Während viele KI-Aktien heißgelaufen sind, locken diese drei Telekomwerte mit günstigen Bewertungen, soliden Dividenden und neuen Wachstumschancen - auch durch KI.

Nach der starken Rally vieler KI-Aktien nimmt die Nervosität an den Märkten wieder zu. Geopolitische Risiken und neue Inflationsängste sorgen dafür, dass viele Anleger wieder verstärkt nach defensiveren Alternativen suchen. Einer dieser „sicheren Häfen“ könnten nun Telekom-Aktien sein.

Die Branche gilt zwar – freundlich ausgedrückt – nicht gerade als Inbegriff börslicher Euphorie, bietet dafür aber stabile Cashflows, attraktive Dividenden und günstige Bewertungen. Gleichzeitig könnte die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz neue Wachstumsfelder erschließen: Denn mehr KI-Anwendungen bedeuten auch mehr Datenverkehr und höhere Anforderungen an Netze. Daher stellen wir in diesem Artikel drei Telekom-Aktien vor, die jetzt wieder einen genaueren Blick wert sein könnten.

Deutsche Telekom: Defensive Dividendenaktie mit neuer KI-Fantasie

Am 13. Mai stellte die Deutsche Telekom solide Zahlen für das erste Quartal 2026 vor: Der Umsatz wuchs organisch um 4,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Der bereinigte Nettogewinn lag sogar 6,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders stark entwickelte sich das US-Geschäft der Tochter T-Mobile US, das in Dollar gerechnet ein Umsatzwachstum von fast elf Prozent erzielte.

In den vergangenen Monaten gab es zudem eine Reihe spannender Ankündigungen rund um Künstliche Intelligenz, die für zusätzliche Kursfantasie sorgen könnten. So ging beispielsweise Anfang April in München ein neues Rechenzentrum ans Netz, das mit 10.000 hochmodernen Nvidia-Blackwell-GPUs ausgestattet ist. Zu den Kunden zählen unter anderem Siemens, SAP und Perplexity.

Im Vergleich zu den Rechenzentren der großen US-Hyperscaler wirkt dieser Umfang zwar überschaubar. Allerdings dürfte es auch nicht der Anspruch der Deutschen Telekom sein, flächendeckend mit AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure zu konkurrieren. Der Fokus liegt vermutlich eher auf dem deutschen und europäischen Markt – insbesondere bei Behörden und Unternehmen, die ihre Daten nicht vollständig bei US-Anbietern ablegen dürfen oder wollen.

Das KGV der T-Aktie liegt mit 13,5 etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Sollte sich die KI-Strategie künftig stärker in den Wachstumszahlen niederschlagen, könnte das auch eine höhere Bewertung rechtfertigen.

Comcast: Medienriese zum Schnäppchenpreis

Dieser US-amerikanische Konzern ist neben dem klassischen Breitband- und Kabelgeschäft auch im Medienbereich aktiv. Dazu zählen unter anderem Sky, die Universal Studios sowie die Freizeitparks der Universal Theme Parks.

Der Umsatz von Comcast stagniert seit 2022 weitgehend. Zwar entwickelten sich einzelne Bereiche wie die Universal Studios und die Universal Theme Parks zuletzt stark. Jedoch steht das Unternehmen im wichtigen US-Breitbandgeschäft weiter unter Druck. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz in diesem Segment aufgrund niedrigerer Durchschnittspreise um 5,1 Prozent. Positiv ist jedoch, dass sich die Kundenverluste zuletzt deutlich verringert haben: Bei den US-Privatkunden gingen im ersten Quartal 2025 noch 183.000 Kunden verloren, im ersten Quartal 2026 waren es nun nur noch 65.000.

Entscheidend wird sein, ob sich dieser Trend fortsetzt und Comcast die Kundenverluste weiter reduzieren kann. Gelingt das, könnte das Unternehmen mittelfristig wieder auf einen Wachstumskurs zurückfinden. In diesem Fall dürfte der Markt dann die Comcast-Aktie auch wieder höher bewerten, die aktuell nur mit einem KGV von 4,7 gehandelt wird.

AT&T: Glasfaser als Wachstumsmotor

Auch AT&T verliert weiterhin Kunden im klassischen DSL- und Kupfergeschäft. Allerdings gelingt es dem Unternehmen gut, viele davon in modernere Angebote wie Glasfaser oder 5G-Internet zu überführen. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete AT&T einen freien Cashflow von 2,5 Milliarden Dollar und lag damit am oberen Ende der eigenen Prognose. Für das Gesamtjahr rechnet das Management weiterhin mit einem Free Cashflow von mehr als 18 Milliarden Dollar.

Analysten erwarten bis 2030 ein jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie von acht bis zwölf Prozent. Der wichtigste Wachstumstreiber ist dabei der Glasfaserausbau: AT&T erreicht bereits mehr als 37 Millionen Anschlüsse mit Glasfaser und will bis Ende des Jahrzehnts auf mehr als 60 Millionen Anschlüsse kommen.

Eine weitere Zukunftschance liegt im Bereich Künstliche Intelligenz. AT&T arbeitet mit Partnern wie Cisco und Nvidia daran, Daten nicht erst in weit entfernten KI-Rechenzentren zu verarbeiten, sondern näher am Ort der Entstehung – zum Beispiel in Fabriken oder Logistikzentren. Noch ist das kein großer Umsatztreiber. Mittelfristig könnte sich dadurch aber ein größerer adressierbarer Markt eröffnen, möglicherweise auch mit höheren Margen.

Das KGV liegt mit 7,7 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Fazit: Defensive Aktien mit Turnaround-Potenzial

Anlegern sollte bewusst sein, dass sie im Moment antizyklisch agieren, wenn sie Telekom-Firmen ins Depot nehmen. Viele Aktien aus dieser Branche wurden in den vergangenen Jahren deutlich abgestraft. Nicht ganz zu Unrecht, denn bei zahlreichen Unternehmen blieben die Wachstumsraten überschaubar. 

Durch den steigenden Datenverkehr, den Ausbau digitaler Infrastruktur und die zunehmende Verbreitung von KI-Anwendungen könnten ausgewählte Telekomkonzerne jedoch wieder neue Wachstumsperspektiven entwickeln. Besonders interessant sind daher jene Unternehmen, die bereits stark gefallen sind, heute günstig bewertet wirken und gleichzeitig konkrete Ansätze für eine operative Verbesserung zeigen. Entscheidend bleibt jedoch, selektiv vorzugehen.

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Häufig gestellte Fragen:

Warum sind viele Telekom-Aktien gefallen?

Viele Telekom-Aktien litten unter schwachem Wachstum, hohen Investitionen in 5G und Glasfaser sowie steigenden Zinsen. In einigen Märkten kamen Kundenverluste hinzu.

Können Telekom-Aktien von KI profitieren?

Ja, indirekt. KI sorgt für mehr Datenverkehr und höhere Anforderungen an Netze, Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Edge Computing. Davon könnten einige Telekomkonzerne profitieren.

Sind Telekom-Aktien jetzt attraktiv?

Telekom-Aktien bieten oft günstige Bewertungen, stabile Cashflows und Dividenden. Wichtig bleibt jedoch die Auswahl: Nicht jede günstige Aktie ist automatisch ein Schnäppchen.


Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom.