Ist die Luxuskrise vorbei? Laut Bain & Company deutet sich nach zwei schwachen Jahren für 2026 wieder eine leichte Erholung an. Doch der Markt hat sich grundlegend verändert und die Branche steht vor großen Herausforderungen. Der AKTIONÄR verrät, was die Experten konkret erwarten.
• Globaler Luxusmarkt wächst 2026 währungsbereinigt um null bis zwei Prozent mit einem Gesamtvolumen von bis zu 1,47 Billionen Euro.
• Mit einem Umsatzplus von 10 bis 15 Prozent im ersten Quartal 2026 war die USA die stärkste Region.
• Luxuserlebnisse übertreffen materielle Güter in der Verbraucherstimmung um 150 Prozent.
Nach zwei Jahren rückläufiger Nachfrage zeichnet sich für den globalen Luxusmarkt 2026 eine moderate Erholung ab. Laut einer aktuellen Studie von Bain & Company wird das weltweite Wachstum währungsbereinigt zwischen null und zwei Prozent liegen – bei einem Gesamtvolumen von bis zu 1,47 Billionen Euro. Für persönliche Luxusgüter prognostiziert das Beratungsunternehmen ein Wachstum von zwei bis vier Prozent auf 365 bis 373 Milliarden Euro. Im Vorjahr verzeichneten sie noch einen Rückgang auf 358 Milliarden Euro.
Regionale Unterschiede
Im Basisszenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent beruhigt sich die geopolitische Lage im Nahen Osten, Konsumausgaben bleiben stabil und der chinesische Markt setzt seinen Erholungskurs fort. Die USA wächst mit einem Umsatzplus von 10 bis 15 Prozent im ersten Quartal am stärksten. China erholt sich selektiv, mit einem Online-Wachstum von 25 bis 35 Prozent, während Konsumenten zunehmend Bekleidung gegenüber Lederwaren bevorzugen. Europa hingegen leidet unter rückläufigem Tourismus und gesättigter Inlandsnachfrage.
Ein optimistischeres Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent sieht bei weiterer geopolitischer Entspannung, beschleunigter Nachfrage in China und einem Aufschwung des US-Marktes ein Wachstum von vier bis sechs Prozent vor.
Erlebnisse statt Handtaschen
Strukturell gewinnen Luxuserlebnisse gegenüber materiellen Gütern weiter an Bedeutung: Sie übertreffen persönliche Luxusgüter in der Verbraucherstimmung um rund 150 Prozent. Innerhalb der Produktkategorien führt Schmuck das Wachstum an, während Lederwaren schwächeln.
Auch der Gebrauchtwarenmarkt wächst: Rund die Hälfte der Konsumenten prüft Vintage-Angebote, bevor sie neu kauft.
KI-Tools im Fokus
Trotz positiver Aussichten bleibt die Rentabilität eine Herausforderung. Steigende Kosten belasten die Margen, weshalb Unternehmen verstärkt auf KI setzen – sowohl zur Personalisierung des Kundenerlebnisses als auch zur Effizienzsteigerung im Back-Office. Auf der Nachfrageseite nutzen bereits rund 50 Prozent der Luxuskonsumenten KI-Tools beim Einkauf.
Wettbewerb nimmt zu
Langfristig bleibt die Rückgewinnung verlorener Konsumenten die zentrale Aufgabe. In den vergangenen zwei Jahren hat der Markt rund 70 Millionen Käufer eingebüßt. Mehr als 70 Prozent davon signalisieren grundsätzliche Rückkehrbereitschaft, aber nicht zwingend zu denselben Marken.
„Die Gewinner der letzten beiden Quartale sind ganz klar die erschwinglichen Luxusmarken, die sich in puncto Preisgestaltung und Wertversprechen am konsequentesten selbst treu geblieben sind und zudem eine authentische Verbindung zu ihren Kunden aufgebaut haben“, so Bain-Partnerin Federica Levato. Marken, die Sportveranstaltungen, Konzerte und Kulturevents als Kommunikationsplattformen nutzen, erwirtschafteten zuletzt über 80 Prozent des gesamten Luxusmarktwerts.
Fazit
Das Geschäftsmodell der vergangenen Jahrzehnte – hohe Preise, starke Marke, loyale Kundschaft – trägt allein nicht mehr. Wer langfristig wachsen will, muss kulturell relevant bleiben, technologisch investieren und vor allem die nächste Konsumentengeneration ernst nehmen.
Die LVMH-Aktie steht derzeit nicht auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR. Welche Aktie aber neu auf die Kaufliste gewandert ist und als Sieger aus dem heißen Luxusbattle in der Ausgabe 26/26 hervorgeht, lesen Sie hier.
FAQs zu LVMH
Wie groß ist LVMH?
LVMH ist der weltweit größte Luxusgüterkonzern. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 223 Milliarden Euro. Der Konzern erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 80,8 Milliarden Euro.
Welche Marken gehören zu LVMH?
Zum Konzern gehören zahlreiche Luxusmarken, darunter Louis Vuitton, Dior, Tiffany, Moët & Chandon, Hennessy, TAG Heuer, Bulgari oder Sephora.
Zahlt LVMH Dividende?
LVMH zahlt regelmäßig Dividenden und hat die Ausschüttung in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Gesamtdividende von 13,00 Euro pro Aktie bestätigt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH, Hermès, Kering.
Die Autorin hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH.