Nach dem Ausverkauf bei KI-Aktien wächst der Druck auf Nvidia-Chef Jensen Huang. Bei der GTC in Berlin könnte er neue Fantasie entfachen. Auf welche Ankündigungen Anleger besonders achten.

„Keine zweite Chance.“ Mit diesen drastischen Worten appellierte Nvidia-CEO Jensen Huang beim gestrigen Invest in Germany Summit an die deutsche Industrie, die Chancen durch KI nicht verstreichen zu lassen. Deutschland habe nach Ansicht von Huang hervorragende Ausgangsbedingungen, um Künstliche Intelligenz in seine Produktionsprozesse zu integrieren. In einem gemeinsamen Pressestatement kündigten Bundeskanzler Friedrich Merz und Jensen Huang passend dazu weitreichende Investitionen und Partnerschaften an. Vom 20. bis zum 22. Oktober folgt nun die mit Spannung erwartete Nvidia GTC in Berlin. Die Veranstaltungen könnten nicht nur zu einer Art KI-Initialzündung für Deutschland und Europa werden, sondern auch einen neuen Kurskatalysator für die zuletzt angeschlagene Nvidia-Aktie liefern.

Europäische KI-Souveränität

Ein zentraler Schwerpunkt des Invest in Germany Summit sowie der Nvidia GTC liegt darauf, den Ausbau der europäischen KI-Infrastruktur voranzutreiben. Der alte Kontinent solle sich beim Thema KI nicht von den USA oder China abhängig machen.

Bereits vergangene Woche gab es Gerüchte, dass die Bundesregierung den KI-Ausbau mit mehreren Hundert Millionen Euro fördern könnte. Im Pressestatement vom Montag wurde diese Zahl zwar nicht bestätigt, allerdings unterzeichneten Nvidia und die Bundesregierung eine gemeinsame Absichtserklärung. Kern der Vereinbarung ist die gemeinsame Entwicklung spezialisierter KI-Modelle für industrielle Anwendungen sowie der Einsatz von KI in Robotern, autonomen Fahrzeugen und anderen physischen Anwendungen.

Zudem kündigte Nvidia vier neue Investitionen in deutsche Startups an, darunter:

• Agile Robots: Industrieroboter und humanoide Roboter für Fertigung, Logistik und Gesundheitswesen

• Avelios Medical: KI-gestützte Krankenhaussoftware

• Mirelo: Generative KI für Audio, Sprache und Musik in Videos

• Reflex Aerospace: Entwicklung und Produktion von Satelliten

Im Zuge der GTC dürften zahlreiche weitere Ankündigungen zu neuen Partnerschaften folgen. Für Nvidia könnte sich damit mittel- und langfristig ein weiterer bedeutender Absatzmarkt jenseits der großen US-Hyperscaler erschließen.

Physische KI als Chance für Nvidia und Deutschland

Neben der europäischen KI-Souveränität liegt ein weiterer Schwerpunkt der Nvidia GTC auf Physical AI – also dem Einsatz von KI in der physischen Welt. Dazu gehören intelligente Industrieroboter und autonome Fahrzeuge, die ihre Umgebung wahrnehmen, verstehen und mit ihr interagieren können.

Nvidia liefert hierfür die Technologien für Simulation, Training und Betrieb, insbesondere Omniverse, Cosmos, Isaac und Hyperion. Die Aufgabe der deutschen Industrie besteht darin, diese Technologien in ihre bestehenden Prozesse zu integrieren. Am Montag sagte Friedrich Merz dazu: „Wir sind fest entschlossen, einer der fortschrittlichsten Standorte der Welt zu werden, nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit, um mit KI zu arbeiten und KI in unsere Industrie zu integrieren.“

Bereits am Montag stellten Nvidia und Siemens ihre Fortschritte beim Einsatz von KI im Elektronikwerk Erlangen vor. Das Werk soll künftig als Blaupause für autonome Fabriken dienen. Laut einer Pressemitteilung von Siemens sank der Engineering-Aufwand bei der Vorbereitung der Produktion neuer Leiterplatten durch KI um bis zu 85 Prozent. Die Markteinführungszeit verkürzte sich um bis zu 40 Prozent. Zudem seien durch agentenbasierte Produktionsplanung Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent möglich. Bereits heute sind im Werk Erlangen mehr als 100 KI-Algorithmen im Einsatz.

Zusätzlich erklärte Siemens-Vorstand Cedrik Neike laut dpa, dass sich der Automatisierungsgrad von heute etwa 30 bis 40 Prozent mithilfe von KI künftig auf 70 bis 80 Prozent erhöhen lassen könnte.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Künstliche Intelligenz bereits heute einen realen wirtschaftlichen Nutzen bietet, die Möglichkeiten aber noch lange nicht ausgeschöpft sind. Für Nvidia könnte die tiefe Integration seiner Technologien in industrielle Prozesse zu einem langfristig starken Wettbewerbsvorteil werden, auch wenn der Umsatzbeitrag kurzfristig noch begrenzt bleiben dürfte.

Alle Augen auf Jensen Huang

Der Höhepunkt der GTC ist die zweistündige Keynote von Nvidia-Gründer Jensen Huang am Mittwoch, den 21. Oktober, von 11 bis 13 Uhr. Nach dem starken Abverkauf der KI-Aktien in der vergangenen Woche dürften seine Worte noch aufmerksamer verfolgt werden als sonst.

Auch wenn bislang keine Informationen zu den konkreten Schwerpunkten seiner Rede bekannt sind, dürfte er versuchen, die Märkte zu beruhigen. Die üblichen Floskeln à la „Wir stehen erst am Anfang der KI-Revolution“ werden den Anlegern angesichts der ausgesprochen schlechten Stimmung vermutlich nicht genügen. Das weiß auch Jensen Huang.

Allerdings hätte er einige Möglichkeiten, die Stimmung wieder ins Positive zu drehen. Beispielsweise könnte er die Prognose für das Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2028 anheben, die bereits bei 70 Prozent liegt. Denkbar wären auch Aussagen zur mittelfristigen Entwicklung des KI-Marktes, im Idealfall mit konkreten Zahlen zum Marktvolumen. Ebenso könnten neue große Partnerschaften oder Aufträge für positive Impulse sorgen.

Was Huang tatsächlich verkünden wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Seine Keynote könnte in dieser entscheidenden Marktphase zu einem wichtigen Kurskatalysator werden – in beide Richtungen. Anleger sollten die Nvidia GTC und insbesondere die Rede von Jensen Huang daher genau im Auge behalten.

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Häufig gestellte Fragen:

Wann findet die Nvidia GTC in Berlin statt?

Die Nvidia GTC findet vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Berlin statt. Höhepunkt ist die zweistündige Keynote von Nvidia-Chef Jensen Huang am 21. Oktober von 11 bis 13 Uhr.

Welche Themen stehen bei der Nvidia GTC im Mittelpunkt?

Im Fokus stehen der Ausbau der europäischen KI-Infrastruktur, neue Partnerschaften mit der Industrie sowie Physical AI, insbesondere intelligente Roboter, autonome Fahrzeuge und automatisierte Fabriken.

Könnte die Nvidia GTC die Aktie wieder nach oben treiben?

Neue Großaufträge, optimistische Wachstumsprognosen oder überraschende Partnerschaften könnten der angeschlagenen Nvidia-Aktie neuen Auftrieb geben. Enttäuschte Erwartungen könnten jedoch weiteren Verkaufsdruck auslösen.

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Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.