Obwohl man die Epidemie lange im Griff gehabt habe, gehe der Trend deutschlandweit nun nach oben. "Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", sagte er auch mit Blick auf steigende Zahlen im Ausland. Er wisse nicht, ob dies der Beginn einer zweite Welle in Deutschland sei, es könne aber sein. Das Auswärtige Amt riet vor Urlaubsreisen in beliebte Ferienregionen Nordspaniens ab.

Aus Sorge vor importierten Corona-Infektionen soll ab kommender Woche eine Testpflicht für Urlaubs-Rückkehrer aus Risikogebieten gelten. Natürlich seien auch Reise-Rückkehrer unter den Corona-Infizierten, sagte Wieler. "Aber der allergrößte Teil hat sich in Deutschland angesteckt." Die Menschen hielten sich nicht mehr ausreichend an Hygiene- und Abstandsregeln. Dies sei aber das Mittel, um die Lage in den Griff zu bekommen. "Wir haben es in der Hand."

Die Abstands- und Hygieneregeln einschließlich des Mund- und Nasenschutzes würden noch viele Monate gebraucht. "Diese dürfen nie infrage gestellt werden", forderte Wieler. Nach den Sommerferien sollten zwar wieder die Schulen geöffnet werden. Aber auch hier brauche man Schutzkonzepte.

Die Zahl der täglichen Neu-Infektionen hat gerade in den vergangenen sieben Tagen zugelegt und lag zeitweise über 800. Am Dienstag meldete das RKI 633 neue Fälle.

AUSWÄRTIGES AMT RÄT VOR REISEN NACH BARCELONA AB


Das Auswärtige Amt riet von nicht notwendigen Reisen in bestimmte Regionen Nordspaniens ab. Betroffen sind neben Katalonien mit der Metropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava auch die im Landesinneren liegenden Regionen Aragon und Navarra. Das Auswärtige Amt verwies zur Begründung auf die erneut hohen Infektionszahlen und örtliche Absperrungen. Die erst im Juni aufgehobene Reisewarnung, die Urlaubern eine kostenlose Stornierung ihrer Reise erlauben würde, wurde aber nicht wieder inkraft gesetzt. Auch wurden die betroffenen Regionen bislang nicht als Risikogebiete ausgewiesen.

Mit mehr als 270.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.000 Toten gehört Spanien zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern in Europa. Nachdem die Lage zunächst unter Kontrolle schien, steigen die Zahlen seit einigen Wochen wieder stark und die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus werden wieder verschärft. Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso kündigte am Dienstag eine umfassende Ausweitung der Maskenpflicht an. Bars müssen um ein Uhr morgens schließen, auf Restaurantterrassen dürfen sich höchsten zehn Personen gleichzeitig aufhalten. Auch Griechenland weitet ab Mittwoch die Maskenpflicht aus.

Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra hatte am Montag vor einem neuen Lockdown gewarnt: "Die Lage ist kritisch". Gleichwohl bedauerte die katalanische Regionalregierung die Entscheidung des Auswärtigen Amts. Die Regionalregierung handle verantwortungsvoll und bemühe sich, Leben zu schützen. Aus der Region Aragon kamen Rufe, die spanische Außenministerin Arancha Gonzalez Laya solle sich offiziell beschweren.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Spanien. Die Entscheidung Deutschlands ist für die Branche ein weiterer Rückschlag, nachdem am Wochenende bereits Großbritannien überraschend eine zweiwöchige Quarantäne für alle Reisenden aus Spanien angeordnet hatte. Allein die britische Entscheidung könnte die spanische Tourismusindustrie zehn Milliarden Euro kosten, warnte der Branchenverband Cehat.

Der britische Premierminister Boris Johnson schloss nicht aus, auch für Reisende aus weiteren Ländern eine Quarantänepflicht anzuordnen. Sollte es Anzeichen für eine zweite Welle in anderen Staaten geben, sei es die Pflicht der Regierung, rasch und entschieden zu handeln und Reisende, die aus diesen Orten kommen, daran zu hindern, die Krankheit nach Großbritannien zu tragen, sagte er.

Bislang gibt es gegen das neuartige Corona-Virus keinen Impfstoff. Zuletzt gingen zwei weitere Impfstoff-Kandidaten in die letzte Phase der klinischen Entwicklung. Sie werden nun an tausenden Menschen getestet.

rtr