Star-Investor Jim Cramer hat eine 20-Prozent-Regel für Anleger, die Gewinnsicherung mit weiterem Aufwärtspotenzial verbinden soll.

Wer bei einer Aktie richtig liegt, steht dann meist vor einem Luxusproblem: Verkauft man und sichert den Gewinn – oder bleibt man investiert und riskiert, dass ein Teil des Buchgewinns wieder verschwindet? Die 20-Prozent-Regel von Cramer soll genau diesen Konflikt entschärfen.

Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt BÖRSE ONLINE bei Google bevorzugen. 

Nach 20 Prozent Kursplus: einen Teil des Gewinns sollte man laut Cramer sichern

Die Regel soll also zwei Probleme lösen: Anleger können einen Teil ihrer Gewinne schützen und bleiben gleichzeitig investiert, falls die Aktie ihren Aufwärtstrend fortsetzt.

„Wenn Ihre Aktien deutlich steigen, sollten Sie diese Gelegenheit nutzen und nur einen Teil Ihrer Position zu Geld machen“, sagte der US-amerikanische Journalist und Moderator in seiner Sendung “Mad Money” auf CNBC dazu. „Nach einer Bewegung von 20 Prozent oder mehr müssen Sie etwas vom Tisch nehmen.“

Damit ist aber laut Cramer kein vollständiger Ausstieg gemeint. Vielmehr gehe es darum, einen Teil der Position zu verkaufen, sobald die Aktie mindestens 20 Prozent zugelegt hat.

Sie interessieren sich dafür, wo Börsenlegenden investieren? BÖRSE ONLINE hat einen Index entwickelt, der die Top-5-Positionen aus den Portfolios von Warren Buffett, Bill Gates, Bill Ackman und Ken Fisher vereint. 

Weitere Kursgewinne rechtfertigen weitere Teilverkäufe

Ein Anleger wollte von Cramer deshalb in der Sendung wissen, wie viel er verkaufen sollte – und wann es sinnvoll sein könnte, wieder einzusteigen. Cramers Antwort: Auch nach dem ersten Kursanstieg von 20 Prozent können Investoren ihre Position weiter reduzieren. Als Größenordnung nannte er fünf bis zehn Prozent des Bestands. Steigt die Aktie anschließend nochmals um 20 Prozent, würde er einen weiteren ähnlich großen Teil verkaufen. Seine Begründung: „Disziplin muss immer Überzeugung schlagen.“

Aus der Regel entsteht so ein wiederholbarer Prozess. Anleger müssen nicht bei jedem Kursanstieg die gesamte Position neu bewerten, sondern können sich an einem vorher festgelegten Vorgehen orientieren.

Weiterführende Links

Aktie steigt rasant: Warum ein kompletter Verkauf riskant sein kann

Der Verkauf eines Teilbestands schützt einen Teil des Buchgewinns davor, bei einer möglichen Trendwende wieder verloren zu gehen. Gleichzeitig bleibt eine Kernposition im Depot. Das kann entscheidend sein, denn Cramer warnt: „Die meisten Gewinne entstehen in konzentrierten Schüben.“

Ein vollständiger Ausstieg kann deshalb gefährlich sein. Wer die gesamte Position verkauft, könnte die nächste kräftige Aufwärtsbewegung verpassen – insbesondere dann, wenn der Wiedereinstieg nicht rechtzeitig gelingt.

Die 20-Prozent-Regel versucht, beide Risiken miteinander zu verbinden: Sie reduziert das Engagement in einer stark gestiegenen Aktie, ohne die komplette Chance auf weitere Kursgewinne aufzugeben.

Die zurückgehaltene Liquidität soll später wieder arbeiten

Das durch die Teilverkäufe frei gewordene Geld erfüllt bei Cramer noch eine zweite Funktion. „Wenn Ihre Aktien unter Druck geraten, setzen Sie dieses Geld ein, um zu niedrigeren Kursen weitere Aktien zu kaufen“, sagte er.

