Auf die Abgasaffäre ging der Audi-Chef nicht ein, Fragen von Reportern waren im Programm nicht vorgesehen. Der angeschlagene Manager, über dessen bevorstehendes Aus seit anderthalb Jahren regelmäßig spekuliert wird, verschwand direkt nach einer opulenten Show gemeinsam mit VW-Chef Matthias Müller hinter den Kulissen.

Kritiker bemängeln, dass Stadler bei der Aufklärung der im Herbst 2015 ans Licht gekommenen Dieselaffäre eine unglückliche Figur abgebe. Zuletzt sorgte ein Medienbericht für Wirbel, wonach dem Vorstandschef in einem internen Dossier mangelnde Visionen vorgeworfen worden sein sollen. VW und Audi betonten in der Folge erneut, dass es keine Pläne für Stadlers Ablösung gebe. Der Topmanager, der seit 2007 an der Spitze des Ingolstädter Autobauers steht, hatte trotz des Dieselskandals vom Aufsichtsrat Mitte Mai eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre bekommen.

Das Sagen haben bei Audi wie bei VW die Eigentümerfamilien Porsche und Piech - und die halten Insidern zufolge an Stadler fest. Bei der A8-Präsentation in Barcelona saß Hans Michel Piech, Aufsichtsratsmitglied bei beiden Autobauern, Seite an Seite mit Müller und Stadler. Ein VW-Sprecher bekräftigte am Rande, dass der VW-Vorstand weiter hinter dem Audi-Chef stehe.

Die Veranstaltung mit 2000 geladenen Gästen und aufwendiger Licht-, Ton- und Tanzshow sollte laut Audi "Beginn einer völlig neuen Ära" einläuten. Zu Beginn röhrten Rennautos über die Bühne in der Messe Barcelona, später wurde der tonnenschwere A8 von einem Industrieroboter durch die Luft geschwenkt. Mit dem neuen Flaggschiff will Audi das zuletzt aus den Augen verlorene Versprechen vom "Vorsprung durch Technik" wieder einlösen: Die Luxuslimousine fährt unter bestimmten Voraussetzungen hochautomatisch; der Fahrer kann die Hände vom Steuer nehmen und sich anderen Dingen widmen.

Mit diesem sogenannten Level 3 des automatisierten Fahrens liegt Audi nach Ansicht von Experten vor der Konkurrenz. "Wir nehmen unser Versprechen ernst", sagte Stadler. Oberklasse der Zukunft bedeute, dass der Fahrer wieder die Kontrolle über seine Zeit zurückbekomme. Für solche Extras seien Kunden auch bereit, extra zu bezahlen.

Bei den Verkaufszahlen dürfte Audi Schätzungen von IHS Markit zufolge dennoch hinter der Konkurrenz bleiben: Für das Flaggschiff mit den vier Ringen auf der Motorhaube erwarten die Experten 2018 einen Absatz in den Märkten Europa, Asien und Amerika mit rund 25.000 Wagen - bei der Mercedes S-Klasse sind es allein von der Limousine fast doppelt so viele. Vertriebschef Dietmar Voggenreiter sagte, Audi baue künftig nicht nur Autos, sondern biete Mobilität in unterschiedlichen Formen - ähnliches versprechen auch die Oberklasse-Konkurrenten Mercedes und BMW.

rtr