Als durchwachsen ist in diesem Jahr die Preisentwicklung im Edelmetallbereich einzustufen. Bei Gold steht beispielsweise verglichen mit dem Stand zum Ende des Vorjahres noch immer ein Plus zu Buche. Allerdings ging ein größerer Teil der Aufschläge jüngst wieder verloren. Auch beim kleineren Bruder Silber setzte es zuletzt Einbußen und so steht als Bilanz für das laufende Jahr inzwischen sogar ein kleines Minus angeschrieben.

Ähnliches wie zum Silber ist auch für Platin zu konstatieren. Während phasenweise Gewinne zu Buche standen, notiert der Preis mittlerweile ganz leicht unter dem Ende 2017 gültigen Niveau. Zum echten Star-Performer hat sich dagegen Palladium gemausert. Beflügelt von den in diesem Fall stützenden Umwälzungen in der Autoindustrie hat sich der Preis hier im Jahresverlauf ziemlich kontinuierlich nach oben geschraubt.

Kurz vor dem Jahresultimo haben sich die Rohstoff-Analysten der Commerzbank Gedanken darüber gemacht, wie es mit den vier Edelmetallen weitergeht, die sich aufgrund ihrer Verfügbarkeit und Möglichkeit zur Bearbeitung als Anlagemetalle durchgesetzt haben. Interessant dabei: Die Experten berichten zwar auch über Herausforderungen, letztlich sind sie mit Blick auf die weitere Preisfindung über ziemlich optimistisch gestimmt.

In drei von vier Fallen sagt die Commerzbank bis Ende 2018 und erst Recht bis Ende 2019 deutlichere Preisaufschläge voraus, während in einem Fall von Preisstagnation ausgegangen wird. Dem als am aussichtsreichsten eingestuften Edelmetall traut man dabei einen Anstieg von rund 27 Prozent bis zum vierten Quartal 2019 zu. BÖRSE ONLINE verrät auf den nächsten Seiten mehr zu den Preiszielen und den voraussichtlichen Preistreibern im Edelmetallbereich im kommenden und im übernächsten Jahr.

Auf Seite 2: Palladium





Palladium



Palladium hat mit einem Plus von rund 50 Prozent seit Jahresbeginn unter den von der Commerzbank betrachteten Rohstoffen die beste Preisentwicklung in diesem Jahr aufzuweisen. Palladium erreichte dabei Ende November in der Spitze über 1.030 Dollar je Feinunze und damit das höchste Niveau seit fast 17 Jahren. Als Folge davon kostet Palladium inzwischen sogar mehr als Platin. Noch teurer als aktuell war Palladium im relativen Vergleich zu Platin letztmals im April 2001.

Palladium hat sich somit im Jahresverlauf von den anderen Edelmetallen abgekoppelt und beschritt seinen eigenen Weg. Seit Ende April geht die Schere immer weiter auseinander. Palladium profitiert dabei von der robusten Nachfrage nach Autos mit Benzinmotoren. Die Automobilindustrie stellt rund 80 Prozent der gesamten Palladiumnachfrage. Palladium kommt dabei vornehmlich in Katalysatoren für Benzinmotoren zum Einsatz.

Zwar zeigten die beiden wichtigsten Automärkte USA und China in den ersten acht Monaten deutliche Schwächetendenzen. In den beiden darauffolgenden Monaten erholten sich die Absatzzahlen in den USA aufgrund von Neuanschaffungen nach den Wirbelstürmen merklich. Auch in China stiegen die Verkaufszahlen im September und Oktober kräftig. Die PKW-Neuzulassungen in der EU dürften 2017 das vierte Jahr in Folge steigen und das höchste Niveau seit dem Rekordjahr 2007 verzeichnen.

Von diesem Anstieg profitieren Autos mit Benzinmotor überproportional. Denn in Europa hat sich im Zeichen vom Dieselabgasskandal und der Diskussion um Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge in Innenstädten eine Veränderung im Kaufverhalten vollzogen. Lag der Anteil von Dieselfahrzeugen an den Neuzulassungen in Westeuropa im Vorjahr noch bei knapp 50 Prozent, so ist er in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres auf 45 Prozent gesunken. Im Oktober lag der Anteil nur noch bei 42 Prozent, was einem Rückgang um sieben Prozentpunkte innerhalb eines Jahres entspricht.

