Ausgerechnet die junge Generation ­entdeckt das Kino neu. Dank starken Blockbustern, ­Premiumkinos und US-­Expansion steigen bei dem Kinobetreiber die Gewinne schneller als die Umsätze

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 14. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 43/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Das Licht erlischt, die Gespräche verstummen. Dann füllt das erste Bild die Leinwand. Ein Lachen geht durch die Reihen, später halten alle gleichzeitig den Atem an. Kino ist mehr als ein Film: Es ist ein gemeinsamer Abend, ein Erlebnis, das sich mit der Fernbedienung auf dem heimischen Sofa nicht herbei­zaubern lässt.

Ausgerechnet die mit Smartphones und Streaming aufgewachsene Generation Z entdeckt darin einen besonderen Reiz. Nach Daten des US-Kinoticketportals Fandango sahen Mitglieder der Generation Z im Jahr 2025 durchschnittlich sieben Filme im Kino. Ältere Generationen kamen dagegen nur auf rund sechs Kinobesuche pro Jahr. Dem Marktforschungsunternehmen Comscore zufolge stellte die GenZ im selben Jahr knapp 40 Prozent des Kino­publikums in Nordamerika. Netflix und Co haben die große Leinwand also keineswegs überflüssig gemacht.

Lukrative Blockbuster-Bühne

Die Wiederentdeckung des Kinoerlebnisses verleiht Kinepolis derzeit kräftigen Rückenwind. Der belgische Kinobetreiber ist mit seiner gleichnamigen Marke in Europa, mit Landmark in Kanada sowie MJR, Emagine und Showcase in den USA vertreten. Die Gruppe zählt 134 Kinos mit 1.474 Leinwänden und rund 230.000 Sitzplätzen. Neben Eintrittskarten bringt die Kinogastronomie mit dem Verkauf von Popcorn, Getränken und Snacks Geld in die Kassen. Ergänzt wird das Geschäft durch Firmenveranstaltungen, Leinwandwerbung, Filmvertrieb und das Management der Kinoimmobilien. Ein strategischer Vorteil: Anders als viele Konkurrenten besitzt Kinepolis einen großen Teil seiner Standorte selbst, was die laufende Mietbelastung senkt und zusätzliche Substanz bietet.

Vor allem in den USA hat Kinepolis seine Präsenz in diesem Jahr stark ausgebaut. Im Februar kamen durch die Übernahme der US-Kinokette Emagine 14 Filmtheater hinzu, die nach Unternehmensangaben inzwischen erfolgreich integriert sind. Im September folgte der Erwerb von 13 Showcase-Kinos. Diese verzeichneten 2025 rund vier Millionen Gäste und mehr als 90 Millionen Dollar Umsatz. Die Integration der gerade erst übernommenen Kinos steht allerdings noch aus.

„Die Branche hatte ein Angebots­problem statt ein Nachfrage­problem.“

Eddy Duquenne, CEO Kinepolis

Die Besucher kehren zurück

Nach einem schwierigen Jahr 2025 hat sich das operative Bild für Kinepolis in letzter Zeit wieder deutlich aufgehellt. Im Vorjahr sanken die Besucherzahlen noch um 5,8 Prozent, der Umsatz um 2,3 Prozent und das bereinigte Ebitdal — das operative Ergebnis nach Abzug der laufenden Miet- und Pachtkosten — um 3,4 Prozent. 

Angezogen von Blockbustern wie „The Super Mario Galaxy Movie“ und „Toy Story 5“ kamen im ersten Halbjahr 2026 19,1 Millionen Gäste in die Kinos. Das waren 33,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um 32,6 Prozent auf 341,8 Millionen Euro zu. Das bereinigte Ebitdal wuchs sogar um 67,8 Prozent auf 80,9 Millionen Euro. Die Zuwächse sind allerdings nicht mit rein organischem Wachstum gleichzusetzen, da bereits die Umsätze der Emagine-Standorte enthalten sind. Dennoch geht die Entwicklung in die richtige Richtung. „Die Branche war mit einem Angebotsproblem statt mit einem Nachfrageproblem konfrontiert“, sagt Vorstandschef Eddy Duquenne. Auch das dritte Quartal ist laut Kinepolis dank Filmen wie „The Odyssey“ und „Spider-Man: Brand New Day“ erfolgreich gestartet. Gleichzeitig füllt sich der Kinokalender bis zum Jahresende zusehends mit weiteren potenziellen Blockbustern der großen Studios. 

Einfach an alte Zeiten anknüpfen kann die Kinobranche allerdings nicht. Die Zahl der verkauften Tickets liegt weiterhin deutlich unter Vor-Corona-Niveau. Ob Konsumenten bereit sind, für den Gang ins Kino Geld auszugeben, ist zudem vor allem vom aktuellen Filmangebot abhängig. Welche Filme erscheinen, bestimmen allerdings Studios und Verleiher. Die Kinobetreiber haben darauf keinen Einfluss. Bleiben die Publikumsmagneten aus, belasten die hohen Fixkosten eines Kinos schnell das Ergebnis. 

Umso wichtiger ist das, was die Betreiber selbst gestalten können: Standort, Service und Erlebnis unterscheiden ein Kino vom nächsten und von der Streaming-Konkurrenz im Wohnzimmer. Denn gerade für junge Besucher zählen das Gemeinschaftserlebnis mit Freunden und Familie und das Gefühl, beim Filmereignis dabei zu sein, manchmal mehr als der Film selbst.

Kinepolis setzt deshalb auf das Konzept der Premiumisierung: IMAX, ScreenX und Laser Ultra sollen Bild und Ton aufwerten, hochwertige Sitzkonzepte den Komfort steigern. Im ersten Halbjahr wurde im niederländischen Breda das erste Kinepolis-Kino vollständig mit Liegesesseln ausgestattet. In Brüssel eröffnete die Gruppe den einzigen IMAX-70-mm-Kinosaal der Benelux-Länder.

Die wirtschaftliche Idee dahinter: Ein besseres Erlebnis kann höhere Ticketpreise rechtfertigen und zusätzliche Umsätze fördern. Verdient Kinepolis je Gast mehr, muss nicht jeder Ergebniszuwachs aus zusätzlichen Besuchern kommen. Weil die Fixkosten nicht im gleichen Verhältnis steigen, können wachsende Erlöse überproportional auf das operative Ergebnis durchschlagen. Ob dieser Hebel langfristig aufgeht, muss sich in Zukunft allerdings noch zeigen. 

Aktie im Aufwind 

An der Börse wird die operative Erholung bereits honoriert. Nach einer starken Abwärtsbewegung seit 2022 hat sich die Aktie seit ihrem Tief im März mehr als verdoppelt. Mit rund 110 Prozent Kursgewinn ist ein Teil der besseren Perspektiven damit zwar bereits eingepreist. Dennoch ist die Aktie mit einem KGV von 16,5 noch moderat bewertet. 

Fazit

Ein attraktiveres Filmangebot, mehr Gäste und die US-Expansion haben im ersten Halbjahr die lange erhoffte operative Erholung für Kinepolis gebracht. Gelingt es dem Unternehmen, aus dem Kinobesuch ein Erlebnis zu machen, für das das Publikum mehr bezahlt, dürfte aus der neuen Kinobegeisterung der jungen Generation eine nachhaltige Ertragserholung werden. 

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