Eine einzelne Instagram-Nachricht zeigt das explosive Kurspotenzial des Nasdaq-Werts Digimarc. Eigentlich war die Botschaft von Doug McMillon ganz harmlos, sie erschien neben dem Foto einer Tüte Chips auf einem Supermarkt-Scanner: "Technologien wie unsichtbare Wasserzeichen könnten den Weg, wie unsere Kunden an der Kasse bezahlen, grundlegend verändern."

Obwohl nur 1000 Fans seine Instagram-Nachrichten verfolgen, erkannten Branchenkenner: Das ist der Chef von Walmart, der wichtigsten Supermarktkette Amerikas. Sekunden später antwortete der User flywithbailey: "Es muss sich um Digimarc handeln - eine spannende Zeit im Einzelhandel." Sofort vermuteten Anleger, dass Walmart die neue Technologie von Digimarc im Labor ausprobiert. Der Aktienkurs stieg um 50 Prozent.

Inzwischen hat die Aktie im Bärenmarkt zwar wieder rund ein Viertel ihres Werts eingebüßt, doch die Wasserzeichentechnologie steht kurz vor der Masseneinführung. Digimarc findet immer mehr Partnerunternehmen. Setzt sich die Technologie durch, bedeutet das massive Kursgewinne. Das 20 Jahre alte Unternehmen aus Oregon hält insgesamt 800 Patente. Sein Wasserzeichen ist konkurrenzlos.

Eine Digimarc-Vignette ist für das Auge unsichtbar. Ein großes Plus: Weil sie nicht mit dem Verpackungsdesign in Konkurrenz tritt wie die Barcodes oder QR-Symbole, kann man sie kreuz und quer über eine Verpackung drucken - bis zu 400-mal. Das Kassenpersonal muss das Produkt nicht mehr mit dem Barcode zum Scanner drehen. Sogar zwei übereinanderliegende Produkte können gleichzeitig gelesen werden. So geht das Kassieren viel schneller.

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Zeit ist Geld



Im Test von Digimarc ließen sich 20 identische Produkte mit herkömmlichem Barcode in 25 Sekunden scannen. Haben alle eine Digimarc-Vignette, dauert es nur 13 Sekunden. Zeit ist im Supermarkt Geld: Jedes zusätzliche Produkt, das binnen einer Minute gescannt werden kann, bedeutet insgesamt eine jährliche Kostenersparnis von 500 Millionen Dollar.

Die Wasserzeichen lassen sich auch von Smartphone-Apps erfassen. So können Kunden beim Einkauf auf ihren Handys Nährwertangaben, Kupons oder Rezepte lesen. Die Hersteller von Konsumgütern erhalten einen neuen Kanal für die Kommunikation mit ihren Kunden, und zwar dort, wo Kaufentscheidungen gefällt werden.

Damit Digimarc erfolgreich ist, müssen allerdings Supermärkte, Hersteller und Käufer gemeinsam die neue Technologie annehmen. Verwenden nur manche Hersteller die neuen Wasserzeichen, könnte es am Scanner sogar zu Verwirrungen kommen. Was Digimarc jedoch bestreitet.

Auf alle Fälle müssen Supermärkte ihre Scanner umstellen. Diese Investition sollte sich allerdings binnen eines Jahres durch Einsparungen beim Bezahlvorgang wettmachen lassen. Digimarc hat Datalogic, den weltgrößten Scannerhersteller, als Partner gewonnen. Sind Supermarktriesen wie Walmart mit den neuen Scannern ausgestattet, können sie Druck auf ihre Lieferanten ausüben und sie zwingen, die neuen Wasserzeichen zu verwenden.

Digimarc-Chef Bruce Davis erklärte jüngst gegenüber Analysten: "Wir führen Gespräche mit den zehn größten Supermarktketten und Marken in den USA." Wegmans, eine Supermarktkette an der US-Ostküste, setzt bei den eigenen Marken bereits auf die neue Technologie.

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Lukratives Lizenzmodell



Die Hersteller sollen Digimarc den Cashflow liefern: Sie sollen die unsichtbare Vignette einmalig für 350 Dollar kaufen und dann eine jährliche Lizenzgebühr von 50 Dollar zahlen. Bei rund 250 000 Produkten in den US-Läden von Walmart und weiteren 100 000 Produkten von Eigenmarken in den Supermärkten kommt das Unternehmen auf 120 Millionen Dollar einmaligen Umsatz und 17,5 Millionen Dollar jährliche Gebühreneinnahmen. Rechnet man mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 20, ist eine Bewertung von 350 Millionen Dollar für die Digimarc-Aktie realistisch. Das lässt, gemessen am aktuellen Börsenwert von rund 260 Millionen Dollar, Potenzial für einen Kursanstieg um 25 Prozent.

Gelingt die Einführung in den USA, stehen die Weltmärkte offen: Beim chinesischen Onlinehändler Alibaba sind rund 200 Millionen Produkte mit Barcodes gelistet. Wenn davon nur 0,5 Prozent mit einem Digimarc-Wasserzeichen versehen würden, wären das weitere 50 Millionen Dollar Umsatz im Jahr. Digimarc erwirtschaftet zwar noch keinen Gewinn, hat aber eine Barreserve von 34,5 Millionen Dollar, die für die nächsten zwei Jahre reicht. Die Konsumenten sind wohl die ersten, die ihre Smartphones mit der Technologie ausstatten. Digimarc ist nämlich eine Partnerschaft mit der Musikerkennungs-App Shazam eingegangen. Und die kann auch sehen. Damit sind 100 Millionen US-Smartphones auf das Erkennen der Digimarc-Vignetten nicht nur im Supermarkt, sondern auch auf Kinoplakaten oder in Zeitschriften vorbereitet.



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