Apple ist so profitabel wie nie, so wertvoll wie nie – aber nicht mehr ganz so brillant und überraschend wie früher. Ab heute arbeitet der neue CEO John Ternus daran, das zu ändern.

Steve Jobs stand für geniale Einfälle und das „one more thing“: Ein Produkt, das Jobs bei Präsentationen erst ganz am Ende zeigte – und das dann meist eine bahnbrechende Neuerung mit sich brachte.

Wenn der neue Apple-Chef John Ternus am 9. September seinen ersten Auftritt hat, weiß der Markt im Grunde schon, was er zeigen wird: neue Features für die Sprachassistentin Siri und ein faltbares iPhone. Überraschungen? Eher nicht.

Das liegt weniger an Ternus, der aus der Produktentwicklung kommt, als an seinem Vorgänger: Tim Cook hat aus Apple eine Geldmaschine gemacht: Er optimierte die Lieferketten, die Steuersätze, die Preise. Cook holte aus dem Phänomen Apple alles heraus, ohne dabei größere Risiken einzugehen. Zwar gab es auch unter ihm ein paar Produktflops wie die virtuelle Brille Apple Vision Pro, aber eines war immer sicher: Das nächste iPhone wird noch mehr Geld einspielen als das vorangegangene.

Apple (WKN: 865985)

Jetzt ist Apple an der Börse fast fünf Billionen Dollar wert – und Ternus tritt ein schweres Erbe an. Steve Jobs übernahm in seiner zweiten Amtszeit als CEO einen angeschlagenen Konzern, dessen Geschäft er drehte, indem er einfach vieles anders machte als vorher. Cook übernahm von Jobs die Bausteine für seine Cashmaschine – das iPhone, den App-Store und diverse cool designte Notebooks, die einfach Jahr für Jahr immer flacher wurden.

Von Ternus wird nun erwartet, dass er Apple wieder diesen besonderen Touch gibt: das „one more thing“. Denn der eher vorsichtige und auf die Kosten bedachte Cook hat auch einiges liegen lassen: Das Falthandy etwa gibt es bei Samsung seit Jahren. Apple klappert nun nur hinterher. In Sachen KI hat Apple am Wettrüsten der Hyperscaler bisher nicht teilgenommen. Womöglich war das schlau, weil selbst große Konkurrenten wie Google mittlerweile ihre kompletten Cashflows dafür opfern. Andererseits baut die KI-Branche jetzt selbst an Geräten, über die ihre KI-Assistenten den Alltag erobern sollen. OpenAI hat dafür Jony Ive angeheuert, den legendären Apple-Designer, der unter anderem den iMac, den iPod und das iPhone entwarf.

Kann Ternus, der selbst aus der Produktabteilung kommt, Apple hier wieder zu einem Nimbus verhelfen?

Das Pflichtenheft des neuen Apple-Chefs

Die Anleger erhoffen sich, dass der neue CEO Apple nicht nur sauber verwaltet, sondern wieder als Taktgeber funktioniert. Quasi einen Hybriden zwischen Cook und Jobs. Dazu muss Ternus auf die folgenden Fragen eine Antwort finden.

Die KI-Frage

Apple hat im KI-Bereich an Boden verloren, während OpenAI, Google und andere die Wahrnehmung der Nutzer prägen. Die eigene Sprachassistentin Siri steht dabei sinnbildlich für das Problem: Apple hat die Sprachsteuerung mit entwickelt, noch vor Amazon und Alexa, wirkt heute aber im Vergleich zu den Rivalen oft alt.

Ein aufgebohrter Siri-Assistent, bessere Nutzererlebnisse und eine glaubhafte KI-Strategie sind daher Pflicht. Die Frage ist nicht mehr, ob Apple KI braucht, sondern ob Ternus sie schnell produktfähig macht.

Die Innovationsfrage

Apple lebt von Produkten, die Bedürfnisse nicht nur bedienen, sondern definieren. Doch die letzten Jahre waren eher kleinen, schrittweisen Verbesserungen geprägt als vom großen Wurf oder gar der Erfindung neuer Produktkategorien. Es ist auch schwer, ein Produkt zu erfinden, das noch rentabler ist als das iPhone – abgesehen von einem Nvidia-Chip vielleicht.

Jetzt kommt erst einmal das faltbare iPhone – und dann? Ternus wird daran gemessen, ob Apple unter ihm wieder überraschen kann. Ob der Konzern Geräte jenseits der iPhone-Welt erfinden kann. Ein Unternehmen dieser Größe braucht nicht jedes Jahr eine Revolution. Aber Apple braucht in Zeiten von Samsung, Xiaomi und Huawei dringend wieder den Moment, in dem Konsumenten das Gefühl haben: Das ist etwas Neues auf dem Markt, das wir unbedingt haben wollen – zu jedem Preis.

