Der KI-Boom ist längst nicht vorbei – doch einige der größten Profiteure werden plötzlich wieder überraschend günstig gehandelt. Bei diesen zehn Aktien könnte der Markt zu pessimistisch sein.
Der KI-Boom hat viele Aktien stark steigen lassen. Dennoch sind einige KI-Profiteure gemessen an ihrem erwarteten Gewinnwachstum wieder vergleichsweise günstig bewertet. Einen Hinweis darauf liefert die PEG-Ratio: Sie setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum, wobei Werte unter 1,0 grundsätzlich als attraktiv gelten können.
In diesem Artikel stellen wir Ihnen daher zehn spannende KI-Aktien vor, die verglichen mit ihrem Wachstum günstig bewertet sind. Die Auswahl dient jedoch nur als Anregung. Anleger sollten Geschäftsmodell, Bewertung und Risiken vor einem Kauf selbst genauer prüfen.
Nvidia
Mit einem Forward-KGV von 18,3 und einer PEG-Ratio von 0,37 ist die Nvidia-Aktie so günstig bewertet wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Grund sind die weiterhin stark steigenden Gewinne bei einem gleichzeitig nur moderat gestiegenen Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten. Für das kommende Jahr prognostiziert CEO Jensen Huang ein Umsatzwachstum von 70 Prozent. Würde der KI-Gigant nicht unter Lieferengpässen leiden, wären sogar 100 Prozent Umsatzwachstum möglich. Daher bleibt das Unternehmen auch weiterhin einer der Top-KI-Picks zu einem nun wieder günstigen Preis.
Amkor
Dieses weniger bekannte Unternehmen übernimmt für Chiphersteller das Verpacken und Testen von KI-Chips. Vom Allzeithoch im Juni korrigierte die Aktie um rund 50 Prozent und ist nun mit einem Forward-KGV von 17,3 und einer PEG-Ratio von 0,67 deutlich attraktiver bewertet als noch vor wenigen Monaten. Da KI-Chips immer komplexer werden, dürfte sich auch in den kommenden Jahren der Bedarf an Advanced Packaging und Tests weiter stark entwickeln. Auch die Partnerschaften mit Nvidia und TSMC sind mittel- und langfristig sehr positiv zu bewerten.
Oracle
Eine deutlich riskantere Möglichkeit, um vom KI-Boom zu profitieren, könnte Oracle sein. Auch diese Aktie ist seit dem Allzeithoch mittlerweile um mehr als 50 Prozent gecrasht. Grund ist weniger eine schwache Nachfrage nach den Cloud-Lösungen, sondern vielmehr die Sorge über die Finanzierung der gigantischen Investitionen in Rechenzentren: Trotz stark steigender Umsätze ist der Free Cashflow mittlerweile deutlich im negativen Bereich.
Das spiegelt sich auch in der niedrigen Bewertung wider: Das Forward-KGV liegt nur noch bei 18,5 und die PEG-Ratio bei 0,63. Sollte sich in Zukunft herausstellen, dass sich die hohen Investitionen dennoch lohnen, könnte das zu einer Neubewertung der Aktie führen. In jedem Fall ist die Aktie nichts für schwache Nerven.
Micron
Trotz der aktuell schwächeren Phase zählt die Micron-Aktie mit einem Kursplus von 706 Prozent weiterhin zu den absoluten Top-Performern der vergangenen zwölf Monate. Seit dem Allzeithoch im Juni haben jedoch Sorgen vor wachsender Konkurrenz aus China sowie zu schnell steigenden Kapazitäten die Aktie belastet. Das Forward-KGV liegt mit 6,7 in etwa so hoch wie bei vergangenen Zyklus-Tiefs.
Sollte das Management jedoch glaubhaft darlegen, dass der aktuelle Speicherzyklus noch einige Jahre auf dem aktuellen Niveau bleiben wird, könnte das wieder eine höhere Bewertung und damit steigende Kurse rechtfertigen. Die Quartalszahlen am 30. September sollten Anleger daher genau beobachten.
Sandisk
Im Gegensatz zu Micron hat Sandisk bereits einen konkreten Umsatzpfad für die kommenden Jahre ausgegeben. Auf dem Investor Day am 13. August prognostizierte das Unternehmen ein jährliches Umsatzwachstum im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich, also etwa 15 bis 19 Prozent. Ein bedeutender Teil der Umsätze sei zudem bereits durch langfristige Verträge abgesichert.
Das widerspricht klar dem bisherigen Narrativ am Markt, wonach wir das Zyklushoch bereits erreicht haben. Vor diesem Hintergrund wirkt die Bewertung mit einem Forward-KGV von 7,3 attraktiv. Zusätzlich könnten massive Aktienrückkäufe den Kurs in den kommenden Jahren stützen.
