ROBERT HALVER

Helikopter-Geld ist keine geldpolitische Leibesübung, sondern eine sportliche Verrenkung!

Helikopter-Geld ist keine geldpolitische Leibesübung, sondern eine sportliche Verrenkung!
29.03.2016 04:00:00

Frisch, fromm, fröhlich, frei! Das war das Motto von Turnvater Jahn, der sich die leibliche Ertüchtigung der Bevölkerung zum Ziel gesetzt hatte. Auch die Vorturner der EZB verfolgen dieses Motto: Mit geldpolitischen Leibesübungen soll die Euro-Konjunktur fit wie ein Turnschuh gemacht werden.

von Robert Halver

Helikopter-Geld ist keine geldpolitische Leibesübung, sondern eine sportliche Verrenkung!



Frisch, fromm, fröhlich, frei! Das war das Motto von Turnvater Jahn, der sich die leibliche Ertüchtigung der Bevölkerung zum Ziel gesetzt hatte. Auch die Vorturner der EZB verfolgen dieses Motto: Mit geldpolitischen Leibesübungen soll die Euro-Konjunktur fit wie ein Turnschuh gemacht werden.

Dabei scheut die EZB auch vor den unkonventionellsten Verrenkungen - für die man im normalen Sportleben zum Chiropraktiker gehen müsste - nicht zurück. In der Pressekonferenz nach der letzten Notenbanksitzung wurde ihr Präsident Draghi gefragt, was er denn von "Helikopter-Geld" halte. Ein früherer Bundesbanker hätte angesichts dieser stabilitätsketzerischen Frage sofort Luftnot bekommen. Aber was antwortet der EZB-Chef auf seine charmant-entspannte Art: "Das ist ein sehr interessantes Konzept". Als er realisierte, was er da gerade gesagt hatte, versuchte er zwar noch den Rückzug: "Die EZB habe sich noch nicht mit dem Konzept beschäftigt". Für Entspannung sorgte dies jedoch nicht. Nein, die Verbindung von "interessant" und "noch nicht" und eben nicht die vehemente Ablehnung dieses Teufelsinstruments haben die Diskussion über die Geldgeschenke via Hubschrauber erst richtig losgetreten.

Und bist du konjunkturell nicht willig, dann schenke ich dir Geld



Bei der EZB muss der Frust wohl riesengroß sein, dass trotz negativer Leitzinsen und einer Überflutung der Eurozone mit Liquidität - als Vorgeschmack auf das Abschmelzen der Polkappen - die Euro-Konjunktur keine konjunkturelle Bewegungsfreude zeigt. Aus panischer Angst vor einer Deflationsspirale wie in Japan denkt die EZB wohl auch über die absurdesten geldpolitischen Leibesübungen nach.

Wenn sich die Bürger an der Konjunktur "versündigen", indem sie ihr Geld sparen, nicht ausgeben und somit nicht für Wirtschaftswachstum und Inflation sorgen, könnte die EZB auf die Idee kommen, sie zu ihrem Konsum-Glück zu zwingen. Sie könnte versuchen, ihre ungläubige Konsumseele mit dem heiligen Geist einer hyperaktiven Geldpolitik zu heilen: Geld in Form von Gutscheinen wird einfach vom Helikopter abgeworfen. Wie bei der Rockband Dire Straits ist es "Money for nothing", geschenktes Geld für nichts, ohne Gegenleistung. Moment, ich muss mich korrigieren. Eine Gegenleistung gibt es da schon: Man darf den Geldgutschein nicht für Sparzwecke missbrauchen, sondern muss ihn tatsächlich verwenden. Ansonsten verfällt er wertlos. Aber mit dieser Auflage könnte wohl jeder gut leben.

Auf Seite 2: Helikopter-Geld ist in der Theorie nicht neu



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