Wie viele andere Softwareaktien geriet auch dieser US-Vertreter im Frühjahr 2026 an der Börse unter die Räder. Doch jetzt scheint sich die Lage aufzuhellen. Gleich mehrere Investmentbanken hoben ihre Kursziele zuletzt deutlich an.
Die Aktie des Prozessoptimierers und SAP-Konkurrenten ServiceNow hat in den vergangenen zwei Jahren heftig Federn lassen müssen: Von ihrem Höchststand bei 225 US-Dollar im Januar 2025 verlor sie zeitweise 63 Prozent und stürzte bis auf 83 Dollar Anfang Juni 2026. Seitdem hat sich der Aktienkurs bereits wieder um 50 Prozent erholt: Am Mittwochabend schloss ServiceNow bei etwas über 127 Dollar.
Bank of America sorgt für Kurssprung
Doch glaubt man den Analysten, könnte es noch deutlich höher gehen. Gleich drei große Investmentbanken haben zuletzt ihre Kursziele erhöht und sind auf eine „Kaufen“-Empfehlung umgeschwenkt. Sie kommen damit angesichts der Kurserholung spät – aber womöglich noch nicht zu spät.
Am Mittwoch sprang der Kurs gleich um acht Prozent an, nachdem die Bank of America ihr Kursziel von 130 auf 150 Dollar angehoben hatte. Analyst Tal Liani weist in seiner Studie darauf hin, dass der Annual Contract Value (ACV) im KI-Bereich die Marke von 1 Milliarde US-Dollar überstiegen habe. Das ist wichtig, weil es sich aufgrund des Abomodells von ServiceNow dabei um wiederkehrende, fest gebuchte Umsätze handelt. Damit liege das Unternehmen „weiterhin auf Kurs, das Unternehmensziel von 1,5 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2026 zu übertreffen“, stellt Liani in seiner Studie fest.
Weitere Analysten heben Kursziele deutlich an
Dass ServiceNow zudem eigene KI-Agenten entwickelt habe, die auf Basis der historischen Daten seiner Unternehmenskunden „kontrollierte, sichere und transparent überwachbare Unternehmens-Workflows“ ermöglichen, dürfte laut Liani „ein anhaltendes Umsatzwachstum im hohen Zehnerprozentbereich sowie eine weitere Ausweitung des freien Cashflows unterstützen“.
Einen Tag zuvor hatte Capital One Securities sein Kursziel ebenfalls auf 150 Dollar angehoben, von zuvor 120 Dollar. Wells Fargo taxiert den fairen Wert der ServiceNow-Aktie mittlerweile sogar auf 175 Dollar, das entspräche einem Kurspotenzial von fast 40 Prozent.
Wells Fargo Securities bewertet die Aktie positiv mit einem Kauf-Rating. Der Zielpreis wurde von 160 US-Dollar auf 175 US-Dollar angehoben. Allerdings gehörte die Bank auch davor schon mit ihrem alten Kursziel von 160 Dollar zu den größten Optimisten.
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Wachstum beschleunigt sich trotz KI-Sorgen
Einige Experten trauen ServiceNow nun eine größere Überraschung bei den Q3-Zahlen zu, die das Unternehmen am 28. Oktober vorlegen wird. Trotz aller Befürchtungen einer durch KI ausgelösten Disruption zeige das Geschäft kaum Anzeichen einer Schrumpfung, betonen die Analysten von Passage Research in einem Beitrag auf Seeking Alpha. Dynamik beim Abschluss neuer Unternehmensverträge deute sogar eher auf beschleunigte als auf verlangsamte Wachstumsraten hin. „Ich gehe davon aus, dass dies auch im kommenden Jahr bei den Anlegern Anklang finden wird, und erwarte, dass sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis weiter ausweiten wird“, schreibt der nicht näher benannte Analyst von Passage. Sein Votum ist klar: Kaufen.
Hoffnungen auch für SAP-Aktionäre
Es ist gut möglich, dass die jüngsten Kursanstiege bei ServiceNow auch auf die Aktie von SAP abstrahlen. Beide Unternehmen konkurrieren teilweise um ähnliche Kunden und auch SAP hat zuletzt gezeigt, dass das Wachstum bei den Neuverträgen nicht, wie vom Markt erwartet, von der Verfügbarkeit neuer KI-Agenten beeinflusst wird.
Und so ist die SAP-Aktie allein in den vergangenen vier Wochen - entgegen der Einschätzung vieler Analysten - um 40 Prozent gestiegen. Gut möglich, dass auch hier bald die Kursziele massiv angehoben werden.
Häufige Fragen zum Thema
Was macht ServiceNow?
ServiceNow ist ein Softwareanbieter, der Unternehmen hilft, Arbeitsabläufe durch KI und Automatisierung zu digitalisieren, zu verbinden und zu optimieren. Im Zentrum steht eine cloudbasierte Plattform, die IT, Personalwesen (HR), Kundenservice und Sicherheitsabteilungen vernetzt und dadurch Prozesse effizienter machen und die Produktivität steigern soll.
Wer ist der Chef von ServiceNow?
CEO ist seit 2029 der US-Amerikaner William Richard (genannt „Bill“) McDermott. Die Personalie sorgte für Schlagzeilen, weil McDermott zuvor von Februar 2010 bis Oktober 2019 Vorstandsvorsitzender der SAP SE gewesen war. Dort wurde am 11. Oktober 2019 sein Rücktritt als CEO mit sofortiger Wirkung verkündet. Nur elf Tage später wurde bekannt, dass McDermott zum Ende des Jahres 2019 als Nachfolger von John Donahoe neuer CEO von ServiveNow werden würde. McDermott wurde 2026 vom Manager Magazin zum „Manager des Jahres“ in Deutschlanf gekürt.
Sind SAP und ServiceNow Konkurrenten?
Ja, zum Teil. SAP und ServiceNow konkurrieren im Bereich der digitalen Geschäftsprozesse, bei der Workflow-Automatisierung und im Enterprise Service Management. Unter McDermott hat ServiceNow außerdem begonnen, in Teile des klassischen ERP-Geschäfts von SAP (Finanzen, Logistik) einzubrechen.