Das bewegt den DAX am Donnerstag. Im Fokus stehen folgende Themen: Delivery Hero-Übernahme, Apple, ABB, TSMC, Netflix, Alibaba und Bitcoin.

Der Dax hat am Donnerstag im Handelsverlauf seine Verluste ausgeweitet. Gegenwind kam zunächst von den schwachen asiatischen Märkten und dann auch von den überwiegend im Minus erwarteten US-Indizes. Zuletzt drückte zudem ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters auf die Stimmung. Informierten Kreisen zufolge soll der Iran von der jemenitischen Huthi-Bewegung Unterstützung für eine Sperrung der Ölroute durch das Rote Meer für den Fall erbeten haben, dass die Vereinigten Staaten wie angedroht Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur starten, hieß es.

Am frühen Nachmittag büßte der deutsche Leitindex 1,14 Prozent auf 24.714 Punkte ein. Damit rutschte er sowohl auf ein Tief seit Ende Juni als auch unter die kurz- bis mittelfristig wichtige 50-Tage-Linie. Die zuletzt umkämpfte 25.000-Punkte-Marke gerät zunehmend außer Sichtweite.

Für den MDax ging es um 0,77 Prozent auf 31.855 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,8 Prozent.

Analyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets verwies auf die weiteren Gewinnmitnahmen im asiatischen Halbleitersektor - starke Geschäftszahlen sowie die angehobenen Umsatz- und Investitionsziele des taiwanesischen Chipherstellers TSMC halfen ihm nicht. Die offiziellen Quartalszahlen hätten die teils bereits bekannten Eckdaten lediglich bestätigt, und "die Skepsis der Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und Rechenzentrumsgeschäft in der spätzyklischen Phase bleibt", betonte der Experte.

DAX (WKN: 846900)

US-Märkte im Fokus

Die US-Aktienmärkte sind am Donnerstag uneinheitlich in den Handel gestartet. Während der Dow Jones Industrial zuletzt 0,2 Prozent höher bei 52.780 Punkte notierte, gab der marktbreite S&P 500 um 0,1 Prozent auf 7.564 Zähler nach. Der Nasdaq 100 verlor 1,0 Prozent auf 29.208 Zähler.

Aktuell agierten die Anleger vorsichtig, hieß es am Markt. Sie wägten ab, ob die Unternehmensgewinne von Technologie-Unternehmen wohl die jüngsten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz rechtfertigten. Zudem herrsche weiter Unsicherheit wegen der Lage im Nahen Osten.

Nach den neuen Angriffen und Drohungen der USA gegen den Iran scheint eine diplomatische Lösung erneut in weite Ferne gerückt zu sein. Das US-Militär startete am Mittwoch gleich zwei Angriffswellen und attackierte zudem ein Schiff, das gegen die Blockade iranischer Häfen verstoßen haben soll. Zudem soll der Iran informierten Kreisen zufolge von der jemenitischen Huthi-Bewegung Unterstützung für eine Sperrung der Ölroute durch das Rote Meer für den Fall erbeten haben, dass die Vereinigten Staaten wie schon angedroht Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur starten.

Unter den Einzelwerten legte die Aktie von Unitedhealth um 4,7 Prozent zu. Der größte US-Krankenversicherer kommt nach seinem Krisenjahr 2025 besser aus dem Tief als gedacht. Angesichts überraschend guter Geschäfte im zweiten Quartal hob Konzernchef Stephen Hemsley die Ziele für 2026 ein weiteres Mal an.

Nachrichten aus Deutschland

Uber bietet 41,50 Euro je Deliver-Hero-Aktie - Übernahmeangebot vorgelegt

Der US-Fahrdienstvermittler und Lieferdienst Uber hat wie erwartet eine Offerte für den deutschen Konzern Delivery Hero vorgelegt. Das amerikanische Unternehmen bietet je Delivery-Hero-Aktie 41,50 Euro, wie es am Donnerstag mitteilte. Voraussetzung ist, dass Uber die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie von Delivery Hero erreicht. Bisher liegt Ubers Anteil bei knapp 25 Prozent, hinzu kommen Finanzinstrumente über knapp 12 Prozent. Zudem habe Delivery Heros Großaktionär Prosus jetzt zugesagt, seinen Anteil von knapp 17 Prozent beizusteuern.

Der Berliner Lieferdienst-Konzern hatte erst am Dienstagabend bestätigt, dass er sich in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Übernahme durch Uber befindet. Die Delivery-Hero-Aktie legte nun im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate um drei Prozent auf 39,35 Euro zu. Das Papier hat bereits seit Mitte April kräftig an Wert gewonnen, nachdem bekannt wurde, dass Uber seinen Anteil an Delivery Hero erhöht hatte. Mitte April hatte das Papier noch weniger als 20 Euro gekostet. Bei einem Kurs von 41,50 Euro werden die Delivery-Hero-Aktien insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro bewertet.

Hypoport: Private Immobilienfinanzierung stagniert im zweiten Quartal

Der Finanzdienstleister Hypoport hat in der privaten Immobilienfinanzierung im zweiten Quartal eine Stagnation hinnehmen müssen. Nach dem Zinsanstieg infolge des Iran-Kriegs hätten viele Verbraucher im ersten Quartal noch schnell Kredite abgeschlossen, berichtete das Unternehmen am Donnerstag in Berlin. Dieser Vorzieheffekt ging demnach zulasten des zweiten Quartals. So verzeichnete Hypoports Vermittlungsplattform Europace eine Stagnation: Das vermittelte Kreditvolumen in der privaten Immobilienfinanzierung lag im zweiten Quartal mit etwas mehr als 18 Milliarden Euro nur minimal über dem Vorjahreswert.

