Nvidia-Chef Jensen Huang ruft das Zeitalter der Allgemeinen Künstlichen Intelligenz aus. Ganze Armeen von KI-Agenten könnten nun entstehen – und drei unbekannte Aktien besonders profitieren.

„Allgemeine Künstliche Intelligenz ist da.“ Mit diesen Worten kommentierte Nvidia-CEO Jensen Huang die Veröffentlichung des neuesten KI-Modells von OpenAI, GPT-6 Astra.

Allgemeine Künstliche Intelligenz (kurz: AGI) bedeutet, dass eine KI nicht nur einzelne Aufgaben gut beherrscht, sondern über viele Bereiche hinweg auf menschlichem oder übermenschlichem Niveau denken, lernen und Probleme lösen kann. Dabei kann sie komplexe Aufgaben weitgehend autonom erledigen.

Da es keine feste Definition oder Messgröße für eine AGI gibt, herrscht noch Uneinigkeit darüber, ob dieser Zustand tatsächlich bereits erreicht ist. Fest steht aber, dass das Zeitalter der autonom handelnden KI-Agenten längst angebrochen ist. In diesem Artikel stellen wir daher drei wenig beachtete Aktien vor, die davon besonders profitieren könnten.

nVent Electric – die Klimaanlage im Server

Dieses Unternehmen bietet elektrische Infrastruktur für Rechenzentren an. Dazu zählen unter anderem Gehäuse, Stromverteilung, elektrische Verbindungen, Kabelmanagement und inzwischen auch Kühltechnik.

Nach Schätzungen von nVent werden aktuell noch 85 bis 90 Prozent der Server in Rechenzentren klassisch mit kalter Luft gekühlt. Das ist jedoch nicht nur teuer, da große Klimaanlagen und Ventilatoren benötigt werden und der Strombedarf entsprechend hoch ist, sondern wird mit zunehmender Leistung der Server auch immer ineffizienter. Dem Research-Unternehmen Dell'Oro zufolge funktioniert eine Luftkühlung nur bis etwa 20 kW pro Rack. Ein Vera-Rubin-Rack von Nvidia kommt dagegen auf eine Leistung von rund 225 kW. Daher hat sich Nvidia entschieden, Rubin als seine erste Generation mit 100 Prozent Flüssigkeitskühlung auf den Markt zu bringen.

Dabei wird die Hitze über eine Metallplatte an eine Kühlflüssigkeit abgegeben, die die Wärme wiederum ableitet. Dieses Verfahren ist wesentlich effizienter, weil Flüssigkeit Wärme deutlich besser aufnehmen und transportieren kann als Luft.

Genau diesen Kühlkreislauf mitsamt Schläuchen, Verteilern und Wärmeleitplatten bietet nVent an. Das Unternehmen ist einer von mehreren Zulieferern für die neuen Nvidia-Rubin-Server.

Der Markt für Flüssigkeitskühlung soll bis 2030 um rund 20 Prozent pro Jahr wachsen. Die starke Entwicklung zeigt sich auch bereits in den Zahlen von nVent: Im zweiten Quartal ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 53 Prozent gestiegen. Zudem hat das Unternehmen seine Produktionsfläche innerhalb von drei Jahren gleich dreimal erweitert.

Credo Technology – die Autobahn im Rechenzentrum

Astra wurde auf 100.000 GPUs trainiert und laut Jensen Huang sollen später 400.000 weitere hinzukommen. Diese immer größeren KI-Cluster lassen einen neuen Engpass in den KI-Rechenzentren entstehen: die Datenübertragung zwischen den Chips. Um möglichst effizient zu arbeiten, müssen die GPUs permanent untereinander Daten austauschen. Dafür braucht es zuverlässige High-Speed-Verbindungen.

Eine der am schnellsten wachsenden Firmen in diesem Bereich ist Credo Technology. Im vergangenen Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 115 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Trotzdem wurde die Aktie im Anschluss an die Quartalzahlen stark abverkauft, da die inoffiziellen Erwartungen des Marktes offenbar noch höher lagen.

