Der DAX befindet sich am Donnerstag im Aufwind. Das treibt den deutschen Leitindex an. Außerdem im Fokus: Renk, Henkel, Commerzbank, Deutz, Scout24, Bitcoin, Sandisk und AppLovin.

Nach der Verschnaufpause am Vortag dürfte der Dax am Donnerstag wieder leicht an Fahrt aufnehmen und damit in der Nähe seiner jüngsten Rekorde bleiben. Der X-Dax signalisierte für den deutschen Leitindex knapp eine Stunde vor dem offiziellen Handelsbeginn ein Plus von 0,2 Prozent auf 26.181 Punkte.

Am Vortag war der deutsche Leitindex erstmals über 26.400 Punkte gestiegen, ehe ihm die Luft ausging. "Wir sehen die ersten Gewinnmitnahmen", schrieb dazu der Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners. Nach dieser beeindruckenden Rally sei das absolut normal. Ein Durchatmen sei gesund für die so hoch gelaufenen Indizes.

Anleger hoffen weiterhin auf eine Lösung im Iran-Krieg und setzen auf die Öffnung der für den globalen Öltransport wichtigen Meerenge von Hormus. Die daran grenzenden Golfstaaten Iran und Oman stehen nach Angaben aus Teheran kurz vor einer Einigung auf eine neue Schifffahrtsroute durch die blockierte Meerenge.

Für etwas Entspannung sorgen die Ölpreise, die zunächst nicht weiter gestiegen sind. Andererseits stehen Techwerte wieder unter Druck nach einigen enttäuschenden Geschäftszahlen aus dem Chipsektor der USA. Die asiatischen Börsen meldeten Verluste. Hierzulande dürfte die Berichtssaison erneut Akzente setzen. Allein aus dem Dax stehen acht Unternehmen mit Quartalszahlen im Fokus.

DAX (WKN: 846900)

Aktien Deutschland

Carl Zeiss Meditec verdient deutlich weniger - Chinageschäft belastet

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec hat in den ersten neun Monaten vor allem schwächere Geschäfte in China zu spüren bekommen. Zudem belasteten ungünstige Wechselkurse. Der Umsatz ging in den ersten drei Quartalen bis Ende Juni im Jahresvergleich um 2,9 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zurück, wie der Konzern am Donnerstag in Jena mitteilte. Das war in etwa so viel, wie Analysten erwartet hatten. Rechnet man Währungseffekte raus, dann verharrten die Erlöse auf dem Vorjahresniveau.

Auf der Ergebnisseite lief es noch schlechter. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) ging in den ersten neun Monaten um fast 30 Prozent auf 124,5 Millionen Euro zurück. Und unter dem Strich blieb ein Gewinn je Aktie von 0,80 Euro - gut ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Angesichts der Probleme vor allem in seinem wichtigen China-Geschäft will Carl Zeiss Meditec seine Kosten senken. Von den Einsparungen könnten in den nächsten drei Jahren bis zu 1.000 Stellen weltweit betroffen sein. Die Gespräche mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern seien aufgenommen worden und verliefen konstruktiv und vertrauensvoll, teilte das Unternehmen weiter mit.

Renk erfüllt Erwartungen im Rüstungsboom - Rekordauftragseingang

Der Getriebehersteller Renk hat im ersten Halbjahr von einer unverändert hohen Nachfrage im Verteidigungsgeschäft profitiert. Der Umsatz stieg verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent auf gut 637 Millionen Euro, wie der im MDax der mittelgroßen Werte notierte Rüstungszulieferer am Donnerstag mitteilte. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um rund 10 Prozent auf gut 98 Millionen Euro zu. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 14,4 auf 15,4 Prozent. Damit lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen von Analysten.

"Mit knapp 1,2 Milliarden Euro Auftragseingang haben wir bereits nach sechs Monaten nahezu das Niveau der ersten neun Monate des Vorjahres erreicht", sagte Konzernchef Alexander Sagel laut Mitteilung mit Blick auf eine rekordhohe Nachfrage. Er bestätigte außerdem die Jahresziele. So soll der Umsatz 2026 weiterhin auf mehr als 1,5 Milliarden Euro steigen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sieht der Konzern bei 255 bis 285 Millionen Euro und peilt dabei die obere Hälfte der Spanne an.

Motorenbauer Deutz legt weiter zu - Prognose bestätigt

Der Motorenbauer Deutz hat im zweiten Quartal sein Wachstum beschleunigt. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 585 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Donnerstag in Köln mitteilte. Das war ein schnellerer Anstieg als noch im ersten Jahresviertel. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um knapp 41 Prozent auf 42,4 Millionen Euro zu. Unter dem Strich sorgten Sondereffekte jedoch für einen Rückgang des Nettogewinns um ein Drittel auf 11,7 Millionen Euro. Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte das Management. Die Ziele für 2030 - ein Umsatz von 4 Milliarden Euro sowie eine operative Marge von 10 Prozent - sollen durch die milliardenschwere Übernahme des Militärfahrzeugbauers FFG nun "deutlich früher" erreicht werden, sagte Vorstandschef Stefan Schulte laut Mitteilung.

Scout24 bestätigt Jahresprognose

Der Internetportal-Betreiber Scout24 hat das Wachstum im zweiten Quartal beschleunigt und die Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Der Umsatz sei in den drei Monaten bis Ende Juni um 20 Prozent auf fast 193 Millionen Euro nach oben geklettert, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Donnerstag in Berlin und München mit. In den ersten sechs Monaten zog der Erlös damit um 17 Prozent auf 372 Millionen an. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte im ersten Halbjahr um knapp 15 Prozent auf 224 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg etwas stärker an, als Experten erwartet hatten. Beim operativen Gewinn verfehlte der Konzern die Erwartungen leicht. Die Prognose für das laufende Jahr wurde bestätigt.