Während der Anteil des Geschäfts mit Genossenschaftsbanken und Sparkassen im ersten Halbjahr wuchs, sank das Vertriebsvolumen privater Banken den Angaben zufolge weiter. Derzeit drehe sich das Geschäft überwiegend um Käufe von Bestandsimmobilien. Der Neubau wachse stark, aber auf sehr niedrigem Niveau. "Energetische Sanierungen bleiben trotz politisch geforderter Wärmewende weiterhin deutlich unter dem notwendigen Niveau", berichtete Hypoport.

Internationale Nachrichten

Optionsmarkt erwartet 8-Prozent-Swing bei Netflix-Quartalszahlen

Der Optionsmarkt preist für Netflix vor den am Donnerstag nach Börsenschluss erwarteten Quartalsergebnissen eine implizite Kursbewegung von rund 8 Prozent in beide Richtungen ein, wobei die 75-Dollar-Marke mit über 74.000 offenen Put-Kontrakten als zentrales Schlachtfeld gilt. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 0,79 Dollar bei einem Umsatz von 12,58 Milliarden Dollar – ein Jahreswachstum von 13,5 Prozent. Im Fokus stehen Nutzerwachstum, Werbeeinnahmen und die KI-Strategie des Streamingkonzerns.

TSMC übertrifft Erwartungen deutlich – Umsatz steigt um fast 34 Prozent

TSMC hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 40,2 Milliarden Dollar erzielt – ein Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 900 Millionen Dollar über den Analystenerwartungen – bei einer Bruttomarge von 67,7 Prozent und einer Nettomarge von 55,6 Prozent. Fortschrittliche Technologien der 7-Nanometer-Generation und darunter machten 77 Prozent des Wafer-Umsatzes aus, wobei 2-Nanometer-Chips erstmals 3 Prozent beisteuerten. Die Investitionsausgaben beliefen sich auf 15,7 Milliarden Dollar im Quartal, was den freien Cashflow im Vergleich zum Vorquartal belastete.

ABB übernimmt britischen Stellantrieb-Hersteller Rotork für 5,5 Milliarden Dollar

Der Schweizer Technologiekonzern ABB bietet den Aktionären von Rotork 503 Pence je Aktie in bar – eine Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar für den britischen Hersteller von Durchflusskontrollgeräten und elektrischen Stellantrieben, der unter anderem Rechenzentren, Öl- und Gasindustrie sowie die Chemiebranche beliefert. Rotork wuchs zwischen 2022 und 2025 im Schnitt um 8 Prozent jährlich aus eigener Kraft und erzielte 2025 rund eine Milliarde Dollar Umsatz bei einer operativen Marge von 24,6 Prozent. Die Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen werden.

Apple erhält KI-Zulassung in China – Alibaba und Baidu als Partner

Apple hat die lang erwartete staatliche Genehmigung zur Einführung seiner KI-Plattform Apple Intelligence in China erhalten, wobei Alibabas Qwen-Modell sowie Baidu als Partner in iOS, iPadOS, macOS und visionOS integriert werden. Alibaba-Aktien legten in Hongkong rund 5 Prozent zu, Baidu rund 4 Prozent; Apple selbst erklomm mit einem Tagesplus von 4 Prozent ein neues Allzeithoch von 328,73 Dollar. Im zweiten Quartal erzielte Apple einen Rekordumsatzanteil von 20 Prozent am globalen Smartphone-Markt, obwohl die Branchengesamtauslieferungen auf den niedrigsten Stand seit 2013 fielen.

Trump trifft Senatoren zum CLARITY Act – Abstimmung vor August-Pause angestrebt

Präsident Trump empfängt am Donnerstag mehrere Senatoren im Weißen Haus, um den Fortschritt des CLARITY-Act-Krypto-Regulierungsgesetzes zu besprechen, das noch vor der August-Parlamentspause verabschiedet werden soll. Senator Thom Tillis sieht die kommenden Tage als letzte realistische Chance für eine Einigung vor der Sommerpause, die viele als letzte Gelegenheit vor den Halbzeitwahlen betrachten. Gleichzeitig sah sich Trumps Justizminister-Nominierter Todd Blanche im Senat scharfen Fragen ausgesetzt, weil er die Krypto-Strafverfolgungseinheit des Justizministeriums aufgelöst und die Begnadigung des ehemaligen Binance-Chefs Changpeng Zhao nicht klar abgelehnt hatte.

EU-Geldwäschebehörde warnt vor Risiken bei Post-MiCA-Nutzermigration

AMLA-Chefin Bruna Szego warnte das Europaparlament, dass die Massenmigration von Krypto-Nutzern von nicht-lizenzierten zu lizenzierten Anbietern nach Ende der MiCA-Übergangsfrist erheblichen Compliance-Druck auf zugelassene Krypto-Dienstleister auslösen könnte. Einerseits drohen abwickelnde Unternehmen unter dem Druck massiver Auszahlungsanforderungen, andererseits könnten lizenzierte Anbieter bei der Einarbeitung neuer Kunden an Kapazitätsgrenzen stoßen. Szego rief alle Beteiligten dazu auf, effiziente Compliance-Verfahren aufrechtzuerhalten.

Enthält Material von dpa-AFX

Weiterführende Links