Den US-Börsen steht eine bemerkenswerte Berichtssaison für das erste Quartal ins Haus. Analysten rechnen nach aktuellen Daten der Informationsdienste Thomson Reuters und Factset für die im S & P-500-Index notierten Konzerne mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von bis zu zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit zeichnet sich das stärkste Wachstum seit dem vierten Quartal 2011 ab.

Untermauert wird der Trend dadurch, dass Analysten ihre Erwartungen an das Quartal zuletzt weniger stark nach unten korrigiert haben als in der Vergangenheit. Die Umsätze dürften laut Thomson Reuters um sieben Prozent zulegen, so viel wie zuletzt vor fünf Jahren.

Hauptgewinntreiber ist demnach der Energiesektor, der laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rund die Hälfte zum starken Gewinnzuwachs beiträgt. Weitere zwei Prozentpunkte könnten Krämer zufolge auf den Finanzsektor gehen, der insbesondere vom besseren Kapitalmarktgeschäft profitieren könnte. Schwächere Zahlen werden dagegen aus den Bereichen Industrie, Telekom und zyklischer Konsum erwartet.

US-Banken: Gewinn steigt bei JP Morgan und Citigroup, stagniert bei Wells Fargo



Bereits am Donnerstag veröffentlichten die US-Banken ihre Quartalszahlen. JP Morgan, das führende Geldhaus in den USA, und der Rivale Citigroup profitierten von steigenden Leitzinsen, die vor allem den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren kräftig ankurbelten. Bei beiden Instituten stieg der Gewinn im ersten Quartal um 17 Prozent - und damit stärker als von Analysten erwartet. Viele Branchenexperten hatten sich bis zuletzt skeptisch gezeigt und eher einen verhaltenen Jahresauftakt erwartet. Citi fuhr nun vier Milliarden Dollar ein, bei JP Morgan waren es knapp 6,5 Milliarden.

Anders bei der US-Großbank Wells Fargo: Das Geldhaus hat im ersten Quartal einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Der Überschuss sank um 0,6 Prozent auf 5,06 Milliarden Dollar. Auf dem Ergebnis lasteten höhere Kosten und Probleme im Hypothekengeschäft.

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Wo es Enttäuschungspotenzial gibt



Nach den Osterfeiertagen unter anderem der Gesundheitskonzern Johnson & Johnson, der Industrie- und Technologiekonzern General Electric und der Mobilfunkkonzern Verizon Bilanz. Die Wall Street erwartet von den Zahlen neue Impulse, nachdem der Leitindex Dow Jones und der breiter gefasste S & P 500 seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November deutlich zugelegt haben - beflügelt von der Hoffnung auf Steuererleichterungen und den Abbau von Regulierung. Für einen Dämpfer sorgte allerdings bereits der erste gescheiterte Reformversuch für das US-Krankenversicherungssystem. Der US-Markt erscheint vor diesem Hintergrund bereits hoch bewertet. "Ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne wäre dringend nötig, ansonsten besteht die Gefahr eines spürbaren Rücksetzers", heißt es bei der DZ Bank.

Aktienstratege Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe mahnt zur Vorsicht. "Wer starke neue Impulse von den anstehenden US-Zwischenberichten erwartet, dürfte enttäuscht werden." Zwar würden wie erwartet vor allem die Sektoren am Anfang der Wertschöpfungskette wie Rohstoffe, Minen, Chemie und Stahl profitieren. Wichtiger sei aber, dass die US-Konjunktur insgesamt an Kraft verloren habe. "Die rosigen Hoffnungen auf die Zukunft werden wohl von der nüchternen Realität der Gegenwart eingeholt. Dabei drohen zumindest vorübergehend Gewinnmitnahmen", so Zimmermann.

Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer erwartet, dass die Unternehmen das starke Gewinnplus des ersten Quartals nicht halten können. "Trumps Wirtschaftspolitik wird wohl weiterhin für Enttäuschung sorgen. Für das gesamte Jahr rechnen wir mit einem Gewinnplus von fünf Prozent."

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Daimler startet fulminant - Potenzial für DAX-Anstieg



In Deutschland läutete unterdessen der Autokonzern Daimler mit vorab veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal die Berichtssaison im DAX ein - und sorgte gleich für einen Paukenschlag: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel mit rund vier Milliarden Euro fast doppelt so hoch aus wie vor Jahresfrist. Gründe waren ein Absatzrekord und Sondereffekte. Die Zahlen versetzten Anleger in Kauflaune. Die Aktien des Konzerns legten am Mittwoch um fast drei Prozent auf 68,50 Euro zu.

Für Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil sind die europäischen Börsen weiter attraktiver als die Wall Street. "Kurzfristig birgt am ehesten die Quartalszahlensaison Potential für den nächsten DAX-Anstieg", sagt Greil. "Mit den anstehenden Wahlen in Frankreich sowie den Konflikten in Syrien und Nordkorea rückt jedoch auch die Politik wieder stärker in den Fokus der Märkte."

ehr/rtr