KI-Aktien schwanken heftig, doch abseits des Tech-Sektors locken klassische Value-Chancen: Diese drei Dividendenaktien notieren deutlich unter Buchwert und bieten hohe Ausschüttungen von bis zu 7,7 Prozent.
Beim Blick auf die aktuelle Achterbahnfahrt der KI-Aktien kann Anlegern derzeit schnell schwummrig werden. Fast täglich dreht sich die Stimmung zwischen grenzenloser Euphorie und Crashpanik.
Daher rücken klassische Value- und Dividendenstrategien wieder stärker in den Fokus. Gerade in einem unsicheren Marktumfeld können günstig bewertete Unternehmen mit hohen Ausschüttungen für mehr Stabilität im Depot sorgen.
Eine der am häufigsten verwendeten Kennzahlen, um die Bewertung einer Aktie einzuschätzen, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das KBV setzt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital. Liegt das KBV unter 1, gilt die Aktie oft als unterbewertet – denn der „Preis“ für einen Euro Eigenkapital ist dann niedriger als ein Euro.
In diesem Artikel stellen wir drei Aktien mit einem niedrigen KBV und einer hohen Dividendenrendite vor, die nach den klassischen Kriterien des Value-Investing als potenziell unterbewertet gelten.
Mercedes-Benz
Mit einer Dividendenrendite von 7,7 Prozent und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,46 wirkt die Mercedes-Aktie derzeit sehr günstig bewertet. Allerdings stehen die Stuttgarter vor mehreren Herausforderungen: Im vergangenen Jahr gingen sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich zurück. Zusätzlich sorgen die US-Zölle für anhaltende Unsicherheit, da sie die Kosten erhöhen und die weitere Geschäftsentwicklung schwerer planbar machen. Für 2026 stellte der Konzern zudem lediglich eine vergleichsweise niedrige Pkw-Marge von 3 bis 5 Prozent in Aussicht.
Das führte im laufenden Jahr zu einem Kursverlust von fast zwölf Prozent. In den vergangenen drei Jahren summiert sich das Minus bereits auf mehr als 36 Prozent. Anlegern muss daher klar sein, dass es sich bei Mercedes um eine Turnaround-Wette handelt. Für eine nachhaltige Kurserholung kommt es nun vor allem auf drei Punkte an: eine Stabilisierung der wichtigen Absatzmärkte China und USA, eine Bodenbildung bei den Margen sowie frische Wachstumsimpulse durch neue Modelle. Aktuell lässt sich jedoch nur schwer einschätzen, wie sich das Geschäft des Autokonzerns in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Comcast: Medienriese zum Schnäppchenpreis
Dieser US-amerikanische Konzern ist neben dem klassischen Breitband- und Kabelgeschäft auch im Medienbereich aktiv. Dazu zählen unter anderem Sky, die Universal Studios sowie die Freizeitparks der Universal Theme Parks.
Die Dividendenrendite beträgt derzeit rund 5,5 Prozent. Zudem kaufte der Konzern in den vergangenen zwölf Monaten rund 4,9 Prozent seiner eigenen Aktien zurück. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt mit 0,96 knapp unter der wichtigen Schwelle von 1,0.
Der Umsatz von Comcast stagniert seit 2022 weitgehend. Zwar entwickelten sich einzelne Bereiche wie die Universal Studios und die Universal Theme Parks zuletzt stark. Jedoch steht das Unternehmen im wichtigen US-Breitbandgeschäft weiter unter Druck. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz in diesem Segment aufgrund niedrigerer Durchschnittspreise um 5,1 Prozent. Positiv ist jedoch, dass sich die Kundenverluste zuletzt deutlich verringert haben: Bei den US-Privatkunden gingen im ersten Quartal 2025 noch 183.000 Kunden verloren, im ersten Quartal 2026 waren es nur noch 65.000.
Entscheidend wird nun sein, ob sich dieser Trend fortsetzt und Comcast die Kundenverluste weiter reduzieren kann. In diesem Fall dürfte der Markt dann das Unternehmen auch wieder höher bewerten, das aktuell nur mit einem KGV von 4,6 gehandelt wird.
Am 23. Juli legt der Konzern seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die Analysten erwarten einen Umsatz von rund 29,25 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn je Aktie (non-GAAP) von 0,97 Dollar.
Vonovia
Die Hauptversammlung hat am 21. Mai 2026 eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen. Beim aktuellen Kurs entspricht das einer Dividendenrendite von rund sechs Prozent. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,76 wirkt attraktiv.
Immobilienaktien starteten zunächst stark ins Jahr, gerieten mit dem Ausbruch der Irankrise jedoch teilweise deutlich unter Druck. Grund dafür waren steigende Ölpreise, die am Markt neue Inflations- und Zinsängste schürten. Die höheren langfristigen Zinsen ließen die Finanzierungskosten von Vonovia zuletzt um rund 20 Millionen Euro steigen und belasteten damit den Gewinn.
Auch künftig dürfte der Aktienkurs von Vonovia stark von der erwarteten Zinsentwicklung abhängen – insbesondere von den langfristigen Zinsen. Investoren sollten daher den Ölpreis, die Inflation und die Entwicklungen im Nahen Osten genau im Blick behalten.
Darüber hinaus ist entscheidend, dass Vonovia seine Strategie zum Schuldenabbau erfolgreich umsetzt. Dafür sind stabile oder steigende Immobilienpreise von großer Bedeutung.
Fazit:
Das KBV und die Dividendenrendite können hilfreiche erste Filter bei der Auswahl günstig bewerteter Aktien sein. Anleger sollten sich jedoch nicht allein auf diese Kennzahlen verlassen. Entscheidend ist immer auch eine detaillierte Analyse der fundamentalen Ausgangslage, um mögliche „Value Traps“ zu vermeiden.
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Häufig gestellte Fragen:
Was sagt das Kurs-Buchwert-Verhältnis aus?
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, zeigt, wie hoch eine Aktie im Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital bewertet ist. Ein KBV unter 1 kann auf eine Unterbewertung hindeuten.
Was ist eine Value Trap?
Eine Value Trap ist eine Aktie, die günstig bewertet wirkt, deren Kurs aber wegen nachhaltiger Probleme dauerhaft niedrig bleibt. Deshalb sollten Anleger neben dem KBV auch Gewinnentwicklung, Schulden und Geschäftsmodell prüfen.
Sind Aktien unter Buchwert automatisch günstig?
Nein. Ein niedriger Kurs im Verhältnis zum Buchwert kann Chancen bieten, aber auch auf operative Probleme oder schwache Zukunftsaussichten hinweisen. Eine fundamentale Analyse bleibt daher unverzichtbar.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Mercedes-Benz.