Im wichtigsten Absatzmarkt Deutschland liegt der Anteil von neu zugelassenen Diesel-PKW sogar nur noch bei 35 Prozent (Vorjahr 44 Prozent). Da PKWs mit alternativem Antrieb trotz erheblicher Steigerungsraten von der Verkaufsmenge her bislang noch kaum ins Gewicht fallen, dürfte der Anteil von Benzinern an den Neuzulassungen im Umkehrschluss entsprechend steigen.

Die Bäume für Palladium dürften nach Ansicht der Commerzbank dennoch nicht in den Himmel wachsen. So sei kaum davon auszugehen, dass sich die Verschiebungen zwischen Diesel- und Benzinautos in dem Maße fortsetzen werden wie in den vergangenen zwölf Monaten, sofern die Politik den Steuervorteil für Dieselkraftstoff unangetastet lasse. Denn trotz aller negativen Berichterstattung sei Diesel noch immer der umweltfreundlichere Kraftstoff, was Verbrauch und CO2-Ausstoß angehe. Zudem dürfte die Verschiebung der Preisdifferenz bei den Auto- und Katalysatoren-Herstellern Überlegungen aufkommen lassen, Palladium durch Platin zu ersetzen.

Aufgrund der starken Nachfrage aus der Automobilindustrie dürfte der globale Palladiummarkt 2017 aber ein beträchtliches Angebotsdefizit aufweisen. Der weltgrößte Verarbeiter von Platinmetallen, Johnson Matthey, bezifferte dies in seiner Schätzung von Mai auf 792.000 Unzen. Das wäre das sechste Defizitjahr in Folge. Auch für das nächste Jahr dürfte sich ein beträchtliches Angebotsdefizit abzeichnen, wenn Johnson Matthey im Februar 2018 neue Prognosen veröffentlicht.

Den Palladiumpreis erachtet die Commerzbank nach dem Anstieg um rund 50 Prozent in diesem Jahr auf ein 17-Jahreshoch als weitgehend ausgereizt. Zwar könne kurzfristig ein weiterer Anstieg nicht ausgeschlossen werden. Die Substitutionsdebatte dürfte den Höhenflug allerdings ausbremsen. Zudem dürften die Autoabsätze in den USA und in China ihr hohes Niveau der vergangenen Monate kaum halten und in Europa die Dynamik nachlassen.

Die Commerzbank sieht den derzeit bei 1.016,37 Dollar notierenden Palladiumpreis vor diesem Hintergrund im vierten Quartal 2018 im Schnitt bei 1.000 USD je Feinunze. Auf exakt diesem Niveau veranschlagt man zudem auch die durchschnittlichen Notierungen für das vierte Quartal 2019.

Charttechnik





Als ein sehr volatiles Edelmetall hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten Palladium erwiesen. Auf starke Preisanstiege folgten dabei auch immer wieder herbe Preisrückschläge. Seit Anfang 2016 geht es bei diesem Auf und Ab nun wieder deutlich nach oben, so dass die charttechnische Note aktuell gut ausfällt. Doch um das zu behaupten, steht als große Hürde die Aufgabe an, das Hoch aus dem Jahr 2001 bei 1.094 Dollar zu überwinden. Das zu schaffen dürfte nicht ganz einfach werden.

Auf Seite 3: Platin





Platin



Des einen Freud, des anderen Leid. So umschreibt die Commerzbank die Tatsache, dass Palladium seit Jahresbeginn deutlich zugelegt hat, während der Platinpreis letztlich auf der Stelle tritt und damit auf den hinteren Plätzen im Rohstoff-Ranking der Commerzbank liegt. Von den höchsten Niveaus seit fast 17 Jahren, wie das bei Palladium der Fall ist, ist Platin weit entfernt. Vielmehr Während bewegt sich die Preisfindung in diesem Jahr bei Platin weitgehend im Einklang mit den anderen beiden Edelmetallen Gold und Silber.

