Neue Technologien, Veränderungen im Wettbewerbsumfeld und der Konjunkturzyklus stellen Unternehmen ständig vor neue Herausforderungen. Nicht selten müssen etablierte Strukturen angepasst werden, um die mittel- bis langfristigen Chancen besser zu nutzen. Viele der weltweit agierenden Konzerne scheuen aber diesen Schritt und passen erst recht spät ihre Geschäftsstrategie an. Bereinigungen des Produkt- und Beteiligungsportfolios sind aber wichtig, um sich im harten Wettbewerbsumfeld durchzusetzen und um Kernkompetenzen zu schärfen. Jenoptik hat diesen Prozess bereits gemeistert. Mit der seit Jahresbeginn neuen Organisationsstruktur ist der Konzern noch konsequenter auf die Markterfordernissen ausgerichtet.

Um die Abhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen zu mindern, bearbeitet Jenoptik verschiedene Zielmärkte und spricht unterschiedliche Kunden an. In erster Linie ist das Unternehmen aus Jena ein bewährter Partner von Industrieunternehmen. Wichtige Abnehmer stammen aus der Automobil- und Halbleiterbranche, der Medizintechnik und zivilen Luftfahrt. Gerade im Verteidigungssektor liefert Jenoptik aber auch an öffentliche Auftraggeber. Neben mehreren großen Standorten in Deutschland ist Jenoptik inzwischen in über 80 Ländern präsent. Mit der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur gelingt nicht nur eine schnellere Erschließung von Marktanteilen, auch die Kostenbasis kann unter Ausnutzung von Synergien gesenkt und optimiert werden.

Während zahlreiche Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand in den vergangenen Jahren tiefes Know-how in bestimmten Nischen aufgebaut haben und zum Marktführer aufgestiegen sind, setzen Anleger bei Jenoptik auf viele Megatrends. Dazu zählen die immer schnelleren Veränderungen in der digitalen Welt sowie die Boom-Themen Gesundheit, Mobilität und Effizienz, Infrastruktur und Sicherheit. Die konsequente Ausrichtung der neuen Spartenstruktur des Konzerns auf die Märkte und Megatrends stellt die Grundlage dar für bessere Wachstumsperspektiven und langfristigen Erfolg. Mit der Kombination und langjährigen Erfahrung in den Bereichen Laser, Optiken, Sensoren, Elektronik und Mechatronik kann Jenoptik nicht nur eine Vielzahl von Anwendungen "aus einer Hand" anbieten, sondern auch eine höhere Wertschöpfungstiefe ausnutzen.

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Geringeres Risiko dank breiter Produktpalette



Die neue Organisationsstruktur mit den drei Segmenten Optics & Life Science, Mobility und Defense & Civil System bietet sowohl weiteres Potenzial für eine verstärkte Integration wie auch die Hebung von Synergiepotenzialen. Besonders das Segment Optics & Life Science stellt Technologien und Know-how für die anderen beiden Segmente bereit. Hier spielt Jenoptik seine Kernkompetenzen in der Entwicklung und Fertigung von Mikrooptiken zur Strahlenformung aus, die in der Halbleiterindustrie und der Lasermaterialbearbeitung zum Einsatz kommen. Laser- und LED-basierte Strahlquellen sind zudem aus der modernen Gesundheitsindustrie wie der Augenheilkunde nicht mehr wegzudenken.

Die Automobilindustrie nutzt verschiedene Fertigungsmesstechniken und Laseranlagen des TecDAX-Konzerns. Über das vielfältige Angebot im Segment Mobility unterstützt Jenoptik die Hersteller dabei, den Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß zu verringern sowie bei der Hybridisierung. Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2030 in China rund sechs Mal mehr Autos geben als 2009. Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachungen sowie automatische Kennzeichenerfassung sind zentrale Themen der ständig an Bedeutung gewinnenden Verkehrssicherheitstechnik, in der Jenoptik zu den weltweit führenden Anbietern zählt. Gerade in diesem Bereich zeichnet sich ein immer stärkerer Trend hin zu größeren Projekten mit einer Kombination aus Gerätegeschäft und Dienstleistung ab. Besonders das profitable Servicegeschäft rückt dabei in den Blickpunkt und steht bei Jenoptik weit oben auf der Agenda.

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Analysten werden langsam mutiger



Mit Blick auf die Internationalisierungsstrategie rücken für das Unternehmen nicht nur aus demografischen Gründen besonders die Wachstumsregionen Amerika und Asien/Pazifik in den Vordergrund. Mittelfristig sollen Wertschöpfungsaktivitäten wie Produktion, lokale Produktentwicklung sowie Forschung und Entwicklung weiter ausgebaut werden, um so noch besser die Wünsche der lokalen Kunden mit vor Ort hergestellten Produkten befriedigen zu können. Um das Wachstumstempo hoch zu halten, strebt Jenoptik verstärkt internationale Unternehmenszukäufe an, um die vorhandenen Aktivitäten markt- oder kundenseitig zu ergänzen.

Die Bilanz für die ersten drei Monate untermauert die attraktive Ausgangslage. Zuwächse in allen drei Segmenten deuten auf ein breit angelegtes Wachstum. Der Umsatz kletterte um 8,5 Prozent auf 158 Mio. Euro, der Anteil der Auslandserlöse legte leicht auf 65,3 Prozent zu. Für das Gesamtjahr peilt das Management Umsätze zwischen 680 bis 700 Mio. Euro an bei einer Ebit-Marge von neun bis 9,5 Prozent. Im vergangenen Jahr gingen 668 Mio. Euro durch die Bücher, die Marge erreichte 9,2 Prozent. Bis 2018 werden Umsätze von rund 800 Mio. Euro angepeilt, davon mehr als 40 Prozent in Amerika und Asien.

Im Mai bestätigte die Aktie mehrfach die nächste Unterstützung bei 13 Euro und steht derzeit nur noch knapp unter dem im Dezember erreichten Mehrjahreshoch. Nachdem die Konsensschätzungen an den Gewinn je Aktie in den vergangenen Monaten stagnierten, sind Analysten zuletzt wieder etwas optimistischer geworden und rechnen mit 0,97 Euro für 2017. Dies führt zu einem KGV von 15,2. Die Aktie ist damit historisch recht günstig bewertet, der Kurs spiegelt noch nicht ausreichend die attraktiven Wachstumsperspektiven wider. Börse Online sieht den fairen Wert bei 17,50 Euro.

Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins "Index-Radar". Der Spezialist für Technische Analyse ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen (DAF), Gastautor bei n-tv und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare, referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) und betreute mehrere Jahre für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily.

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