ROHSTOFFE

Ölpreis im freien Fall - Mehr Fluch als Segen für Wirtschaft

Ölpreis im freien Fall - Mehr Fluch als Segen für Wirtschaft

WKN: CBK100 ISIN: DE000CBK1001 Commerzbank

7,28 EUR
0,29 EUR 4,18 %
07.12.2016 - 16:05
27.01.2016 07:31:00

In den westlichen Industrieländern jubeln die Verbraucher über sinkende Energiekosten. Sie werden um Milliarden entlastet. Was hier aber ein Segen ist, ist dort ein Fluch: Denn der Ölpreisrutsch bringt viele Länder, Branchen und Unternehmen in erhebliche Schwierigkeiten.

"Mineralwasser ist derzeit teurer als Rohöl", klagt Mario Mehren. Der Chef von Deutschlands größtem Ölproduzenten Wintershall kann das nicht so recht verstehen. Weniger als 20 Cent kostet der Liter am Weltmarkt, für manch ein Wasser zahlen deutsche Verbraucher im Supermarkt das Fünffache. Dabei betreiben die Ölfirmen einen riesigen Aufwand, um an den begehrten Rohstoff zu kommen. "Ob auf dem Meeresboden oder unter dem heißen Sand der libyschen Wüste: Bei unserer Suche nach Erdöl und Erdgas setzen wir auf neueste Technologien, modernste Geräte und viel Durchhaltevermögen unserer Mitarbeiter", beschreibt Wintershall, Tochter des Chemieriesen BASF, die mühsame und teure Suche nach neuen Rohstoffvorkommen. Umso ernüchternder, wenn sich der Aufwand am Ende nicht auszahlt.

In den westlichen Industrieländern jubeln die Verbraucher über sinkende Energiekosten. Sie werden um Milliarden entlastet. Was hier aber ein Segen ist, ist dort ein Fluch: Denn der Ölpreisrutsch bringt viele Länder, Branchen und Unternehmen in erhebliche Schwierigkeiten. In Saudi-Arabien, dem Land mit den weltweit größten Ölvorräten, klafft plötzlich ein 100-Milliarden-Dollar großes Loch im Staatshaushalt. In Russland stürzt der Rubel von einem Rekordtief zum nächsten. Energie-Riesen rund um den Globus rechnen mit einer Gewinnschmelze, streichen Tausende Jobs und Milliarden-Investitionen. Experten befürchten eine riesige Pleitewelle von Ölförderern und Minen-Betreibern. Die Börsen sind in Aufruhr. Manch ein Experte zieht sogar schon Parallelen zur verheerenden Finanzkrise von 2007/08.

In den Chefetagen der deutschen Unternehmen schwant den Managern mittlerweile, dass das billige Öl am Ende mehr schlecht als recht ist. Es destabilisiert ganze Regionen und macht Waren "Made in Germany" durch den Währungsverfall teurer. "Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", warnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, dass "das globale Wachstum entgleisen könnte". "Wir haben eine schizophrene Situation", sagt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Die dunkle Seite des niedrigen Ölpreises ist, dass viele Abnehmerländer auf wackligen Beinen stehen."

Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent eingebrochen. Allein in den vergangenen drei Wochen ging es um etwa ein Fünftel nach unten. Die Gründe für den Preisverfall sind vielschichtig: Die USA sind durch die neue Fracking-Technik zum weltgrößten Öl-Produzenten aufgestiegen. Die Opec, allen voran Saudi-Arabien, versucht die neue Konkurrenz damit zu bekämpfen, den Weltmarkt zu fluten. Hinzu kommt die Rückkehr des Irans, der wegen der westlichen Sanktionen Jahre lang kein Öl exportieren durfte.

Die Regierung in Teheran drängt nun mit Macht zurück, auch um den Erzfeind Saudi-Arabien damit zu schwächen. Angepeilt sind Exporte von 500.000 Barrel pro Tag. Die Internationale Energie-Agentur warnt, die Rohstoffmärkte würden 2016 "im Überangebot ertrinken". Mit Preisen von teils unter 30 Dollar je Barrel (159 Liter) sind die wichtigsten Sorten Brent und WTI so billig wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Auf Seite 2: DROHT RUSSLAND DER TODESSTOSS?



Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6

Bildquelle: Istockphoto

Aktienempfehlungen zu Commerzbank

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
24.11.16 Commerzbank kaufen Bankhaus Lampe KG
23.11.16 Commerzbank Verkaufen DZ BANK
16.11.16 Commerzbank kaufen Bankhaus Lampe KG
14.11.16 Commerzbank Hold HSBC
07.11.16 Commerzbank Neutral Citigroup Corp.
mehr Aktienempfehlungen

Rohstoffe in diesem Artikel

Ölpreis (WTI) 50,31 -0,55
-1,08

Aktien in diesem Artikel

BASF 84,71 1,89% BASF
BHP Billiton Ltd. 18,08 2,35% BHP Billiton Ltd.
Chevron Corp. 105,46 0,65% Chevron Corp.
Commerzbank 7,27 3,57% Commerzbank
Continental Resources Inc Shs 53,01 1,92% Continental Resources Inc Shs
Exxon Mobil Corp. (ExxonMobil) 81,61 -0,13% Exxon Mobil Corp. (ExxonMobil)
Royal Dutch Shell (A) 24,49 0,63% Royal Dutch Shell (A)
Whiting Petroleum CorpShs 11,13 -2,21% Whiting Petroleum CorpShs

Nachrichten

  • Nachrichten zu Rohstoffe
  • Alle Nachrichten
pagehit