angesiedelt. Von Renditen im zweistelligen Bereich können die Franzosen zwar nur träumen, doch schaffte der Konzern nach einer jahrelangen Rückwärtsfahrt die Wende. Knapp eine Milliarde Euro operativen Gewinn fuhr PSA in der ersten Hälfte 2015 in der Autosparte ein. Den Franzosen kommt insbesondere die Erholung in Europa zugute, der Markt ist für mehr als 60 Prozent der Verkäufe verantwortlich. Allerdings möchte Firmenchef Carlos Tavares diese Abhängigkeit in Zukunft etwas verringern. Große Hoffnung liegt auf dem Joint Venture mit Partner Dongfeng in China. Dieses brachte allerdings 2015 noch nicht das gewünschte Wachstum. Mit rund 705 000 verkauften Fahrzeugen lag der Absatz nur knapp über dem Vorjahr. Im laufenden Jahr soll das Plus aber 7,6 Prozent betragen. Eine wichtige Stellschraube ist die für 2016 geplante Eröffnung des Werks Chengdu, mit dessen Hilfe das Joint Venture 2020 die Millionengrenze knacken möchte. Die Peugeot-Aktie wird derzeit mit einem 2016er-KGV von nur acht gehandelt - für einen Turnaround-Titel deutlich zu wenig.

Dies gilt auch für Ford. Der US-Autobauer hat sich wieder berappelt und verzeichnete bei Absatz und Ergebnis starke Verbesserungen. Auf dem Heimatmarkt verkaufte Ford 2015 fünf Prozent mehr Fahrzeuge. Zum Jahresende beschleunigten sich die Verkäufe sogar, im Dezember lag der Zuwachs bei acht Prozent - das beste Ergebnis seit 2005. Auch auf der Ertragsseite lenkte der Konzern zurück auf die Erfolgsspur. In Nordamerika erzielte er im dritten Quartal eine operative Marge von 11,3 Prozent. In Europa schrieb er zuletzt zwar noch rote Zahlen, doch das soll nun ein Ende haben. Ford macht es der Konkurrenz gleich und stellt die Bilanzierung der Pensionspläne um. Dieser Wechsel bietet nach Ansicht von Finanzchef Bob Shanks einen "viel besseren und transparenteren Blick auf die operative Entwicklung des Geschäfts." Milliardenverluste aus den Pensionsplänen drücken dann nicht mehr auf das Kerngeschäft Automotive. Entsprechend werden die Gewinne hier steigen - und Europa kann sich aus dem negativen Terrain befreien. Die Ford-Aktie ist nicht nur günstig bewertet, auch die Dividendenrendite, die mit 4,4 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt, liefert mit angepasstem Kursziel und Stoppkurs ein Kaufargument.



Auf Seite 3: Auf einen Blick