Unter dem Strich schwankte Platin das ganze Jahr über bis auf wenige Ausnahmen in einer Spanne zwischen 900 und 1.000 Dollar je Feinunze und näherte sich zuletzt wieder dem Mitte Juli bei 890 Dollar verzeichneten Jahrestief an. Die Folge davon: Kostete Platin zu Jahresbeginn noch gut 200 Dollar je Feinunze mehr als Palladium, so kehrte sich die Preisdifferenz Ende September um. Anfang Dezember erreichte sie 120 Dollar zugunsten von Palladium. Noch teurer war Palladium im Vergleich zu Platin letztmals im April 2001. Als Erklärung dafür taugen die im Abschnitt zum Palladium aufgezeigten Verschiebungen in der Autoindustrie.

Allerdings ist nach Ansicht der Commerzbank inzwischen bei der Verschiebung der Preisdifferenz ein Niveau erreicht, die bei den Auto- und Katalysatoren-Herstellern Überlegungen aufkommen lassen, Palladium durch Platin zu ersetzen. Als Palladium vor 17 Jahren letztmals so teuer war wie heute und deutlich teurer als Platin, habe es eine derartige Substitution gegeben, was den Palladiumpreis in den darauffolgenden Jahren erheblich belastet habe.

1:1 wiederholen dürfte sich die Geschichte allerdings nicht. Platin kostete damals beim aktuellen Palladiumpreis noch immer 300 Dollar weniger als heute. Entweder müsste also Palladium noch deutlich steigen oder Platin deutlich fallen. Zudem musste damals in einem Benzinkatalysator noch eine größere Menge Palladium als Platin eingesetzt werden. Heute sei es in etwa dieselbe Menge. Dies reduziere die Kostenersparnis und dürfte einer stärkeren Substitution entgegenstehen. Dennoch sei Substitution sicherlich ein wichtiges Thema des kommenden Jahres, sofern sich die Preisrelation weiter zugunsten von Palladium verschieben sollte.

Was allgemein die Marktlage bei Platin angeht, habe Johnson Matthey im Mai für 2017 mit einem Angebotsüberschuss von 302.000 Unzen gerechnet. Dieser dürfte im Februar wegen der Nachfrageschwäche bei Dieselfahrzeugen in Europa voraussichtlich nochmals nach oben revidiert werden. Damit wäre der Platinmarkt erstmals seit sechs Jahren überversorgt. Der World Platinum Investment Council (WPIC) erwarte dagegen für das nächste Jahr trotz der rückläufigen Verkaufszahlen bei Dieselfahrzeugen ein Angebotsdefizit von 275.000. Unzen. Der WPIC unterstelle dabei einen Rückgang der Platinnachfrage aus der Automobilindustrie um lediglich ein Prozent, was eher eine optimistische Annahme sei.

Aufgrund einer erstmals seit vier Jahren wieder steigenden Schmucknachfrage und einer höheren Nachfrage aus der übrigen Industrie solle die Platinnachfrage insgesamt sogar um zwei Prozent auf 8,03 Millionen Unzen steigen. Zudem erwarte der WPIC im nächsten Jahr ein um ein Prozent fallendes Platinangebot. Denn die Minenproduktion in Südafrika solle um zwei Prozent fallen, nachdem es dort wegen der zu niedrigen Preise zu beträchtlichen Minenschließungen gekommen sei. Das Land stelle rund 70 Prozent der weltweiten Platinminenproduktion. Auch ein etwas höheres Recyclingangebot könne dies nicht vollständig ausgleichen.

Nach Einschätzung der Commerzbank dürfte der Platinpreis weiter dem Goldpreis folgen. Da man mit einem steigenden Goldpreis rechne, dürfte folglich auch Platin zulegen. Eigene Stärke dürfte Platin aufgrund der Fundamentaldaten allerdings kaum entwickeln. Dafür müsste die Investmentnachfrage anspringen. Hier erwarte der WPIC lediglich eine Stagnation. Das momentan bei 886,36 Dollar notierende Platin dürfte vor diesem Hintergrund im vierten Quartal im Schnitt bei 1.000 Dollar je Feinunze handeln, im vierten Quartal 2019 dann aber bei spürbar höheren 1.125 Dollar.

