Der DAX bleibt am Donnerstag in Reichweite seines Rekordhochs. Das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: Cisco, Pershing, Bitcoin, HelloFresh, Jost, SMA, Trump, Lanxess und Iran.

Mit Kursgewinnen bleibt der Dax am Donnerstag nah an seinem Rekord vom Vortag. Gedämpfte Zinssorgen bescherten ein leichtes Plus, ohne dass am Nachmittag Gegenwind von den US-Erzeugerpreisen kam. Stützend wirkte auch ein Rückgang der Ölpreise, obwohl die Lage im Iran-Krieg weiter unklar bleibt.

Am Nachmittag legte der Dax um 0,4 Prozent auf 26.428 Punkte zu. Ihm fehlten dabei weniger als 150 Punkte zum Rekord von 26.573 Zählern, in dessen Folge es am Mittwoch vorübergehend zu Gewinnmitnahmen gekommen war. In der zweiten deutschen Börsenreihe gab der MDax nun um 0,2 Prozent auf 32.287 Zähler nach. In New York zeichnete sich zumindest für den Dow Jones Industrial ein freundlicher Start ab.

Am Markt hieß es, gepaart mit den schwachen Arbeitsmarktdaten der Vorwoche gebe eine gesunkene Inflationsrate der US-Notenbank mehr Spielraum, ihre Geldpolitik beizubehalten. Laut dem Marktbeobachter Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets ist das Glas deshalb "halb voll und nicht halb leer". Solange von der Zinsseite kein neuer Gegenwind komme, spreche wenig dafür, dass Aktienkäufer plötzlich den Rückzug antreten.

Eine Stütze für den Aktienmarkt bleibt die Berichtssaison, von der die Deutsche Bank ein positives Fazit zieht. 70 Prozent der Dax-Unternehmen hätten die Erwartungen übertroffen und das Gewinnwachstum sei das größte seit mindestens dem ersten Quartal 2024, analysierte ein Team um die Aktienstrategin Carolin Raab. Kombiniert mit verbesserten Konjunkturdaten und dem Reformpaket der Regierung sollte dies für ein weiterhin positives Stimmungsbild bei deutschen Aktien sorgen.

In Deutschland lag der Zahlenfokus am Donnerstag stark auf Nebenwerten. Aus dem Dax konnte nur der Versorger RWE mit finalen Zahlen aufwarten, die ohne große Neuigkeitsgehalt blieben. Mit 1,6 Prozent Plus schafften es die Aktien aber unter die Dax-Favoriten. Laut dem Goldman-Sachs-Experten bringt der Bericht "die Saat für weitere Wachstumsbeschleunigung" aus.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten Deutschland

Hellofresh verdient deutlich weniger - Umsatzprognose konkretisiert

Der Kochboxenversender Hellofresh hat im zweiten Quartal weiter das schwächelnde Geschäft mit Kochboxen und Fertiggerichten zu spüren bekommen. Den Jahresgewinnausblick bestätigte das Unternehmen zwar, der Umsatz entwickle sich aber in Richtung des unteren Endes der Prognosespanne von währungsbereinigt minus 3 bis minus 6 Prozent, wie das Unternehmen am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll weiter 375 bis 425 Millionen Euro erreichen

Der Konzernumsatz sank in den drei Monaten bis Ende Juni um 8,8 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro. Analysten hatten hier etwas weniger erwartet. Der um Sonder- und Währungseffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um fast ein Viertel Prozent auf rund 121 Millionen Euro, was im Rahmen der Markterwartungen liegt.

Unter dem Strich sank der auf die Anteilseigner entfallene Gewinn von 13,3 auf 2,8 Millionen Euro.

Rüstungsboom: Zulieferer Vincorion blickt optimistischer auf Jahresumsatz

Der Rüstungszulieferer Vincorion hat angesichts des Rüstungsbooms deutlich mehr Aufträge an Land gezogen. Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 33,9 Millionen auf 180,8 Millionen Euro, wie das im SDax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Wedel mitteilte. Damit sitzt Vincorion auf einem Auftragsbuch von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Jahresziele bestätigte der Konzern. Beim Umsatz peilt der Konzern nun jedoch das obere Ende der ausgegebenen Spanne von 280 bis 320 Millionen Euro an. Die operative Marge (Ebit-Marge) wird weiter in einer Bandbreite von 18 bis 19 Prozent erwartet.

Der Umsatz kletterte, wie bereits im Juli auf Basis vorläufiger Zahlen mitgeteilt, im zweiten Quartal um 44,5 Prozent auf 81,2 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um mehr als ein Drittel auf 16,0 Millionen Euro zu. Die entsprechende operative Marge sank von 21,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nun 19,7 Prozent.

