Die strategische Transformation ist nahezu abgeschlossen, der Turnaround im Chart läuft. Das eröffnet Anlegern eine attraktive Einstiegschance beim DAX-Konzern.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 01. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 28/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Nach einer mehrjährigen, tiefgreifenden Umstrukturierungsphase deuten bei Fresenius sowohl die fundamentalen Kennzahlen als auch das technische Chartbild auf die Einleitung eines nachhaltigen Turnaround hin. Auf dem aktuellen Niveau bietet das Unternehmen das Profil einer klassischen Value-Aktie mit erheblichem Aufholpotenzial. Die jüngsten operativen Fortschritte und positive Analystenkommentare legen das Fundament für eine Neubewertung des DAX-Konzerns.


Restrukturierung zeigt Wirkung

Der wesentliche Treiber für die veränderte Wahrnehmung am Kapitalmarkt ist der weitgehende Abschluss der strategischen Transformation unter dem Programm FutureFresenius. Das Management hat die Komplexität des Konglomerats drastisch reduziert, wodurch der historisch bedingte Konglomeratsabschlag zunehmend entfällt. Ein Meilenstein war der vollständige Exit aus dem defizitären Dienstleistungsbereich Fresenius Vamed, der im vierten Quartal 2025 abgeschlossen wurde. 

Gleichzeitig verringerte der Konzern seine Beteiligung an der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) auf rund 28 Prozent. Durch die Dekonsolidierung und den Rechtsformwechsel wird FMC nur noch at-equity bilanziert, was Fresenius von strukturellen Verschuldungs- und US-Rechtsrisiken befreit. Die Platzierung von 10,6 Millionen FMC-Aktien sowie einer Umtauschanleihe generierte im Vorjahr einen Bruttoerlös von 1,1 Milliarden Euro. Der Fokus liegt nun exklusiv auf den zwei renditestarken Kernsegmenten Fresenius Kabi und Fresenius Helios.

Die Eckdaten für das erste Quartal 2026 bestätigen die qualitative Verbesserung der Ertragskraft in diesen beiden Bereichen. Der berichtete Konzernumsatz lag bei 5,74 Milliarden Euro, was einem organischen Wachstum von fünf Prozent zu konstanten Wechselkursen entspricht. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sonderposten stieg um vier Prozent auf 678 Millionen Euro, während sich die Ebitda-Marge vor Sonderposten auf 16,5 Prozent verbesserte. Das bereinigte Nettoergebnis wuchs um 17 Prozent auf 558 Millionen Euro.

Im Segment Fresenius Kabi, dem Spezialisten für Arzneimittel, klinische Ernährung und Medizintechnik, lag der Umsatz bei 2,15 Milliarden Euro. Trotz währungsbedingten Gegenwinds durch die US-Dollar-­Schwäche betrug das organische Wachstum sechs Prozent, maßgeblich getrieben durch das strategische Wachstumsfeld Biopharma (Biosimilars). Die Ebit-Marge verblieb dort mit 16,7 Prozent auf einem hohen Niveau.

Fresenius Helios, der europäische Klinikbetreiber, steuerte 3,50 Milliarden Euro zum Konzernumsatz bei. Die Sparte profitierte von steigenden Fallzahlen in Deutschland sowie im spanischen Privatkliniknetz Quirónsalud. Die Ebitda-Marge von Helios expandierte deutlich auf 14,3 Prozent. 

Ein kritischer Datenpunkt der Bilanz ist die Cash-Conversion: Der operative Cashflow verbesserte sich konzernweit auf 389 Millionen Euro, verglichen mit lediglich 95 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dies ermöglichte eine Senkung des Nettoverschuldungsgrads (Net Debt zu Ebitda) auf 2,55, womit die Verschuldung erstmals seit Jahren unter die kritische Schwelle sank und sich nun im Zielkorridor von 2,3 bis 2,6 bewegt. 

Fresenius-Chef Michael Sen sprach vor diesem Hintergrund von einem hervorragenden Start ins Jahr. „Fresenius ist heute besser aufgestellt als je zuvor.“ Da erscheint es nur folgerichtig, dass der CEO Ende Mai eigene Aktien im Wert von fast 200.000 Euro gekauft hat. 

„Fresenius ist heute besser aufgestellt als je zuvor.“

Michael Sen, CEO von Fresenius

Deutlicher Abschlag zur Konkurrenz

Trotz dieser operativen Trendwende weist die Aktie im Branchenvergleich einen deutlichen Bewertungsabschlag auf. Bei einem Kursniveau von rund 40 Euro beläuft sich die Marktkapitalisierung auf 22,3 Milliarden Euro. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt damit bei 0,95. Das für das Gesamtjahr erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beläuft sich auf etwa 10,7, wohingegen der Median der internationalen Peergroup mit einem 2026er-KGV von 15 bewertet wird. Das entspricht einem Bewertungsabschlag von fast 30 Prozent.

Diese fundamentale Unterbewertung veranlasste die US-Investmentbank JP Morgan Anfang Juni zu einer weitreichenden Neueinschätzung. Das Institut bestätigte nicht nur das „Overweight“-Rating mit ­einem Kursziel von 56,60 Euro, sondern nahm die Fresenius-Aktie auch in seine prestigeträchtige Analyst Focus List auf. Analyst David Adlington betonte, dass die Marktsorgen bezüglich der deutschen Krankenhausreform übertrieben seien und die tatsächlichen Auswirkungen das Geschäft von Helios weniger stark belasten dürften als befürchtet. Mit über 80 Kliniken, rund 200 medizinischen Versorgungszentren (MVZ), 30 arbeitsmedizinischen Zentren und sechs Präventionszentren ist Helios hierzulande sehr stark vertreten. 

Laut Deutsche Bank („Buy“) könnte der politische Gegenwind für die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung den Kliniken eine weichere Landung ­bescheren. Die bislang prognostizierten ­Ergebniseinbußen im kommenden ­Geschäftsjahr 2027 könnten sich daher als zu hoch gegriffen erweisen, heißt es in der Studie von Mitte Juni. 

Nach Gesprächen mit Investoren äußerte sich die Schweizer UBS ebenfalls zuversichtlich, dass es 2027 nicht zu einem Abriss beim Ebit kommen wird. Kurz- und mittelfristig wird nun ein solides zweites Quartal erwartet. Sogar von einer mög­lichen Erhöhung der Prognosen für das Gesamtjahr ist in der Branchenstudie die Rede. Ihre Kaufempfehlung für die Aktie haben die Analysten folglich bestätigt. Die Veröffentlichung des Zwischenberichts für das erste Halbjahr steht am 5. August auf der Agenda.

Nach einer deutlichen Korrektur ist die Fresenius-Aktie seit Anfang Juni wieder im Aufwind und hat dabei die 50-Tage-Linie zurückerobert. In Verbindung mit den Fortschritten bei der Restrukturierung und der günstigen Bewertung eröffnet das eine ­attraktive Einstiegsgelegenheit. Wir korrigieren das Kursziel leicht nach unten.

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