Stabile Gewinne, mehr Kapital und bessere Renditen: Die Deutsche Bank kommt mit ihrem Umbau voran. Die Aktie handelt mit einem Abschlag zu Wettbewerbern, was viel Spielraum nach oben eröffnet.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 08. Juli in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 29/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Die Deutsche Bank hat sich in den vergangenen Jahren leise, aber gründlich gewandelt. Aus einem Institut, das lange eher als Sanierungsfall betrachtet wurde, ist eine Bank geworden, die wieder Gewinne erzielt und Kapital ausschüttet. Nach dem harten Umbau, den Vorstandschef Christian Sewing nach seinem Antritt im Jahr 2019 eingeleitet hatte, stehen heute nicht mehr Rechtsrisiken und Altlasten im Vordergrund, sondern solide Gewinne, bessere Renditen und eine deutlich robustere Bilanz. An der Börse ist ­dieser Wandel bislang jedoch zu wenig sichtbar.

Guter Jahresauftakt 

Dabei ist die Deutsche Bank erkennbar stark ins neue Jahr gestartet. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Erträge um zwei Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte um sieben Prozent auf drei Milliarden Euro, der Nachsteuergewinn legte um acht Prozent auf den Rekordwert von 2,2 Milliarden Euro zu. Die Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital, die misst, wie rentabel die Bank ihr materielles Eigenkapital einsetzt, verbesserte sich auf 12,7 Prozent, nach 11,9 Prozent im Vorjahresquartal. Zugleich sank die Kosten-Ertrags-Relation auf 58,9 Prozent. Die Kennzahl beschreibt, welcher Anteil der Erträge für Kosten aufgewendet werden muss. Das verdeutlicht: Die Ertragskraft des Konzerns ist heute stabiler als noch vor einigen Jahren. Die Entwicklung zeigt, dass der Umbau inzwischen nicht mehr nur Kosten senkt, sondern die Qualität der Erträge verbessert. Auch das verwaltete Vermögen wuchs weiter auf 1,8 Billionen Euro. Für das Gesamtjahr hat das Management den Ausblick bestätigt und rechnet weiter mit ­einem Umsatz von 33 Milliarden Euro. Angesichts der soliden operativen Basis ist davon auszugehen, dass auch die Geschäftszahlen für das zweite Quartal, die die Bank am 29. Juli veröffentlichen wird, gut ausfallen werden.

Privatkundengeschäft verbessert 

Besonders deutlich zu sehen ist der Fortschritt im Privatkundengeschäft, das lange als der größte Problemfall der Deutschen Bank galt. Die Private Bank steigerte die Erträge um fünf Prozent auf 2,57 Milliarden Euro, das Vorsteuerergebnis sprang um 39 Prozent auf 681 Millionen. Ein ­wesentlicher Erfolgsgarant war die konsequente Kostenreduzierung. Drei Viertel der für dieses Jahr geplanten Filialschließungen sind bereits abgeschlossen. Gleichzeitig verbessert sich die Profitabilität: Die Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 12,8 Prozent, die Aufwand-Ertrag-Relation bei 67 Prozent. Noch wichtiger ist aber, dass innerhalb der Private Bank das margen­stärkere Wealth-Geschäft an Bedeutung gewinnt. Vermögensverwaltung und Anlageberatung sind weniger kapitalintensiv, stabiler und lukrativer als das klassische Retailbanking. Auch das Asset Management läuft stark. Die Vermögensverwaltung, die unter dem Namen DWS firmiert, steigerte die Erträge um zehn Prozent und das Ergebnis vor Steuern um 37 Prozent. Unter dem Strich stand ein kräftiger Nettomittelzufluss von elf Milliarden Euro. Das ist wichtig, weil Asset Management für die Deutsche Bank ein besonders attraktives Geschäft ist. Es bringt wiederkehrende Gebühren, bindet weniger Kapital und macht den Konzern weniger abhängig von der Konjunktur und den Schwankungen der Kapitalmärkte.

Investment Bank vor Wachstum?