Radiopharmaka stützen Eckert & Ziegler - Operativer Gewinn sinkt aber

Der Strahlen- und Medizintechnikkonzern Eckert & Ziegler profitiert weiterhin von einem florierenden Geschäft mit Radiopharmaka und bestätigt seine Jahresziele. Zugleich haben die Berliner jedoch mit einem schwachen Anlagengeschäft zu kämpfen. Der Umsatz legte somit in den ersten sechs Monaten lediglich moderat im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent auf 149,3 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen am Donnerstag in der Hauptstadt mitteilte. Im ersten Quartal 2025 hatten allerdings noch millionenschwere Lizenzumsätze das Geschäft beschleunigt, die dieses Mal fehlten.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank hingegen in den ersten sechs Monaten 2026 um 6 Prozent auf 33,3 Millionen Euro. Grund sei unter anderem der schwächere Produktmix gewesen, teilte der Konzern weiter mit. Unter dem Strich kletterte das Konzernergebnis um 4,5 Prozent auf 22,4 Millionen Euro, ausschlaggebend waren hier unter anderem geringere Währungseffekte und niedrigere Steuern als im Vorjahr.

Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost wächst in allen Sparten - Mehr Geschäft als gedacht

Der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost Werke hat im zweiten Quartal Marktanteile gewonnen und besser abgeschnitten als erwartet. Der Umsatz zog im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 440,2 Millionen Euro an, wie das SDax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte noch stärker um 19 Prozent auf 43,9 Millionen Euro zu, die entsprechende Marge zog um einen halben Prozentpunkt auf 10,0 Prozent an. Mit Umsatz und Ergebnis schlug Jost die durchschnittlichen Schätzungen von Analysten. Der Gewinn unterm Strich stieg auf mehr als das Doppelte und betrug 15,9 Millionen Euro. Den Jahresausblick bestätigte Unternehmenschef Joachim Dürr.

Citigroup senkt DHL nach starker Kursentwicklung auf 'Neutral'

Die US-Bank Citigroup hat das Kursziel für DHL von 58 auf 59 Euro leicht aufgestockt, aber die Aktien nach ihrer starken Kursentwicklung von "Buy" auf "Neutral" abgestuft. Grundsätzlich bleibt Analystin Chloe Fu aber optimistisch für den Logistikkonzern, wie sie in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse schrieb. Mit ihren operativen Ergebnisschätzungen für 2026 und 2027 liegt sie laut eigener Aussage rund 4 Prozent über dem Konsens.

SMA Solar gefragt - Jefferies lobt sehr starken Auftragseingang

Die Aktien von SMA Solar sind am Donnerstag vorbörslich gefragt. Auf der Handelsplattform Tradegate zogen sie mit gut 3 Prozent Plus im Vergleich zum Xetra-Schluss wieder etwas über das Vortageshoch. Zwischenzeitlich hohe Kursgewinne waren am Mittwoch im Verlauf etwas zusammengeschmolzen.

Nach den endgültigen Quartalszahlen lobte Constantin Hesse von der Investmentbank Jefferies vor allem den sehr starken Auftragseingang - mit einem Rekordniveau im Kraftwerksbereich. Die Jahresziele hatte SMA bereits mit den Eckdaten Mitte Juli aufgestockt und nun bestätigt.

Berenberg senkt Lanxess auf 'Sell' - Ziel runter auf 13,80 Euro

Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für Lanxess von 17,00 auf 13,80 Euro gesenkt und die Aktien von "Hold" auf "Sell" abgestuft. "Nicht viel Wachstum, aber zu hohe Schulden" - so titelte Sebastian Bray über seiner am Donnerstag vorliegenden Analyse des Spezialchemiekonzerns. Die Markterwartungen bezüglich einer Gewinnerholung hält er für zu optimistisch. Das KI-Modell sehe Lanxess zudem im aktuellen Wirtschaftsumfeld eher schlecht dastehen.

Nachrichten International

Pershing Square übertrifft Gewinnerwartungen

Pershing Square Inc. erzielte im zweiten Quartal einen ausschüttungsfähigen Gewinn je Aktie von 0,14 Dollar und übertraf damit die Analystenschätzung von 0,12 Dollar. Der Umsatz stieg auf 54,2 Millionen Dollar, blieb jedoch deutlich hinter den erwarteten 75,8 Millionen Dollar zurück. Das verwaltete Vermögen wuchs auf 32,5 Milliarden Dollar, während neue Beteiligungen an Visa, Mastercard, Netflix, S&P Global, Intercontinental Exchange und Alcon bekannt wurden.

