Der massive Energiebedarf von KI-Rechenzentren beschert dem deutschen Energiespezialisten 2G Energy einen Rekordauftragseingang: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Bestellungen nahezu verachtfacht. Nach der starken Rally im Frühjahr ist allerdings bereits viel Optimismus im Aktienkurs eingepreist.

Der Boom bei Künstlicher Intelligenz lässt nicht nur die Nachfrage nach Rechenleistung steigen. Auch die Energieversorgung der dafür benötigten Rechenzentren wird zu einem immer wichtigeren Markt. 2G Energy profitiert davon unmittelbar: Der Spezialist für dezentrale Energielösungen hat im zweiten Quartal einen Rekordauftragseingang verbucht.

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Auftragseingang fast verachtfacht

In den Monaten April bis Juni gingen Aufträge im Wert von 422,4 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 54,1 Millionen Euro. Damit erreichte das Volumen fast das Achtfache des Vergleichswerts. Der mit Abstand wichtigste Wachstumstreiber war das Geschäft mit Rechenzentren in Nordamerika.

Allein im ersten Halbjahr entfielen 350,3 Millionen Euro des Auftragseingangs auf das US-Data-Center-Segment. Im zweiten Quartal erhielt 2G Energy den größten Einzelauftrag der Firmengeschichte zur Energieversorgung eines nordamerikanischen Rechenzentrums. Die Dynamik beschränkt sich allerdings nicht auf das amerikanische Rechenzentrumsgeschäft. In den übrigen Geschäftsbereichen stiegen die Bestellungen um 57 Prozent auf 72,1 Millionen Euro.

2G Energy (WKN: A0HL8N)

Ziele für 2026 und 2027

Das Management hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr auf 490 Millionen Euro konkretisiert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von rund 23 Prozent. Die operative EBIT-Marge soll zwischen 9,5 und 10,5 Prozent liegen.

Für 2027 steckt sich 2G Energy noch optimistischere Ziele. Der Umsatz soll dann zwischen 570 und 620 Millionen Euro liegen. Gleichzeitig soll die EBIT-Marge erstmals die Marke von 11 Prozent überschreiten. Damit würde das Unternehmen nicht nur schneller wachsen, sondern auch seine Profitabilität weiter verbessern.

Um die hohe Nachfrage bedienen zu können, plant 2G Energy den Bau einer neuen Montagehalle am Firmensitz im niedersächsischen Heek. Ab Anfang 2028 sollen dort zusätzliche Kapazitäten für ein jährliches Umsatzvolumen von mindestens 300 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Investition ist ein deutliches Signal: Das Management wertet die aktuelle Auftragswelle offenbar nicht als kurzfristigen Ausreißer, sondern als Teil einer längerfristigen Entwicklung. 

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Wachstumschance mit Ammoniak

Auch technologisch erweitert 2G Energy sein Einsatzfeld. Gemeinsam mit dem US-Partner Amogy hat das Unternehmen Tests für eine integrierte Ammoniak-zu-Strom-Lösung erfolgreich abgeschlossen. Bei dem als „Ammonia-to-Power“ bezeichneten Verfahren wird Ammoniak in Strom umgewandelt.

Die Technologie soll künftig Rechenzentren und energieintensive Industriebetriebe unabhängig vom klassischen Stromnetz mit Energie versorgen können. Für 2G Energy eröffnet sich damit ein weiterer Anwendungsbereich für hochskalierbare, dezentrale Energielösungen.

Der Datacenter-Boom erweitert das bisherige Geschäftsmodell von 2G Energy deutlich. Neben der klassischen dezentralen Energieversorgung von Industrie, Gewerbe und kommunalen Kunden gewinnt die unabhängige Stromversorgung großer, hochverfügbarer Rechenzentren an Bedeutung. Dadurch kann 2G Energy größere Einzelprojekte realisieren und neue Umsatzdimensionen erschließen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Skalierbarkeit, Lieferfähigkeit und technologische Lösungen für netzferne oder netzunabhängige Anwendungen.

Aktie nach Rally korrigiert

An der Börse wurde das Potenzial des Datacenter-Geschäfts bereits im Frühjahr eingepreist. Die Aktie von 2G Energy legte in der Folge kräftig zu. Anleger, die der ersten Kaufempfehlung von BÖRSE ONLINE aus dem Mai 2025 gefolgt waren, lagen am Allzeithoch im Juni 2026 mehr als 130 Prozent im Plus. Ob die Experten von BÖRSE ONLINE die Aktie von 2G Energy in der aktuellen Korrektur erneut zum Kauf empfehlen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 34/2026

Häufig gestellte Fragen

Was macht 2G Energy?

2G Energy entwickelt und produziert dezentrale Energieversorgungslösungen wie Blockheizkraftwerke. Die Anlagen erzeugen Strom und Wärme direkt beim Kunden und kommen bei Industrie, Gewerbe, Kommunen und zunehmend auch bei Rechenzentren zum Einsatz.

Warum ist der Auftragseingang so stark gestiegen?

Im zweiten Quartal stieg der Auftragseingang auf 422,4 Millionen Euro und lag damit fast achtmal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Haupttreiber waren Aufträge für US-Rechenzentren, die 350,3 Millionen Euro zum Quartalswert beitrugen.

Ist die Aktie jetzt ein Kauf?

Die Geschäftsperspektiven sind dank des Datacenter-Booms vielversprechend. Nach der starken Rally und der anschließenden Korrektur müssen Anleger jedoch abwägen, ob die hohe Bewertung und die Erwartungen an das künftige Wachstum bereits ausreichend im Kurs berücksichtigt sind.


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