Charttechnik





Platin feierte von November 1998 bis Märt 2008 eine richtige Party. Denn der Preis stieg in diesem Zeitraum erheblich von 336,50 Dollar auf 2.273 Dollar. 2008 kam es dann noch zu einer heftigen Korrektur, von der sich das Edelmetall aber schnell auch wieder ziemlich gut erholte. Seit dem zweiten Quartal 2011 steckt die Notiz aber nun schon in einer Abwärtsbewegung. Hierbei gibt es zwar Stabilisierungsansätze, aber diese sind durch die zuletzt schwache Entwicklung wieder gefährdet. Kritisch wäre ein nachhaltiges Unterschreiten des bereits in Angriff genommenen Jahrestiefs von 891,00 Dollar und erst Recht bei einem Fall unter das 2016 markierte Mehrjahrestief von 814,00 Dollar.

Auf Seite 4: Silber





Silber



Der Silberpreis folgte 2017 über weite Strecken den Bewegungen des Goldpreises. Die beste Entwicklung wies Silber im ersten Quartal auf, wo es Gold deutlich in den Schatten stellte. Mitte April verzeichnete Silber bei 18,7 Dollar je Feinunze sein bisheriges Jahreshoch. Das Gold/Silber-Verhältnis erreichte dagegen schon Anfang März bei 67,5 sein Tief, wie die Commerzbank erläutert.

Seit Mitte April entwickelte sich Silber dann deutlich schlechter als Gold. Mitte Juli stürzte der Preis bis auf ein 15-Monatstief von 15,3 Dollar ab. Anfang Dezember nähert sich Silber wieder diesem Niveau. Die Gewinne seit Jahresbeginn sind somit vollständig dahingeschmolzen. Das Gold/Silber-Verhältnis stieg Anfang Dezember auf 79,4 und erreicht damit das höchste Niveau seit April 2016. Zu Jahresbeginn lag es noch bei 72.

Silber weist damit im Vergleich zu Gold eine unterdurchschnittliche Preisentwicklung auf. Dank der positiven Konjunkturentwicklung und des gestiegenen Risikoappetits hätte Silber im zweiten Halbjahr Gold eigentlich davonlaufen müssen, so die Commerzbank. Zudem lägen die chinesischen Silberimporte nach zehn Monaten bereits höher als im Gesamtjahr 2016, was für eine robuste industrielle Nachfrage spreche.

Aktuelle Zahlen von Thomson Reuters GFMS und dem Silver Institute zur Silbernachfrage in diesem Jahr können das Rätsel jedoch lösen. Demnach legte die Industrienachfrage zwar um 3,4 Prozent auf 581,4 Millionen Unzen zu. Dagegen brach aber die Nachfrage nach Münzen und Barren um mehr als ein Drittel auf 130,1 Millionen Unzen ein. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009 und führte zu einem Rückgang der gesamten Silbernachfrage um 4,9 Prozent auf ein 5-Jahrestief von 976,1 Millionen Unzen. Das weltweite Silberangebot soll dagegen bei 1.008,3 Millionen Unzen stagnieren. Eine um 1,8 Prozent fallende Minenproduktion soll dabei durch ein höheres Angebot von Altsilber ausgeglichen werden. Der globale Silbermarkt weise daher erstmals seit fünf Jahren wieder einen physischen Angebotsüberschuss von 32,2 Millionen Unzen auf.

Die ETF-Nachfrage reiche nicht aus, den physischen Angebotsüberschuss zu absorbieren. GFMS und Silver Institute rechneten lediglich mit Netto-Zuflüssen von 14,9 Millionen Unzen bzw. einem Rückgang um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Schätzung könnte sogar noch zu optimistisch sein. Denn die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs wiesen nach elf Monaten sogar Abflüsse von fast acht Millionen Unzen aus.

