Er gehe davon aus, dass sich die Lage dort eher weiter verschlimmern werde, bevor es wieder aufwärts gehe. Brasilien leide unter einer hausgemachten Krise. Eine große Frage sei, ob die Regierung wieder handlungsfähig werde. "Die Skandale lähmen alles", fügte Bernhard hinzu. Große Infrastrukturprojekte lägen deshalb darnieder. Als Folge breche die Lkw-Nachfrage ein. Im ersten Halbjahr war der Absatz dort um 44 Prozent eingesackt.

Daimler hatte wegen der Absatzkrise vor Kurzem mit der Arbeitnehmervertretung Kürzungen bei Arbeitszeit und Bezahlung im Werk Sao Bernardo in der Nähe von Sao Paulo vereinbart. Im Gegenzug nahm der Stuttgarter Konzern die bereits ausgesprochene Kündigung von 1500 der insgesamt rund 10.000 Mitarbeiter in Sao Bernardo zurück. "Wir richten uns darauf ein, zu überwintern", sagte Bernhard. Es werde jedoch vermutlich bis zu drei Jahre dauern, bis der Markt wieder anspringe.

Auch in China befinde sich der Markt im Rückwärtsgang. Weil der Staat derzeit wichtige Infrastrukturprojekte nicht angehe, schrumpfe die Lkw-Nachfrage in diesem Jahr voraussichtlich um 30 bis 40 Prozent.

Während sich in Brasilien und China kurzfristig keine Besserung abzeichnet, läuft es für Daimler in den USA und Europa sehr gut. In beiden Regionen erwartet der Lkw-Weltmarkführer in diesem Jahr ein Marktwachstum von jeweils bis zu 15 Prozent. Dadurch schaffe es Daimler, schwächere Märkte in anderen Regionen auszugleichen. "In diesem Umfeld gelingt es uns immer besser, gute Ergebnisse zu erzielen", fügte Bernhard hinzu.

Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran will Daimler dort möglichst bald wieder ins Lkw-Geschäft einsteigen. "Wir werden unsere Aktivitäten, die wir über viele Jahre haben ruhen lassen, wieder zum Leben erwecken", kündigte Bernhard an. Daimler habe nach wie vor einen sehr guten Ruf in dem Land. Noch heute prägten Fahrzeuge von Mercedes-Benz das Straßenbild. "Der Iran ist für uns eine große Chance", sagte Bernhard.

Reuters