Cisco setzt auf KI-Infrastruktur

Cisco steigerte den Quartalsumsatz um 18 Prozent auf den Rekordwert von 17,3 Milliarden Dollar und verbuchte im Geschäftsjahr 2026 KI-Infrastrukturaufträge von insgesamt 9,3 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet der Konzern einen Umsatz von 72,2 bis 73,4 Milliarden Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 5,05 bis 5,11 Dollar. Der Umsatz mit KI-Infrastruktur soll dabei 7,5 Milliarden Dollar erreichen, während ein höherer Hardware-Anteil die Bruttomarge belasten dürfte.

Trump schafft Rahmen für private Cyberoperationen

US-Präsident Donald Trump hat ein Memorandum unterzeichnet, das geprüften Privatunternehmen die Beteiligung an staatlich kontrollierten Cyberoperationen gegen ausländische kriminelle Organisationen ermöglicht. Der Rahmen soll den Austausch von Bedrohungsinformationen sowie Cyberüberwachungs- und Cyberabwehroperationen gegen Gruppen erleichtern, die unter anderem Ransomware und Finanzbetrug betreiben. Beteiligte Unternehmen müssen laut Memorandum eine Kaution oder ein Treuhandkonto von mindestens einer Million Dollar vorhalten.

Arthur Hayes erwartet Bitcoin-Schub durch Yen-Wende

Krypto-Investor Arthur Hayes erwartet eine Aufwertung des Yen und das Ende der Ära des billigen japanischen Geldes, wodurch eine neue Liquiditätswelle an den Finanzmärkten entstehen könnte. Davon könnten nach seiner Einschätzung insbesondere Bitcoin, Ethereum und ausgewählte Altcoins wie Ethena profitieren. Hayes ist stark in Bitcoin investiert, seine jüngsten Handelsaktivitäten stoßen jedoch in der Krypto-Community auf Kritik.

Anthropic-Investoren erwarten IPO-Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar

Investoren erwarten laut Berichten, dass Anthropic bei einem möglicherweise bereits im Oktober stattfindenden Börsengang eine Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar erreicht und damit den Rekord von SpaceX übertrifft. Der annualisierte Umsatz von Anthropic dürfte bis Ende 2026 auf 100 bis 120 Milliarden Dollar steigen, während die jüngste Bewertung nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar im Mai bei 965 Milliarden Dollar lag. Die Wahrscheinlichkeit eines Börsengangs noch in diesem Jahr stieg auf der Prognoseplattform Kalshi von 71 auf 85 Prozent, nachdem Anthropic eine Cloud-Computing-Partnerschaft über 9 Milliarden Dollar mit Riot Platforms vereinbart hatte.

Cisco-Aktien fallen trotz starker Zahlen und KI-Dynamik

Die Cisco-Aktien verloren rund 8 Prozent, obwohl die Ergebnisse des vierten Geschäftsquartals und der Ausblick die Erwartungen übertrafen, da die Anleger offenbar noch stärkere Prognosen erwartet hatten. Wells Fargo erhöhte das Kursziel von 130 auf 150 Dollar, während Morgan Stanley es von 130 auf 135 Dollar anhob und beide Häuser ihre positiven Einschätzungen beibehielten. Analysten erwarten, dass Ciscos Umsatz mit KI-Infrastruktur im Geschäftsjahr 2027 auf 7,5 Milliarden Dollar steigt, während der höhere Hardwareanteil die Bruttomarge kurzfristig um rund 200 Basispunkte belasten könnte.

UnitedHealth mit Aktionärsklage wegen Governance-Vorwürfen konfrontiert

UnitedHealth sieht sich einer erweiterten Aktionärsklage gegenüber, in der dem Unternehmen und seinen Führungskräften vorgeworfen wird, schwerwiegende Governance-Probleme ignoriert und Fehlverhalten verschleiert zu haben. Die Kläger, darunter das staatliche Pensionssystem von Rhode Island und der schwedische Vermögensverwalter Länsförsäkringar Fondförvaltning, beschuldigen das Unternehmen, Anleger mit irreführenden Angaben getäuscht und zugleich Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe zu künstlich erhöhten Kursen durchgeführt zu haben. UnitedHealth schloss am Mittwoch bei 405,59 Dollar und damit deutlich unter dem Rekordschluss von 599,78 Dollar aus dem November 2024, nachdem die Aktie im März zeitweise auf 259,02 Dollar gefallen war.

Enthält Material von dpa-AFX

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