Der Silberpreis sei mit einem Gold/Silber-Verhältnis von gut 78 im historischen Vergleich niedrig. Silber besitze somit gegenüber Gold Nachholpotenzial. Die positive Konjunkturentwicklung sei ebenfalls ein Argument für Silber, weil dadurch die Industrienachfrage weiter an Dynamik gewinnen dürfte. Diese mache mehr als die Hälfte der gesamten Silbernachfrage aus. Dass die Nachfrage nach Münzen und Barren noch mal so stark fallen wird, sei kaum vorstellbar.

Bei einer wahrscheinlich wieder höheren Nachfrage nach Münzen und Barren und seitens der ETF-Anleger würde der Nachfrageanstieg noch stärker ausfallen. Allerdings dürfte auch die Silberminenproduktion zulegen. Denn der Großteil der Silberproduktion falle als Nebenprodukt von Kupfer, Zink und Blei an und die Minenproduktion dieser Industriemetalle dürfte wegen der deutlich gestiegenen Preise ausgeweitet werden. Die Commerzbank sieht dennoch gute Aussichten für ein Marktdefizit, das den Silberpreis zusammen mit dem von den hauseigenen Edelmetall-Experten erwarteten Goldpreisanstieg bis Ende 2018 auf 18 Dollar steigen lassen sollte. Das Gold/Silber-Verhältnis würde dann auf 75 fallen.

Konkret sieht man den derzeit bei 16,04 Dollar gehandelten Silberpreis im vierten Quartal 2018 im Schnitt bei 17,50 Dollar und im vierten Quartal 2019 bei durchschnittlich 20,00 Dollar.

Charttechnik





Mit dem von 2008 bis 2011 stark gestiegenen Silberpreis ging es in den Jahren danach meist bergab. Im Vorjahr gab es dann hoffnungsvolle Ansätze für ein Ende der Tristesse. Doch mit den jüngsten Verlusten ist die zwischenzeitlich verbesserte Ausgangslage praktisch verspielt. Noch einmal deutlich eintrüben würde sich das Chartbild, wenn das gefährlich nahe gerückte 15-Monatstief von 15,3 Dollar unterschritten werden sollte.

Auf Seite 5: Gold





Gold



Gold stieg in den ersten acht Monaten des Jahres merklich und erreichte Anfang September knapp 1.360 USD je Feinunze. Seither hat Gold aber mehr als 100 Dollar verloren. Während Gold bei einer aktuellen Notiz von 1.254,40 Dollar in US-Dollar gerechnet gegenüber dem Stand zum Vorjahresende von 1.150,09 Dollar noch im Plus liegt, hat sich Gold in Euro bei einem derzeitigen Preis von rund 1.060 Euro trotz deutlicher Gewinne in den ersten vier Monaten sogar um etwas verbilligt.

Der Goldpreis dürfte laut Commerzbank 2018 den vor zwei Jahren begonnenen Anstieg aber fortsetzen. Die bestimmenden Faktoren blieben eine bei nahezu allen wichtigen Zentralbanken außerordentlich lockere Geldpolitik und in der Folge weiterhin sehr niedrige bis negative Realzinsen. Auch politische Unsicherheit dürfte das ganze Jahr über ein ständiger Begleiter sein. Zu nennen seien hier unter anderem im Frühjahr 2018 Parlamentswahlen in Italien, die für neue Unruhe in der Eurozone sorgen könnten. Zudem sei kaum davon auszugehen, dass das zweite Jahr der Präsidentschaft von Donald Trump in den USA sowohl innen- als auch außenpolitisch wesentlich ruhiger verlaufen wird als das erste. Ansonsten könnte eine Korrektur der hochbewerteten US-Aktienmärkte drohen, wovon Gold profitieren würde. Die zahlreichen geopolitischen Krisenherde dürften ebenfalls für latente Unsicherheit sorgen.

Zwar habe die Fed die Zinsen in diesem Jahr bereits zweimal angehoben und dürfte dies Mitte Dezember ein drittes Mal tun. Für das nächste Jahr erwarten die Commerzbank-Volkswirte drei weitere Zinsschritte. Wie das Jahr 2017 gezeigt habe, müsse das einem steigenden Goldpreis aber nicht entgegenstehen. Man ist jedenfalls der Ansicht, dass von der Geldpolitik kein nennenswerter Gegenwind auf Gold zu erwarten ist, zumal das Zinsniveau historisch niedrig bleibe. Auch sollte im nächsten Jahr etwas mehr Rückenwind von der physischen Goldnachfrage kommen. Diese war 2017 nur verhalten. Sehr zurückhaltend war insbesondere die Münzen- und Barrennachfrage in den USA. Ob letzteres auch 2018 so sein werde, hänge maßgeblich von der US-Steuerreform ab.