Die Chipfrage

Ein ganz akutes Problem für Apple sind aktuell die Lieferketten. Der Konzern ist stark von Produzenten in China abhängig; ein Risiko, das man sich in der Ära Trump besser nicht mehr lange leistet. Dazu kommt der wachsende Wettbewerb mit den KI-Hyperscalern um Speicher- und Logikchips, die Tim Cook bereits dazu zwang, Preiserhöhungen für diverse Appleprodukte anzukündigen, weil man die Kosten weitergeben muss und seine Margen nicht gefährden will.

Ternus muss also nicht nur neue Produkte bauen, sondern auch die Versorgung für die gesamte Produktpalette absichern.

Weiterführende Links

Die App-Frage

Apple hat Milliarden Nutzer, Services, Geräte, Daten und eine extrem loyale Kundschaft. Cook hat auf dieser Klaviatur nahezu perfekt gespielt und das Servicegeschäft zur zweiten Säule neben den Geräten gemacht. Die Frage lautet nun: Wie sehr lassen sich die Apple-User noch melken? Gelingt es Apple, ihnen auch noch KI-Abos und -Assistenten zu verkaufen? Und was könnten die bieten, was die Konkurrenz nicht hat?

Es könnte Ternus’ Ritterschlag werden, wenn es ihm als gelerntem Produktmann gelingt, Apples KI als private, auf den Nutzer zugeschnittene Erfahrung zu verkaufen statt als offenes Wettrennen der Modelle. Nicht die lauteste und allerschnellste KI zu liefern, sondern die nützlichste – „eingebettet in Hardware, Software und Services“, wie es das US-Magazin Forbes beschrieb. Eine ganze Apple-Welt, die den User vom Aufstehen bis zum Einschlafen begleitet und beschützt. Das könnte die nächste große Apple-Story werden, wenn sie gut umgesetzt ist.

Die Führungsfrage

Manche sagen, der größte Knackpunkt liegt bei John Ternus selbst: in seinem Führungsstil. Fortune beschreibt ihn als ruhigen, produktnahen Ingenieur, der intern geschätzt wird und die Details der Apple-Hardware im Griff hat. Einer, der weiß, wie man Tempo, Produktdenken und Kostendisziplin verbindet.

Ternus wirkt wie jemand, der an technische Präzision glaubt, an interne Glaubwürdigkeit und an saubere Umsetzung. Aber hat er den Mut, der auch Tim Cook zuweilen abging? Den Mut für den nächsten großen Sprung, der Apple und seine Produkte wieder einzigartig macht?

Er könnte es sich leisten, denn die Konzernkassen sind prallvoll. Einen Flop würden sie verkraften. Aber zwei? Oder drei?

Ternus sollte es versuchen. Klappt das nicht, bliebe ihm immer noch Variante zwei: die perfekte Cash-Maschine Apple weiter zu ölen.

Hat der erste Weg Erfolg, würde die Apple-Aktie weiter steigen - im zweiten Fall womöglich auch. 

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Häufige Fragen zu Apple

Wer ist John Ternus?

John Ternus übernimmt zum 1. September 2026 den CEO-Posten von Tim Cook. Ternus kommt aus der Produktentwickug von Apple und hat seit 2001 an fast allen neuen Apple-Produkten mitgearbeitet. Er ist Apples achter CEO und der dritte seit der Rückkehr von Steve Jobs im Jahr 1997.

Warum gibt Tim Cook den Chefposten bei Apple ab?

Apple begründet den Wechsel mit einer langfristig vorbereiteten Nachfolgeplanung. Cook ist 65 Jahre alt und wird in den Verwaltungsrat von Apple wechseln. Er stand fast 15 Jahre an der Apple-Spitze und soll den Konzern dem Vernehmen nach weiterhin unterstützen, unter anderem bei der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern.

Was bedeutet der Chefwechsel für die Apple-Aktie?

Ein Vorstandswechsel bringt immer etwas Unsicherheit mit sich und die Börsianer lieben eigentlich Kontinuität. Doch das Apple-Geschäftsmdoel erscheint sehr stabil udn dürfte darunter nicht leiden - im Gegenteil:  Die Hoffnung ist, dass Terrnus dem Apple-Konzern neue Impulse verleiht, vor allem hinsichtlich der Produkt- und KI-Strategie.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.