MARKTAUSBLICK

Trump versus Kim - Wie lange bleibt die Börse im Banne der Mega-Egomanen?

Trump versus Kim - Wie lange bleibt die Börse im Banne der Mega-Egomanen?
14.08.2017 10:10:00

Zuletzt haben die Euro-Stärke, eine vermeintliche geldpolitische Trendwende und die hausgemachte deutsche Autokrise dem deutschen Aktienmarkt zugesetzt. Jetzt kommt auch noch die geopolitische Krise zwischen Nordkorea und den USA hinzu. Bleibt es beim kalten Krieg der Worte oder ist eine Eskalation zu befürchten?



Mittlerweile ist Nordkorea in der Lage, nuklear bestückte Raketen einzusetzen. Kann sich dieser Konflikt tatsächlich zu einem Risiko für den Frieden in Fernost und die Finanzmärkte entwickeln? Und ist vor diesem Hintergrund die konjunkturelle und finanzwirtschaftliche Erholung der Schwellenländer - man spricht bereits von Re-Emerging Markets - gefährdet?



Wenn zwei Egomanen aufeinandertreffen, kann nur ein Dritter schlichten



US-Präsident Trump nimmt im Konflikt mit Nordkorea kein Blatt vor den Mund. Ist das Unberechenbarkeit? Trump selbst hält es für Methode. Er will damit für seinen Gegner nicht einschätzbar zu sein. Diese sollen verunsichert und eingeschüchtert werden. Diesem Zweck dient auch die Rhetorik ähnlich eines Muhammad Alis, der versuchte, seine Kämpfe schon im Vorhinein mit verbalen Angriffen und Demoralisierungen zu gewinnen. Trump wird mit dieser Strategie im Immobiliengeschäft mit oft genug Erfolg gehabt haben. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die Gegenseite beeindrucken lässt.


Mit Kim Jong-un steht Trump leider jemand gegenüber, der aus demselben Holz geschnitzt ist und gerade dann erst zur Höchstform aufläuft, wenn er provoziert wird. So waren technische Details zu möglichen nordkoreanischen Raketenangriffen auf die US-Pazifikinsel Guam die Antwort auf Trumps "Feuer und Wut"-Rede. Die Auseinandersetzung auf der rhetorischen Ebene ist weder für Trump noch für Kim Jong-un zu gewinnen. Leider schaukeln sich beide Herren jetzt gegenseitig hoch. Keiner der beiden Alpha-Tiere scheint nachgeben zu wollen. Sie sollten sich Nenas "99 Luftballons" anhören, wo es heißt "Die Nachbarn haben nichts gerafft und fühlten sich gleich angemacht" und "Dass es einmal soweit kommt wegen 99 Luftballons".

Eine drohende militärische Lösung des Konflikts muss jetzt aber unter allen Umständen verhindert werden. Es wäre schlimm, wenn sich die Weltführungsmacht USA durch Rabauken ähnliche Rhetorik ihres Präsidenten diplomatische Handlungsmöglichkeiten nimmt. Denn wie will Amerika reagieren, wenn Nordkorea seine Raketen zwar nicht auf Guam, sondern provozierend 100 Seemeilen davor ins Meer schießt? Es geht um Weisheit und nicht darum, sein Mütchen zu kühlen. Es wäre dumm, wenn man aus Gründen einer verletzten Eitelkeit oder Ablenkung von innenpolitischen Problemen ähnlich wie vor dem I. Weltkrieg sich selbst und andere wie ein Schlafwandler in katastrophale Konsequenzen führt. Es ist etwas anderes, ob Muhammad Ali 1974 in Kinshasa George Foreman k.o. schlägt oder der Ferne Osten zum Trümmerfeld wird.

Das hätte sich Herr Trump von jedem Psychologiestudent im ersten Semester erläutern lassen können, bevor er sich auf das Niveau des Diktators aus Pjöngjang begibt. "Worte zerstören, wo sie nicht hingehören", "Der Klügere gibt nach" und "Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben" sind Volksweisen, die ihren Weg auch in die USA gefunden haben.

Der Konflikt hat deswegen eine neue Dimension erreicht, weil Nordkorea selbst durch den kommunistischen Bruderstaat und Hauptverbündeten China offenbar nicht zum Umdenken zu bewegen ist. Alle diplomatischen Stricke scheinen aber nicht gerissen zu sein. China, das geopolitisch in der ersten Reihe neben den USA spielen will, sollte hier sein diplomatisches Meisterstück leisten. China kann schon deswegen nicht einfach zuschauen, weil es im Extremfall aufgrund seiner geostrategischen Lage am meisten zu verlieren hat. Ein Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes mit nachfolgender asiatischer Flüchtlingskrise könnte den sozialen Frieden im Reich der Mitte bedrohen. Zudem ist Nordkorea ein wichtiger strategischer Puffer, denn solange Nordkorea existiert, stehen keine US-Soldaten direkt an der chinesischen Grenze. Bislang sind sie in Südkorea stationiert.

Mit Chinas Unterstützung sollten jedoch die gestoppten Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea sowie Südkorea, China, Russland, Japan und den Vereinigten Staaten zur Lösung des Konflikts wieder aufgenommen werden. Hierbei wäre ein Raketenmoratorium Nordkoreas als Gegenleistung für die Rückführung von Sanktionen denkbare Ansatzpunkte. Immerhin steht Nordkorea wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand und versucht, durch außenpolitische Konfliktrhetorik von innenpolitischen Problemen abzulenken.

In diesem Zusammenhang ist es dringend erforderlich, dass US-Präsident Trump - was ihm nicht sicher nicht einfach fällt - seine Worte sorgsamer wählt. Seine verbale Abrüstung ermöglicht Gesichtswahrung des nordkoreanischen Machthabers. Wie man das macht, zeigt im Moment Außenminister Tillerson.

Grundsätzlich ist keine militärische Eskalation zu erwarten. Über die fatalen Konsequenzen sind sich beide Seiten bewusst. Der nordkoreanische Diktator ist kein politischer Selbstmörder. Würde er scharf schießen, wäre das auch sein persönliches Ende.

Auf Seite 2: Re-Emerging Markets



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