Die Gelder seien nötig, damit Evotec seine Ergebnisziele 2014 schaffe, die einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) auf Vorjahresniveau von 10,4 Millionen Euro vorsehen. Sollte Evotec die Mittel nicht erhalten, werde das Ergebnis sinken. "Wir sind in Gesprächen, um die Zahlung noch zu bekommen", sagte die Sprecherin.

Analysten äußerten sich negativ: "Die mögliche Senkung des Ausblicks 2014 stellt nach unserer Sicht eine erhebliche kurzfristige Unsicherheit dar", erklärten die Experten des Bankhauses Close Brothers Seydler.

Grund für den möglichen Zahlungsausfall sind Probleme mit dem Diabeteswirkstoff DiaPep277, an dem die israelische Biotechfirma Andromeda die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte hält. Evotec hat Anspruch auf Umsatzbeteilungen und Meilensteinzahlungen an der Substanz. Inzwischen wurde Andromeda vom US-Biopharmaunternehmen Hyperion Therapeutics übernommen, das am Montag ankündigte, die Weiterentwicklung von DiaPep277 einzustellen. Hyperion habe Beweise gefunden, wonach sich Mitarbeiter von Andromeda "schwerwiegenden Fehlverhaltens in Bezug auf Studiendaten von Diapep277 schuldig gemacht haben", erläuterte Evotec. Hyperion zufolge hatten Andromeda-Mitarbeiter Studiendaten manipuliert, um ein positives Ergebnis zu erhalten. "Wir sind geschockt und entmutigt über dieses gravierende Fehlverhalten", erklärte Hyperion-Chef Donald Santel.

Auf Seite 2: EVOTEC MUSS HOFFNUNG AUF UMSATZBETEILIGUNG BEGRABEN

EVOTEC MUSS HOFFNUNG AUF UMSATZBETEILIGUNG BEGRABEN

Aufgrund des Entwicklungsstopps schreibt Evotec das Programm nun ganz ab. Die Folge: Das Unternehmen muss Wertberichtigungen von 8,7 Millionen Euro verkraften. Evotec rechne nicht mehr damit, dass der Wirkstoff auf den Markt kommt. Damit ist auch die Aussicht auf künftige Umsatzbeteiligungen dahin. DiaPep277 befand sich bereits in der dritten und damit letzten Phase der klinischen Entwicklung. Die US-Gesundheitsbehörde hatte die Substanz sogar als Wirkstoff gegen seltene Krankheiten eingestuft. Damit kann eine Arznei den langwierigen Zulassungsprozess schneller durchlaufen und es winken Vermarktungsvorteile. Das Mittel wurde ursprünglich vom Göttinger Biotechunternehmen Devologen entwickelt, das Evotec 2010 übernommen hatte. Bereits 2007 hatte Devologen die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte für den Wirkstoff an Andromeda vergeben.

Reuters