Die Märkte werden momentan von der KI-Euphorie zu Rekordhöhen getrieben - und die Angst vor einer Blase wächst. Dabei wird eine andere Schwachstelle vollkommen übersehen.
Die KI-Rally hat Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq Composite 2026 mehrfach auf Rekordstände getrieben. Viele Anleger fragen sich deshalb, ob die Künstliche Intelligenz die nächste große Spekulationsblase ist. Ein Blick auf die Kreditseite des Marktes legt nahe, dass das Risiko an anderer Stelle größer sein könnte. Das berichten mehrere US-Medien.
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Kredit als Treibstoff der Rally
Gemeint ist der sogenannte Margin Debt: Geld, das Anleger bei ihrer Bank oder ihrem Broker gegen Zinsen leihen, um Wertpapiere zu kaufen oder auf fallende Kurse zu setzen. Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Läuft die Wette, steigen die Gewinne überproportional. Läuft sie schief, wachsen die Verluste ebenso schnell. Deshalb gilt der ausstehende Margin Debt als grober, aber aussagekräftiger Gradmesser dafür, wie viel Risiko Anleger insgesamt eingehen.
Laut der Finanzaufsicht FINRA erreichte der ausstehende Margin Debt im Juni 2026 mit 1,502 Billionen US-Dollar einen Rekordstand. Im Folgemonat sank er auf 1,417 Billionen US-Dollar, im September stieg er wieder auf rund 1,48 Billionen US-Dollar.
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Margin Debt: Vier Phasen mit starkem Anstieg
Historisch betrachtet ist ein steigender Margin Debt normal, solange er sich über Jahrzehnte entwickelt. Problematisch wird es, wenn er in kurzer Zeit stark zulegt. Seit 1998 gab es vier solcher Phasen, in denen er um mindestens 65 Prozent zulegte. In den drei früheren Fällen folgten jeweils deutliche Kursverluste:
- 1999/2000: Der Margin Debt stieg innerhalb eines Jahres um rund 80 Prozent. Danach platzte die Dotcom-Blase. Der S&P 500 verlor knapp die Hälfte, die Nasdaq rund drei Viertel ihres Werts.
- 2006/2007: Der Anstieg um 66 Prozent fiel in die Monate vor der Finanzkrise. Der S&P 500 verlor bis März 2009 rund 57 Prozent.
- 2020/2021: Staatliche Hilfszahlungen in der Corona-Krise befeuerten die Risikobereitschaft. Der Margin Debt erreichte seinen Höhepunkt wenige Monate vor dem Bärenmarkt des Jahres 2022.
Die aktuelle Phase begann im April 2025. Bis Juni 2026 stieg der Margin Debt in rund 14 Monaten um etwa 77 Prozent, wobei die KI-Begeisterung als Treiber gilt.
Auch JPMorgan-Chef warnt vor Margin Debt
JPMorgan-Chef Jamie Dimon hat schon mehrfach vor den Risiken durch Margin Debt gewarnt. In einem Interview mit dem Sender CNBC sagte er im Sommer, dass die Kredithebelung an den Märkten auf einem Rekordniveau liege.
Dabei beunruhigt ihn besonders, dass ein Teil der Verschuldung in der offiziellen Statistik gar nicht auftaucht, weil Banken und Broker sie unter anderen Bezeichnungen (Gehebelte ETFs, Hedgefonds) führen.
Was das für Anleger bedeutet
Ein hoher Kreditanteil macht den Markt verwundbar: Wenn Anleger ihre Positionen reduzieren, müssen geliehene Wertpapiere verkauft werden, was die Kurse weiter drückt. Gerade in einem Markt, der ohnehin teuer bewertet ist, könnte schon eine moderate Gewinnmitnahme eine größere Abwärtsbewegung auslösen.
Dabei bleibt auch der Blick auf die KI wichtig. Die Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur treiben Unternehmensgewinne und Bewertungen, und Experten sehen Anzeichen für eine sich bildende KI-Blase. Doch wer nur auf den KI-Hype schaut, übersieht womöglich, dass die Finanzierung der Rally zunehmend auf geliehenem Geld ruht.
Fazit: Was Anleger jetzt tun sollten
Der Margin Debt zeigt, wie stark Anleger inzwischen auf Kredit setzen. Ob sich die historischen Muster wiederholen, lässt sich aber nicht vorhersagen. Es gibt auch Gegenargumente: Gemessen am Börsenwert des S&P 500 liegt der Margin Debt laut der US-Finanzinfoplattform “Motley Fool” derzeit etwa im historischen Durchschnitt. Anleger sollten jedoch prüfen, wie viel Hebel in ihrem eigenen Depot steckt, und die Entwicklung des Margin Debt im Auge behalten.
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Häufige Fragen
Was ist Margin Debt?
Margin Debt ist das Geld, das Anleger bei ihrem Broker leihen, um Wertpapiere zu kaufen oder leerverkaufen. Die Kredite sind verzinst, und die Wertpapiere dienen als Sicherheit.
Warum gilt ein hoher Margin Debt als Warnsignal?
Kredit verstärkt Gewinne und Verluste. Steigt der Margin Debt stark und in kurzer Zeit, ist die Gefahr groß, dass Kursrückgänge Margin Calls und Zwangsverkäufe auslösen. Diese können die Verluste weiter verschärfen.
Bedeutet ein Rekord beim Margin Debt automatisch einen Crash?
Nein. Ein hoher Stand allein ist kein sicheres Signal. Entscheidend ist, wie schnell die Verschuldung wächst und wie hoch die Bewertungen sind. Auch Kursrückgänge verlaufen nicht zwangsläufig dramatisch.
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