Die Strategie folgt damit einem Kreislauf:

1. In Stärkephasen einen Teil der Position verkaufen.

2. Liquidität aufbauen.

3. In Schwächephasen schrittweise wieder investieren.

So wird der Teilverkauf nicht ausschließlich als Gewinnmitnahme verstanden. Er schafft zugleich finanziellen Spielraum, um bei fallenden Kursen handlungsfähig zu bleiben.

„Buy and homework“ statt blindes Nachkaufen

Die 20-Prozent-Regel passt zu Cramers übergeordneter Philosophie des „buy and homework“. Gemeint ist, dass Anleger die Unternehmen in ihrem Depot kontinuierlich analysieren und ihre Investmentthese regelmäßig überprüfen sollen. Das ist besonders wichtig, wenn eine Aktie nach einem Rückgang günstiger erscheint. Ein fallender Kurs allein ist für Cramer kein ausreichender Grund zum Nachkaufen. Verschlechtert sich das Geschäft des Unternehmens, kann ein Verkauf sinnvoller sein als ein automatischer Zukauf in der vermeintlichen Schwäche.

Cramers Ansatz zielt damit weniger darauf, den Höhepunkt einer Aktie vorherzusagen. Im Mittelpunkt steht stattdessen die Risikosteuerung: Ein Erfolg mit einer einzelnen Aktie soll nicht dazu führen, dass das gesamte Depot einem übermäßigen Einzelwertrisiko ausgesetzt ist. Die 20-Prozent-Regel ist also kein Versprechen auf sichere Gewinne und auch kein mechanisches Signal für Kauf oder Verkauf. Sie ist vor allem ein Disziplinierungsinstrument.

Die Grenzen der 20-Prozent-Regel

Eine starre Prozentregel passt allerdings nicht automatisch zu jeder Aktie, Anlagestrategie oder Risikotoleranz. Besonders bei stark schwankenden Titeln kann ein Kursanstieg von 20 Prozent schnell von einer ebenso kräftigen Gegenbewegung gefolgt werden. Mehrere Teilverkäufe und spätere Nachkäufe können außerdem zu häufigen Umschichtungen führen.

Anleger sollten die Regel deshalb nicht isoliert anwenden, sondern auch die Größe der Position, die Volatilität der Aktie, den Anlagehorizont und die eigene Risikobereitschaft berücksichtigen. Die 20 Prozent sind eine Orientierung – keine Garantie dafür, dass ein Kursgewinn tatsächlich nachhaltig ist oder ein Rücksetzer eine günstige Kaufgelegenheit darstellt.

Wenn Sie sich für weitere Wirtschafts- und Börsennachrichten interessieren, könnte ein Probeabo von BÖRSE ONLINE das Richtige für Sie sein.

Häufige Fragen

Was besagt Cramers 20-Prozent-Regel?

Nach einem Kursanstieg von mindestens 20 Prozent sollen Anleger einen Teil ihrer Aktienposition verkaufen. Cramer nennt dabei eine Reduzierung von etwa fünf bis zehn Prozent des Bestands. Steigt die Aktie danach erneut um 20 Prozent, kann ein weiterer Teilverkauf folgen.

Warum sollen Anleger nicht gleich die gesamte Position verkaufen?

Ein Teilverkauf sichert einen Teil des Buchgewinns, während eine verbleibende Kernposition weiteres Aufwärtspotenzial offenhält. Nach Cramers Einschätzung entstehen die meisten Gewinne in konzentrierten Kursbewegungen. Ein kompletter Ausstieg könnte deshalb dazu führen, dass Anleger eine anschließende Rally verpassen.

Sollten Anleger nach einem Kursrückgang automatisch nachkaufen?

Nein. Cramers Konzept des „buy and homework“ verlangt, das Unternehmen weiter zu analysieren. Ist das Geschäft intakt, kann die zuvor aufgebaute Liquidität bei niedrigeren Kursen zum Nachkauf eingesetzt werden. Verschlechtert sich die Unternehmensentwicklung, kann dagegen ein Verkauf sinnvoller sein.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.