Siemens macht Fortschritte bei Abspaltung von Healthineers

Der Technologiekonzern Siemens kommt bei der geplanten Abspaltung seiner Medizintechniktochter Siemens Healthineers voran. So seien die relevanten steuerlichen Themen mit den Finanzbehörden verbindlich geklärt worden, um mit der Abspaltung fortzufahren, erklärte Finanzvorständin Veronika Bienert am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. Sie bestätigte auch den Zeitplan: So sollen die Aktionäre beider Unternehmen auf den Hauptversammlungen im kommenden Jahr darüber abstimmen. Weitere Details will Siemens im November mit den Jahreszahlen veröffentlichten.

Chef Roland Busch an, die Anzahl der Aufsichtsratsmandate von Siemens-Vorstandsmitgliedern bei Healthineers von drei auf eins zu reduzieren. "Veronika und ich werden unsere Mandate niederlegen", sagte er laut Redetext. Dies werde zur nächsten Hauptversammlung von Siemens Healthineers im Februar 2027 wirksam.

Siemens hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sich mittelfristig von seiner Medizintechniktochter trennen zu wollen. Früheren Angaben zufolge sollen in einem ersten Schritt 30 Prozent an Siemens Healthineers abgegeben werden. Aktionäre hatten schon länger eine Trennung gefordert, da Healthineers zu den anderen Geschäften keine Synergien aufweist und viel Kapital bindet. Siemens hielt letzten offiziellen Angaben Ende vergangenen Jahres zufolge noch rund 67 Prozent. Mittelfristig strebt Siemens eine reine Finanzbeteiligung an.

Henkel steigert Ergebnis - Umsatzprognose angehoben

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat im ersten Halbjahr in einem weiter schwierigen Umfeld das Ergebnis gesteigert. Dabei trugen beide Unternehmensbereiche bei. Für das laufende Jahr zeigt sich das Management nun zuversichtlicher. So soll der Umsatz 2026 ohne Währungs- und Portfolioeffekte nun um 1,5 bis 3,5 Prozent zulegen und damit an beiden Enden 0,5 Prozentpunkte mehr als bisher geplant, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die bereinigte operative Marge (Ebit-Marge) soll unverändert 14,5 bis 16 Prozent erreichen.

Im ersten Halbjahr sank der Umsatz zwar leicht um 0,5 Prozent auf rund 10,35 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft wuchs er aber um 3,2 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 1,62 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahreswert. Branchenexperten hatten insgesamt im Durchschnitt etwas weniger auf dem Zettel. Die entsprechende Rendite verbesserte sich ebenfalls leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent.

Internationale Nachrichten

Sandisk erwartet weiteres Wachstum durch KI-Nachfrage

Sandisk erwartet im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 10,3 bis 10,8 Milliarden Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 44 bis 46 Dollar. Im vierten Quartal stieg der Umsatz um 372 Prozent auf 8,97 Milliarden Dollar, während acht Rechenzentrums- und Edge-Kunden für neue Geschäftsmodelle mit einem erwarteten Mindestumsatz von 93,9 Milliarden Dollar gewonnen wurden. Zudem stockte Sandisk die Ermächtigung für Aktienrückkäufe um 14 Milliarden Dollar auf, warnte aber vor anhaltend knapper NAND-Versorgung und höheren Lagerbeständen.

MercadoLibre setzt trotz Margendruck auf weitere Investitionen

MercadoLibre überschritt im zweiten Quartal erstmals einen Quartalsumsatz von zehn Milliarden Dollar und steigerte die Erlöse binnen Jahresfrist um 50 Prozent. Das operative Ergebnis erreichte 683 Millionen Dollar bei einer Marge von 6,7 Prozent, während das Kreditportfolio um 75 Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar wuchs. Das Unternehmen will weiter in Versand, Handel, Finanzdienstleistungen, Mexiko und künstliche Intelligenz investieren, auch wenn dadurch die kurzfristige Profitabilität belastet wird.

AppLovin erwartet nach Verzögerungen eine Wachstumsbeschleunigung

AppLovin prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 2,055 bis 2,085 Milliarden Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 1,71 bis 1,74 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 53 Prozent auf 1,92 Milliarden Dollar, doch Verbesserungen der Spielemodelle wirkten sich erst nach Quartalsende aus und erhöhten zugleich die Kosten für das Rechentraining. Das Management sieht die Werbenachfrage weiterhin als robust an, verwies aber auf Schwächen bei kreativen Inhalten und der Erstellung längerer Videos.

Alte Bitcoin-Wallets sorgen für vorsichtige Marktstimmung

On-Chain-Daten zeigen, dass zuletzt vermehrt Bitcoin bewegt wurden, die drei bis sieben Jahre lang inaktiv waren. Die Zuflüsse konzentrierten sich fast ausschließlich auf Coinbase, während der negative Coinbase-Aufschlag auf eine verhaltene Nachfrage US-amerikanischer Anleger hindeutet. Nach Einschätzung von CryptoQuant spricht die Kombination aus wachsendem Angebot älterer Bitcoin und schwacher Nachfrage eher für eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung als für einen neuen Aufwärtsimpuls.

Enthält Material von dpa-AFX

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