Viele KI-Aktien haben massiv an Wert verloren. Doch Goldman Sachs hält den langfristigen Aufwärtstrend für intakt – und nennt den Punkt, der über das Comeback der Aktien entscheidet.
KI-Investoren hatten in den vergangenen Wochen beim Blick auf ihre Depots nicht gerade viel zu lachen. Zahlreiche Aktien aus dem Halbleitersektor sind teilweise um ein Drittel oder sogar die Hälfte gefallen. Der Goldman-Sachs-Stratege Ben Snider veröffentlichte nun einen Report, in dem er die Gründe für den Crash erläutert und eine Einschätzung zur weiteren Entwicklung des KI-Trades gibt.
Warum sind KI-Aktien so stark gefallen?
Laut Goldman folgt der aktuelle Ausverkauf bei KI-Aktien einem typischen Muster: Gerade in Phasen, in denen viele Investoren gleichzeitig auf einen bestimmten Trend aufspringen – gerechtfertigt oder nicht –, steigt die Wahrscheinlichkeit eines kurzfristigen Momentum-Crashs, bevor der Markt wieder seinem längerfristigen Trend folgt.
Eine der Hauptursachen des aktuellen KI-Crashs sind zudem gehebelte Positionen von Privatinvestoren und Hedgefonds, die abgebaut oder zwangsliquidiert wurden. Das bekannteste Beispiel war der Hedgefonds „Situational Awareness“ des 24-jährigen Deutschen Leopold Aschenbrenner, der in der vergangenen Woche liquidiert wurde. Außerdem erlauben die Risikobudgets vieler aktiver Fonds nur eine bestimmte Verlustschwelle, ab der Positionen verkauft werden müssen – unabhängig davon, ob der Fondsmanager weiterhin von ihnen überzeugt ist.
Die aktuellen Nachrichten über neue Konkurrenten aus China waren somit eher der Auslöser einer ohnehin wahrscheinlichen kurzfristigen Korrektur als eine grundlegende Verschlechterung der fundamentalen Ausgangslage.
KI-Trade stabilisiert sich
Analyst Ben Snider zufolge ist der Abbau der gehebelten Positionen bereits so gut wie abgeschlossen. Das dürfte kurzfristig wieder für mehr Ruhe im KI-Trade sorgen.
Zusätzlicher Rückenwind kommt von einer starken Berichtssaison. Goldman schätzt, dass Unternehmen aus dem Bereich der KI-Infrastruktur im zweiten Quartal rund ein Drittel zum Gewinnwachstum des S&P 500 beigetragen haben. Im weiteren Verlauf des Jahres sowie in 2027 könnten sie sogar für die Hälfte des Gewinnwachstums verantwortlich sein. Zu den wichtigsten Treibern zählen nach wie vor Amazon, Alphabet, Microsoft, Nvidia und Broadcom.
Doch auch die Gewinne in den übrigen Sektoren entwickeln sich laut Snider robust. Diese größere Marktbreite ist ebenfalls positiv zu bewerten.
Getragen wurden die hohen Gewinne unter anderem von den scheinbar ungebrochen steigenden KI-Investitionen der Hyperscaler. Für 2027 erwartet Goldman nun Investitionsausgaben in Höhe von einer Billion US-Dollar. Vor der Berichtssaison hatte die Schätzung noch bei 900 Milliarden US-Dollar gelegen.
Rendite auf KI-Investitionen bleibt entscheidend
Laut Goldman ist für die Fortsetzung des KI-Trades nicht primär entscheidend, ob die Ausgaben noch weiter steigen, sondern ob diese Investitionen durch entsprechende Gewinne gerechtfertigt werden.
Genau das zeichnet sich zunehmend ab. Alphabet, Microsoft und Amazon verzeichneten im zweiten Quartal gemeinsam ein Wachstum von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit beschleunigte sich die Wachstumsrate weiter – im ersten Quartal hatte sie noch bei 39 Prozent gelegen.
Insbesondere Amazon gab während der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen überraschend detaillierte Einblicke in seine KI-Investitionen. CEO Andy Jassy betonte erneut, dass Amazon nicht auf Verdacht derart hohe Summen in KI investiere, sondern dahinter eine reale Kundennachfrage stehe. Häufig seien die Investitionen bereits im Voraus durch mehrjährige Verträge mit den AWS-Kunden abgesichert. Dies führe dazu, dass sich die Servertechnik bereits nach „etwas weniger als drei Jahren“ amortisiere.
Langfristig peilt Amazon mit AWS sogar einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar an. Die detaillierten Einblicke beruhigten die Investoren spürbar: Die Amazon-Aktie stieg am Freitag nach den Quartalszahlen um mehr als 15 Prozent.
Fazit: Volatilität bleibt, doch Gewinne stützen die KI-Aktien
Goldman Sachs zufolge dürfte uns die Volatilität im Halbleitersektor noch eine Weile erhalten bleiben. Mittel- und langfristig bleibt der Aufwärtstrend jedoch intakt, da sich die Gewinne weiterhin außerordentlich gut entwickeln und zunehmend deutlich wird, dass sich die gigantischen Investitionen der Hyperscaler auszahlen.
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Häufig gestellte Fragen:
Warum sind KI-Aktien abgestürzt?
Der KI-Crash wurde laut Goldman Sachs vor allem durch den Abbau gehebelter Positionen bei Hedgefonds und Privatanlegern ausgelöst. Sorgen über neue chinesische Konkurrenten verstärkten den Verkaufsdruck zusätzlich.
Wie entwickeln sich KI-Aktien kurzfristig?
Kurzfristig dürften KI- und Halbleiter-Aktien volatil bleiben. Da der Abbau vieler gehebelter Positionen weitgehend abgeschlossen ist und die Gewinne stark wachsen, könnte sich der KI-Trade jedoch stabilisieren.
Wie sind die langfristigen Aussichten für KI-Aktien?
Langfristig bleibt Goldman Sachs für KI-Aktien positiv. Entscheidend ist, dass die hohen KI-Investitionen der Hyperscaler zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen und sich zunehmend auszahlen.
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