Nicht ganz so dynamisch lief es in der Corporate Bank, also dem klassischen Firmenkundengeschäft. Dort gingen die ­Erträge um drei Prozent zurück, das Vorsteuerergebnis lag dennoch fast auf Vorjahresniveau. Positiv ist, dass das Kreditgeschäft wieder an Fahrt gewinnt und um sechs Prozent zulegte. Das könnte sich im weiteren Jahresverlauf als Vorteil erweisen, zumal ein weiterhin ordentliches Zinsniveau dem Bereich Rückenwind gibt. Auch im Investmentbanking, das im ersten Quartal stagnierte, könnte das Quartal deutlich besser ausfallen. Die dynamischen Kapitalmärkte dürften für die Investment Bank, die vor allem im Anleihe­geschäft traditionell stark aufgestellt ist, ein spürbarer Hebel sein. Hinzu kommt, dass es die Deutsche Bank schafft, ihre Kosten unter Kontrolle zu halten. Die zinsunabhängigen Aufwendungen sanken trotz weiterer Investitionen um zwei Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig ist die Kapitalbasis solide. Die Eigen­kapitalquote lag bei 13,8 Prozent und damit innerhalb der Zielspanne von 13,5 bis 14,0 Prozent. Das schafft die Grundlage für weitere Ausschüttungen an die Aktionäre. Anfang Juni zahlte die Deutsche Bank eine Dividende von einem Euro je Aktie aus —das entspricht aktuell einer Rendite von rund 3,5 Prozent. Seit 2022 wurde die ­Dividende jedes Jahr erhöht, was die Aktie zu einem stabilen Dividendenwert macht. Die Fortschritte werden inzwischen auch von der Analystenseite anerkannt. „Wir sehen eine Diskrepanz zwischen der Bewertung und den sich in der zweiten Jahreshälfte verbessernden Fundamentaldaten“, heißt es etwa in einem aktuellen Statement der Investmentbank Morgan Stanley. Die US-Analysten stuften die Deutsche Bank zum Top Pick hoch und sehen das Institut auf Kurs, seine Renditeziele zu erreichen.

Günstige Bewertung 

Aus Sicht der Analysten ist damit vor ­allem die Bewertung spannend. Denn trotz der operativen Fortschritte ist die Deutsche Bank an der Börse noch immer vergleichsweise niedrig bewertet. Das für 2027 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei gerade einmal 8,7. Zum Vergleich: Die italienische Unicredit kommt auf 9,8 und die amerikanische JP Morgan Chase sogar auf 14,5. Gleichzeitig haben viele Wettbewerber in den vergangenen sechs Monaten an der Börse klar zugelegt, während die Aktien der Deutschen Bank leicht verloren haben. Gerade im Branchenvergleich fällt auf, wie stark die Aktie noch hinter den operativen Fortschritten zurückbleibt. Das passt nicht zu den soliden Zahlen, die das Unternehmen inzwischen liefert, zeigt aber: Jahrelang aufgebautes Misstrauen verschwindet nicht von heute auf morgen. Zu lange war die Deutsche Bank ein Synonym für Restrukturierung, Rechtsrisiken und enttäuschte Erwartungen. Inzwischen allerdings liefert die Bank sichtbar bessere Ergebnisse, die Ertragsbasis ist breiter geworden, stabile Geschäftsbereiche wie Private Bank und Asset Management gewinnen an Gewicht. Wenn ausgerechnet das frühere Problemsegment Privatkunden heute die Profitabilität steigern kann, ist das ein Beleg dafür, dass die Transformation Früchte trägt.

Fazit

Die Deutsche Bank ist operativ längst weiter, als es der Kurs vermuten lässt. Solange das Management die Profitabilität hält, die Kosten diszipliniert steuert und das Kapitalmarktumfeld stabil bleibt, stehen die Chancen gut, dass die Bewertung auf absehbare Zeit dem Zahlenwerk folgen wird. Wir erhöhen Ziel- und Stoppkurs für die Aktie.

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