Gleich drei internationale Mega-Events muss der DAX in dieser Woche verdauen. Hinzu kommen wichtige Meldungen aus der Auto-, Chip-, und Bankenbranche. Das bewegt die Börsen am Montag.
Nach einem Kursgewinn von 0,6 Prozent am Freitag und der Rückeroberung der 26.000-Punkte-Marke wird der DAX am Montag moderat im Minus erwartet. Eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax einen Kursrückgang um 0,2 Prozent auf 26.093 Punkte.
Damit bliebe der deutsche Leitindex über der Marke von 26.000 Punkten sowie der Unterstützung der 21-Tage-Linie, ein charttechnisch viel beachteter, kurzfristiger Trendindikator. Der Weg zurück zum Rekordhoch von gut 26.574 Punkten dürfte derweil steinig bleiben, denn in dieser Woche warten gleich mehrere wichtige Ereignisse, die schnelle Kursveränderungen auslösen könnten.
Drei Mega-Events: Iran, Nvidia, Jackson Hole
Am Montagabend will US-Finanzminister Scott Bessent konkret erklären, mit welchen neuen Sanktionen die USA ihren „Wirtschaftskrieg“ (O-Ton Donald Trump) gegen den Iran führen wollen. Das könnte Auswirkungen auf Aktien weltweit haben.
Am Mittwochabend meldet Nvidia, der derzeit wertvollste börsennotierte Konzern der Welt, seine mit Spannung erwarteten Zahlen zum dritten Quartal. BÖRSE ONLINE begleite das Ebent in einem Livestream auf seinem Youtube-Kanal. Sie können ihn sich hier vormerken.
Am Freitag folgt dann das große Treffen der weltweiten Notenbanker im amerikanischen Jackson Hole. „Jedes dieser Ereignisse hat für sich betrachtet das Potenzial, neue Unruhe an den Märkten auszulösen", kommentierte Marktbeobachter Jochen Stanzl von der Consors Bank. Sollte der DAX im Zuge der Meldungslage wieder unter die psychologisch wichtige 26.000-Punkte-Marke fallen, könnte das „zu einer spürbaren Zunahme der Schwankungen beitragen“.
Milliarden-Kapitalerhöhung bei Deutz
Hierzulande gibt es ansonsten am Montag wenige kursrelevante Termine. Der vielleicht wichtigste ist die außerordentliche Hauptversammlung beim Motorenbauer Deutz, auf der eine Sachkapitalerhöhung im Wert von 1,6 Milliarden Euro beschlossen werden soll, um die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH zu übernehmen. Mit dem Zukauf, der so groß ist wie die gesamte aktuelle Marktkapitalisierung von Deutz, wollen die Kölner ihren Rüstungsbereich ausbauen. Gleichzeitig werden die bisherigen Besitzer von FFG dadurch mit einem Anteil von 29,9 Prozent an Deutz zu Ankeraktionären.
Commerzbank möchte Bund als Aktionär behalten
Im Übernahmekampf der Commerzbank mit Unicredit hat Commerzbank -Aufsichtsratschef Jens Weidmann den Bund aufgefordert, vorerst Aktionär bei den Frankfurtern zu bleiben. „Die Beteiligung war Teil einer Rettungsmaßnahme, deshalb sollte sich der Bund perspektivisch zurückziehen“, sagte Weidmann der „Süddeutschen Zeitung“. „In der aktuellen Phase macht es aber Sinn, dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten.“ Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass die Bundesregierung offen für einen Ausstieg sein könnte, sofern sich beide Banken auf eine gemeinsame Strategie verständigen sollten.
VW-Krise spitzt sich zu
Bei VW geht weiterhin die Sorge vor einem Job-Kahlschlag um. Der Konzern kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Umfeld. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte VW-Konzernchef Oliver Blume am Wochenende in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde. Blume zufolge verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Einsparungen reichten nicht aus. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb der VW-Boss die Lage und verwies auf die generell ernste Lage der Branche. „Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.“ Als große Herausforderungen nannte er US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, der immer härtere Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen.
In dieser Woche werden Blume und VW-Markenchef Thomas Schäfer auf eine Riehe von Betriebsversammlungen sprechen. Die erste steht am Dienstag in Wolfsburg an, danach sind entsprechende Veranstaltungen auch in Zwickau und Emden geplant; zwei Standorte, die möglicherweise auf der Kippe stehen.
Tesla ruft Millionen Fahrzeuge zurück
Unterdessen muss Tesla in China knapp drei Millionen Elektroautos zurückrufen. Auslöser sind Sicherheitsprobleme mit versenkbaren Türgriffen. Die chinesische Marktaufsichtsbehörde bemängelt, dass die mechanischen Notentriegelungsgriffe in einigen Tesla-Modellen nicht deutlich genug zu erkennen seien. Medienberichten zufolge handelt es sich um die bisher größte Rückrufaktion eines Autoherstellers in China. Betroffen sind sowohl in China produzierte als auch importierte Tesla-Fahrzeuge.
Bricht die Stromversorgung nach einem Unfall ab, funktionieren die elektrischen Türöffner nicht mehr, weshalb Insassen dann mechanische Türöffner betätigen müssen.
Samsung überzeugt nicht
Die US-Börsen hatten am Freitag zwar zugelegt. Doch zu Wochenbeginn zeichnen sich auch hier Kursverluste ab. Zudem ging es an den asiatischen Handelsplätzen bergab. Insbesondere der technologielastige südkoreanische Kospi stand deutlich unter Druck.
In Asien verloren am Morgen die Titel von Samsung und SK Hynix zwischen einem und 1,5 Prozent. Davon könnten die Aktien von Halbleiterunternehmen wie Infineon und dem Zulieferer Aixtron in Mitleidenschaft gezogen werden. Samsung hatte zuvor neue Dividenden- und Aktienrückkaufpläne bekannt gegeben, deren Höhe den Markt jedoch nicht überzeugte.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank, Volkswagen Vz., Tesla, Nvidia.