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Virtuelle Währungen: Kryptowährung Bitcoin - die Folgen sind real

Virtuelle Währungen: Kryptowährung Bitcoin - die Folgen sind real

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21.11.2017 - 18:58
24.10.2017 11:20:00

Der Run auf Bitcoin & Co hat das Zeug dazu, andere Assetklassen spürbar zu beeinflussen. Auch wer dem digitalen Geld misstraut, sollte auf die Entwicklungen achten. Von Gastautor Norbert Hagen



Die zurückliegenden Wochen waren nicht leicht für die Inhaber von Bitcoins. Erst kündigte die chinesische Regierung an, künftig das Angebot neuer Kryptowährungen (Initial Coin Offering) zu verbieten. Dann nannte Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan, Bitcoin einen Betrug. Die am weitesten verbreitete virtuelle Währung der Welt verlor innerhalb weniger Wochen rund 20 Prozent an Wert und durchbrach die 4000-Dollar-Marke nach unten. Dieser kurzfristige Rückschlag täuscht allerdings über die phänomenale Erfolgsstory des Bitcoin hinweg. Anleger, die beim Start im Juli 2010 gerade einmal 1000 Dollar in die Kryptowährung investiert haben, verfügen heute über ein Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar! Diese Kursexplosion fasziniert immer mehr Menschen.



Bitcoin ist die mit Abstand größte, jedoch nicht die einzige Kryptowährung. Ether, die Währung des Ethereum-Systems, stieg seit Jahresanfang in etwa auf das 60-Fache und kommt jetzt auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 20 Milliarden Dollar. Alle Kryptowährungen zusammengerechnet machen mittlerweile ein Volumen von 120 Milliarden Dollar aus. Das sind beileibe keine Peanuts. Die globale Geldmenge ist in ihrer weitesten Abgrenzung M3 auf Sicht eines Jahres um 5,5 Prozent gewachsen.


Würden die virtuellen Währungen mitgerechnet, beliefe sich der Anstieg auf sieben Prozent. Noch halten sich die Auswirkungen dieses Geldmengenzuwachses in Grenzen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Inhaber ihre virtuellen Währungen als Wertanlage halten und nicht verkonsumieren. Das virtuelle Geld kommt bislang nur in "homöopathischen" Mengen in Umlauf. Das könnte sich jedoch schon bald ändern.

Denn die Kursexplosion von Bitcoin & Co hat in den vergangenen Monaten solche Ausmaße angenommen, dass investierte Anleger einen enormen, bislang jedoch weitgehend virtuellen Vermögenszuwachs haben. Gefühlt sind sie deutlich wohlhabender. Das könnte sie dazu verleiten, ihre Konsumausgaben zu erhöhen. Vor allem in den USA ist es immer wieder zu beobachten, dass die Verbraucher mehr Geld ausgeben, wenn die Aktienkurse und Immobilienpreise steigen und dadurch die Vermögen der Menschen an Wert gewinnen.

Es ist kaum anzunehmen, dass der Effekt bei Kryptowährungen anders aussieht. Bei steigenden Konsumausgaben würde in einem ersten Schritt die Inflation anziehen - dem Angebot an Produkten und Dienstleistungen würde eine größere (Geld-)Nachfrage gegenüberstehen. In einem Umfeld, in dem die Notenbanken überwiegend die Inflation als noch zu niedrig erachten, wäre dies eine willkommene Entwicklung. Auf lange Sicht dürfte das durchaus anders aussehen, denn es ist nicht zu erwarten, dass Staaten beziehungsweise staatliche Institutionen auf ihr Privileg verzichten, Geld zu drucken.

Doch erst einmal ist der Blick in die nahe Zukunft entscheidend. Eine höhere Geldentwertung träfe zuerst Festverzinsliche bester Bonität und mit langer Restlaufzeit, weil dann auch die Zinsen steigen würden. Aktien profitieren dagegen tendenziell von einer etwas höheren Inflation. Das gilt auch für Gold. Das Edelmetall könnte allerdings darunter leiden, dass virtuelle Währungen von Anlegern auch als Wertspeicher wahrgenommen werden und so Gold Konkurrenz machen. Bei Edelmetallen ist somit die Lage unentschieden. Ein weiterer Gewinner wäre der Dollar.

Bei einer höheren Geldentwertung dürfte die US-Notenbank Fed die Zinsen schneller und stärker erhöhen, als bislang angenommen. Das gilt gerade vor dem Hintergrund, dass in den USA nach offizieller Lesart weitgehend Vollbeschäftigung herrscht - ein guter Nährboden für eine klassische Lohn-Preis-Inflationsspirale. In Europa hat dagegen noch nicht einmal die Diskussion über einen Ausstieg aus den Anleihekäufen durch die EZB richtig begonnen, eine Zinswende ist nicht vor Ende 2018 in Sicht. Bei richtiger Positionierung sollten somit auch nicht in Bitcoin investierte Anleger den Erfolg der Kryptowährungen eher begrüßen.

Norbert Hagen



Vor neun Jahren übernahm der promovierte Wirtschaftswissenschaftler das Management des Mischfonds Leonardo, der für seine ausgezeichnete Performance bereits wiederholt prämiert wurde. Hagen, im Vorstand der ICM InvestmentBank, bezeichnet seinen Anlagestil selbst als grundsätzlich opportunistisch. Er investiert bevorzugt in ein sehr breites Spektrum von Unternehmensanleihen.

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Bildquelle: ICM InvestmentBank AG

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