Keine Wachstumsrakete, aber ein Stabilitätsanker mit zuverlässiger Dividende. Die neuen Umsatzzahlen überzeugen, Fantasie liefern die Spanien-Pläne.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 15. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 30/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Es sind nicht die großen Anschaffungen, die Bijou Brigitte tragen — es sind die kleinen. Ein paar Ohrringe am Bahnhof, ein Armband im Einkaufszentrum, eine Kette „nur mal kurz“ vor dem Abendessen. Das Geschäft mit Modeschmuck lebt vom Impuls. Und der Impuls lässt sich überraschend gut messen. Nicht mit Buzzwords, sondern mit ganz einfachen Fragen: Was steht im Schnitt auf dem Kassenbon? Wie viele Teile gehen pro Einkauf über den Tresen? Dass diese Fragen zufriedenstellend beantwortet werden, hat Bijou Brigitte, der im deutschen Markt führende Anbieter von Modeschmuck und modischen Accessoires, erneut gezeigt. So lag nach vorläufigen Zahlen der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 bei 153,3 Millionen Euro und damit nur knapp unter dem Vorjahreswert von 154,8 Millionen. Zugegeben, das ist wirklich keine überschäumende Wachstumsstory, aber es ist ein Stabilitätsnachweis in einem Umfeld, in dem viele Konsumtitel deutlich härter kämpfen. Immerhin zog auch die Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen um vier Prozent an. 

Das Hamburger Unternehmen ist ein Muster an Konstanz. Gut und gerne 9.000 Artikel hat man im Angebot, von Mode-, Silber- und Kinderschmuck über Herrenaccessoires bis hin zu Randsortimenten wie Tüchern, Uhren und Sonnenbrillen. Verkauft wird an fast 900 Standorten in über 20 Ländern. Diese Konstanz sieht man auch an der Kapitaldisziplin des Unternehmens, und dort vor allem an den üppigen Dividenden. So ist die Rekordausschüttung für 2025 mit 3,50 Euro Basis­dividende plus 2,50 Euro Sonderdividende inzwischen ausgezahlt. Ganz klar: Der Konzern lässt den Liquiditätspuffer nicht einfach herumliegen, sondern gibt Kapital zurück, wenn sich im Kerngeschäft keine besseren Renditen auftun. Dass dies so konsequent gelebt wird, hängt auch mit der Eigentümerstruktur zusammen: Bijou Brigitte ist familiendominiert. Ein Großteil der Aktien liegt weiterhin im Besitz der Gründerfamilie Werner. 

Wem Stabilität zu wenig ist, dem könnten die Expansionspläne in Südeuropa gefallen. In Spanien wurde die 100. Filiale aufgemacht, geplant sind im laufenden Jahr bis zu 15 weitere Standorte. Das weckt Erinnerungen, war doch Spanien einst ­einer der profitabelsten Märkte für Bijou Brigitte. Damit lässt sich spekulieren: Greift die Expansion im zweiten Halbjahr, könnte aus der Stabilität im ersten Halbjahr ein Momentum werden, das der Markt heute noch nicht einpreist.

Fazit

Wenn im September die Kennzahlen zeigen, dass Preis, Mix und Kostenkontrolle den Gewinn stabil halten, dann ist mindestens das Jahreshoch bei 56 Euro wieder drin, ohne dass dafür zwingend starkes Umsatzwachstum nötig wäre. 

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