Die Gold-ETFs dürften 2017 zwar das zweite Jahr in Folge Netto-Zuflüsse verzeichnen. Bis Ende November belaufen sich diese auf knapp 230 Tonnen. Der Großteil davon erfolgte in der ersten Jahreshälfte. Seit Ende September haben die ETF-Anleger per Saldo kaum noch Gold gekauft. Die Netto-Käufe von 470 Tonnen aus dem Vorjahr dürften somit kaum erreicht werden. Die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren und die niedrigen Realzinsen würden auch 2018 für Netto-Zuflüsse in die Gold-ETFs sprechen. Wie stark diese ausfallen, hänge im hohen Maße von der Frage ab, ob der Höhenflug der Aktienmärkte anhält oder eine Korrektur erfolgt. Letztere könnte bei einem Scheitern der Steuerreformpläne in den USA, einer Eintrübung der globalen Konjunkturaussichten oder einer Zuspitzung der (geo-)politischen Risiken einsetzen.

Die Zentralbanken hätten in diesem Jahr deutlich weniger Gold gekauft. Metals Focus schätzt, dass die Netto-Käufe 2017 auf ein Siebenjahrestief von 370 Tonnen fallen werden. 2013 waren es noch fast 650 Tonnen. Aber es spreche vieles dafür, dass die Zentralbanken auch im nächsten Jahr Netto-Käufer bleiben werden. Neben Russland sollte auch China wieder als Käufer an den Markt zurückkommen. Auch die Zentralbanken anderer Schwellenländer wie die Türkei und Kasachstan dürften ihre Goldreserven weiter aufstocken.

Insgesamt bleibe das Umfeld für Gold auch 2018 konstruktiv. Die Zentralbanken stiegen zwar allmählich aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik aus, seien aber noch immer weit davon entfernt, restriktiv zu werden. Die Opportunitätskosten der Goldhaltung seien somit weiterhin nahe Null bis negativ, was für eine stärkere Investmentnachfrage im Westen spreche. Zahlreiche politische Unsicherheitsfaktoren in Europa und den USA sowie einige potenzielle geopolitische Krisenherde dürften die Nachfrage nach Gold zusätzlich begünstigen. Die Goldnachfrage in Asien sollte ihren Boden gefunden haben und 2018 moderat steigen.

Konkret sieht die Commerzbank den derzeit bei 1.254,40 Dollar gehandelten Goldpreis im vierten Quartal 2018 im Schnitt bei 1.350,00 Dollar und im vierten Quartal 2019 bei durchschnittlich 1.500,00 Dollar. Ein Risikofaktor für die Prognose stellt die Steuerreform in den USA dar. Sollte diese vollständig umgesetzt werden, könnte sich die Rally an den US-Aktienmärkten fortsetzen und Gold entsprechend weniger gefragt sein.

Charttechnik





Der Goldpreis hatte von Juli 1999 bis September 2011 bei einem Anstieg von 252,20 Dollar auf 1.900,55 Dollar einen sehr guten Lauf. Doch bis Ende 2015 schloss sich daran eine spürbare Korrektur an und trotz unternommener Erholungsansätze ist es bisher nicht gelungen, sich wirklich nachhaltig von diesem Schlag zu erholen. In diesem Jahr nun sag es phasenweise ganz gut aus, doch zuletzt ging es wieder etwas abwärts. Deshalb geht es jetzt erst einmal darum, weiteren Chartschaden zu vermeiden. Nach oben hin wäre es wichtig, zuerst das Jahreshoch von 1.349,21 Dollar und anschließend dann das Vorjahreshoch von 1.366,38 Dollar zu überwinden. Denn erst dann würde sich das Chartbild nachhaltig freundlich gestalten.