Nach dem scharfen Rücksetzer ist die Aktie mit einem Forward-KGV von 23,4 allerdings wieder auf bewertungstechnisch attraktivere Niveaus zurückgekommen. Es könnte sich daher um eine antizyklische Kaufchance bei einem Titel mit hohen Wachstumschancen, aber auch hoher Volatilität handeln.

SailPoint – der Türsteher für KI-Agenten

Moderne KI-Agenten wie GPT-6 Astra müssen selbstständig handeln: Datenbanken durchsuchen, E-Mails versenden, Code schreiben und anpassen, Rechnungen bezahlen und abspeichern, Software bedienen oder andere Agenten starten. Für all diese Schritte braucht ein KI-Agent entsprechende Zugangsberechtigungen. Genau darauf hat sich SailPoint spezialisiert.

Erst im August veröffentlichte das Unternehmen die Plattform SailPoint Agentic Fabric. Sie soll KI-Agenten automatisch erkennen, ihnen Berechtigungen zuordnen, ihre Zugriffe kontrollieren und einen „Kill Switch“ bereitstellen, wenn ein Agent außer Kontrolle gerät. Das Ganze soll in Echtzeit erfolgen, sodass mögliche Schäden möglichst gering bleiben.

Die Zahl der Agenten beginnt gerade erst zu explodieren. Morgan Stanley schätzt, dass in den kommenden Jahren auf jeden Mitarbeiter 79 KI-Agenten und zusätzlich 109 weitere Maschinenidentitäten kommen könnten. Für jeden dieser Agenten braucht es Zugriffe und Sicherheitskontrollen. Das Marktvolumen für diesen Bereich soll aufgrund der stark steigenden Verbreitung von KI-Agenten im Basisszenario bei 33 Milliarden US-Dollar liegen.

Gartner erwartet zudem, dass ein durchschnittliches Fortune-500-Unternehmen bis 2028 mehr als 150.000 KI-Agenten im Einsatz haben wird – verglichen mit weniger als 15 im Jahr 2025. Das Wachstum der KI-Agenten dürfte sich daher erst in einem frühen Stadium befinden, und Unternehmen wie SailPoint könnten massiv davon profitieren.

Fazit

Die zunehmend besseren und kosteneffizienteren KI-Modelle werden den Bedarf an Rechenleistung und Token nicht reduzieren, sondern voraussichtlich überproportional erhöhen. In Zukunft werden auch Prozesse mit KI-Agenten automatisiert, bei denen sich der Einsatz heute noch nicht wirtschaftlich lohnt. Jeder Mitarbeiter könnte dadurch eine kleine Armee an KI-Agenten erhalten.

Davon dürften nicht nur die Umsätze der KI-Hardwareanbieter weiter stark profitieren, sondern auch die von Unternehmen, die die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellen. Credo sorgt für die Datenübertragung zwischen den Chips, nVent für die Kühlung der immer leistungsfähigeren Server und SailPoint für die Kontrolle der wachsenden Zahl autonomer KI-Agenten.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

 Was sind KI-Agenten?

KI-Agenten sind Programme, die Aufgaben weitgehend selbstständig ausführen können. Sie können etwa Daten analysieren, Software bedienen, E-Mails verschicken oder andere Agenten koordinieren.

Warum profitieren nVent, Credo und SailPoint von KI-Agenten?

nVent profitiert vom steigenden Kühlbedarf leistungsfähiger KI-Server, Credo von der Datenübertragung zwischen immer mehr Chips und SailPoint von der Verwaltung und Absicherung der Zugriffsrechte autonomer Agenten.

Ist GPT-6 Astra bereits eine Allgemeine Künstliche Intelligenz?

Das ist umstritten. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition dafür, ab wann eine KI als AGI gilt. Klar ist aber, dass KI-Systeme immer autonomer und leistungsfähiger werden.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Credo Technology Group Holding Ltd.