NXP Semiconductors
Dieses Unternehmen entwickelt Prozessoren, Vernetzungschips und Mikrocontroller für Autos, Industrie und zunehmend auch „Physical AI“. In den vergangenen Jahren hatte NXP mit stagnierenden Umsätzen zu kämpfen, da das Unternehmen stark vom Automobilmarkt abhängig ist. Nachdem in der Corona-Krise Chips knapp wurden, bauten die Automobilhersteller große Lagerbestände auf, um sich gegen Angebotsengpässe abzusichern. In den vergangenen Jahren wurden diese Lagerbestände wieder langsam abgebaut, was die Nachfrage nach den Produkten von NXP dämpfte.
Durch die immer schnellere Verbreitung von „physischer KI“ in Form von Robotern oder autonomen Fahrzeugen könnte nun der nächste Wachstumsschub bevorstehen. Der Markt scheint das mit einem Forward-KGV von 13,4 aktuell noch nicht vollständig einzupreisen.
Broadcom
Seit ihrem Allzeithoch Anfang Juni befindet sich die Broadcom-Aktie in einer Seitwärtsrange. Die Umsatz- und Gewinnerwartungen sind jedoch weiterhin ausgesprochen positiv: Für das kommende Jahr erwarten Analysten einen Gewinnanstieg von rund 68 Prozent. Gleichzeitig hat sich die hohe Bewertung mittlerweile deutlich abgekühlt: Das Forward-KGV liegt bei 23,5 und damit nur noch etwa halb so hoch wie Ende 2025. Auch die PEG-Ratio liegt mit 0,49 in einem attraktiven Bereich. Für den kurzfristigen Kursverlauf dürften die Quartalszahlen am 2. September entscheidend sein.
Coherent
Coherent stellt optische Lasertechnik her, mit der Daten in Rechenzentren, Telekommunikationsnetzen und Industrieanlagen besonders schnell übertragen werden können. Da Rechenzentren immer größer werden, steigt auch der Bedarf an optischen Verbindungen stark an. Im laufenden Geschäftsjahr erwarten Analysten ein Umsatzplus von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in den kommenden Jahren dürften sich die Zahlen durch den weiteren KI-Ausbau gut entwickeln.
Mit einem Forward-KGV von 28,4 ist die Aktie zwar kein Schnäppchen mehr, aber deutlich günstiger als noch vor wenigen Monaten. Die niedrige PEG-Ratio von 0,56 zeigt zudem, dass das KGV angesichts des hohen Wachstums nicht übertrieben erscheint.
Dell
Aus dem vermeintlich langweiligen PC-Hersteller wurde im laufenden Jahr eine der lukrativsten Wetten auf den KI-Boom. Denn Dell dringt zunehmend in den Markt für KI-Server vor. Dabei kombiniert das Unternehmen Nvidia- oder AMD-Chips mit Speicher, Netzwerktechnik und Kühlung zu kompletten Systemen für Rechenzentren. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kletterte der Umsatz der Serversparte im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 290 Prozent. Der Auftragsbestand für KI-Server liegt mittlerweile bei über 51 Milliarden US-Dollar.
Trotz des starken Kursanstiegs liegt das KGV der Aktie bei 23,5. Die PEG-Ratio liegt mit 0,78 deutlich unter der wichtigen Schwelle von 1,0. Die Quartalszahlen am 1. September dürften den nächsten wichtigen Kurskatalysator liefern.
Sanmina
Ähnlich wie Dell fertigt auch Sanmina komplexe Server- und Rack-Systeme für Rechenzentren. Mit der Übernahme von ZT Systems ist Sanmina nun deutlich stärker in der KI- und Cloudinfrastruktur vertreten. Die Übernahme brachte nicht nur eine Umsatz-Run-Rate von fünf bis sechs Milliarden US-Dollar, sondern auch Zugang zu Hyperscalern sowie eine strategische Partnerschaft mit AMD. Sanmina erwartet für das Geschäftsjahr 2027 starkes Wachstum, das sich 2028 weiter beschleunigen soll. Das Forward-KGV liegt mit 15,1 deutlich niedriger als das von Dell. Die PEG-Ratio beträgt 0,57.
Häufig gestellte Fragen:
Was ist die PEG-Ratio?
Die PEG-Ratio setzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Werte unter 1,0 können auf eine günstige Bewertung hindeuten.
Sind Aktien mit einer PEG-Ratio unter 1 automatisch günstig?
Nein. Die Kennzahl basiert auf Gewinnschätzungen, die sich ändern können, und sollte immer zusammen mit Geschäftsmodell, Wachstum und Risiken betrachtet werden.
Welche KI-Aktien gelten aktuell als günstig bewertet?
Neben bekannten Namen wie Nvidia, Broadcom und Micron gibt es auch weniger bekannte KI-Profiteure wie Amkor, Coherent oder Sanmina mit vergleichsweise niedrigen Bewertungskennzahlen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia, Micron Technology, Sandisk, Broadcom.