Nvidia übernimmt die KI-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden US-Dollar und bei einem Jahresumsatz von zuletzt gut 150 Millionen US-Dollar. Warum diese Plattform so wertvoll ist – und welche Zielgruppe sich Nvidia damit erschließt.
„Hugging Face“ – das klingt wie ein kurioses Start-up. Der Name bedeutet übersetzt „umarmendes Gesicht“ und ist von dem entsprechenden Emoji abgeleitet, das wir vermutlich alle schon einmal auf WhatsApp verwendet haben.
Nvidia lässt sich nun eben dieses Hugging Face 12,9 Milliarden Dollar kosten – obwohl die Plattform zuletzt gerade mal hochgerechnet 150 Millionen Dollar Jahresumsatz gemacht hat. Nvidia zahlt also ungefähr das 80-Fache des Umsatzes.
Warum?
Was Hugging Face eigentlich ist
Wer Hugging Face als irgendein Start-up abtut, unterschätzt die dahinterstehende Plattform gewaltig. Sie ist mittlerweile eines der wichtigsten Schaufenster der Szene für offene KI-Modelle, Datensätze und Entwickler-Workflows.
Hugging Face ist keine klassische Softwarefirma. Sie bietet kein fertiges Produkt, sondern ist eher eine Drehscheibe für das KI-Ökosystem. Entwickler und Unternehmen können dort Modelle, Datensätze und Anwendungen veröffentlichen, danach suchen und sie anpassen. Die Plattform verdient an Abos und an der Bereitstellung von Rechenleistung und Speicher. Das macht sie für Nvidia so interessant: Wer eine Plattform wie Hugging Face kontrolliert, sitzt näher an den Workloads, die am Ende auf den GPUs laufen, und erkennt so zum Beispiel den Bedarf und die Anforderungen künftiger KI-Modelle frühzeitig – bevor sie skalieren.
Hugging Face ist bisher ein privat gehaltenes Unternehmen. Es wurde 2016 in New York von den französischen Unternehmern Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf gegründet. Anfangs war Hugging Face eine Art Chatbot-App für Teenager. Deshalb wurde auch das Emoji zum Firmenlogo. Erst später wandte man sich Open-Source-Modellen zu und entwickelte sich zur Tech-Plattform.
Nach einem Bericht von Heise.de wollte Nvidia bereits Ende 2025 mit 500 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von sieben Milliarden US-Dollar einsteigen, wurde aber abgelehnt. Offenbar war die Sorge vor dem zu großen Einfluss eines einzelnen Investors groß. Jetzt kommt Nvidia fast ein Jahr später doch noch zum Zug.
GitHub, Cursor, Hugging Face
Um offene Plattformen, auf denen KI-Modelle getestet, geteilt und gemeinsam verbessert werden, ist seit einigen Monaten ein regelrechter Kampf ausgebrochen. Erst im Juni kaufte SpaceX in einem Aktiendeal die Entwickler-Plattform Cursor für 60 Milliarden Dollar. GitHub, unter anderem bekannt als Sandbox für ChatGPT-Modelle, gehört schon seit 2018 zu Microsoft und wäre vermutlich ähnlich viel wert.
Sind diese Plattformen alle gleich? Was unterscheidet sie?
Tatsächlich darf man sie nicht in einen Topf werfen, weil sie in der KI-Welt unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
• GitHub ist vor allem die Standardplattform für Code-Hosting, Zusammenarbeit, Versionskontrolle und offene oder private „Repositories“; das sind digitale Ordner, die nicht nur die aktuellen Dateiversionen enthalten, sondern auch die gesamte Änderungshistorie. Dort ist vermerkt, wer wann welche Änderung an einer Datei oder einem Code vorgenommen hat.
• Cursor ist dagegen ein KI-gestützter Code-Editor: ein Werkzeug, in dem Entwickler direkt schreiben und refaktorieren, also bestehenden Programmcode so umstrukturieren, dass er lesbarer, verständlicher und leichter zu warten ist.
• Hugging Face ist ein Modell- und Daten-Ökosystem rund um KI-Anwendungen; eine Plattform, auf der Modelle nicht nur gespeichert, sondern auch verbreitet, getestet und oft hardware-nah optimiert werden.
Alle drei Plattformen sind Eintrittstore zu den KI-Entwicklern: GitHub verwaltet Code, Cursor beschleunigt das Schreiben von Code, Hugging Face organisiert KI-Modelle und deren Nutzung.
Alle drei Ebenen sind für Nvidia strategisch wichtig. Auf GitHub tummeln sich die Software-Entwickler, Cursor ermöglicht den KI-gestützten Arbeitsfluss und Hugging Face steht für die Modellwelt. Wer in allen drei präsent ist, sichert sich früh den Zugriff auf die nächste Generation von Entwickler- und KI-Workloads.
Wer noch mitspielt
Darüber hinaus gibt es weitere Angebote – und manche könnten für Nvidia ähnlich interessant sein wie Hugging Face. Auf der Entwicklerseite konkurrieren Plattformen wie GitLab, Codeberg oder eigene Unternehmenslösungen um die künftigen Code-Workflows, also um die Frage, in welchem Code künftige KI-Modelle geschrieben werden: in Nvidias Programmiersprache Cuda oder einer anderen? Und welche Hardware sie dafür ansprechen: GPUs von Nvidia oder Chips der Konkurrenz?
Im sogenannten KI-Tooling treten zudem Replit, Bolt.new, Windsurf und andere agentische Entwicklungsumgebungen gegeneinander an.
Dieser Markt ist also noch nicht verteilt. Aber Nvidia und SpaceX haben mit ihren Milliarden-Zukäufen zuletzt klare Zeichen gesetzt.
Hugging Face ist kein direkter Ersatz für GitHub oder Cursor, sondern eine eigene Schicht in der KI-Wertschöpfung. GitHub ist die Codebasis, Cursor die interaktive Arbeitsumgebung, Hugging Face die Modell- und Deploymentwelt.
Ein smarter Schritt
Für Nvidia ist der Kauf von Hugging Face ein schlauer Schachzug, denn er hat einen ganz banalen Grund: sicherzugehen, dass der Chipkonzern auch bei der sich abzeichnenden Open-Source-Welle in der KI eine zentrale Rolle spielen wird – und seine Spitzenposition damit auch in einem offenen KI-Ökosystem verteidigen kann.
Damit denkt Nvidia-Boss Jensen Huang wieder einmal weit voraus. Auch wenn der Kaufpreis teuer erscheint: Nvidia hat aktuell so viel Geld, dass es Zukäufe wie Hugging Face leicht stemmen kann. Doch jede dieser Akquisitionen macht den Burggraben um das Nvidia-Modell tiefer – und für die Konkurrenz unüberwindbar.
Wenn Sie jetzt schon in dei zweite Technologiewelel rund um KI investieren wollen, dann lohnt sich ein Blick auf den BÖRSE ONLINE Next Generation Silicon Index.
Häufige Fragen
Ist der Kauf von Hugging Face für Nvidia teuer?
Nvidia zahlt 12,9 Milliarden US-Dollar für einen hochgerechneten Jahresumsatz von zuletzt gut 150 Millionen US-Dollar - also das 80-fache des Umsatzes. das ist sehr teuer. Aber Nvidia kann es sich leisten, denn der Chipkonzern schwimmt derzeit in Geld.
Was macht Hugging Face?
Hugging Face ist ein Modell- und Daten-Ökosystem rund um KI-Anwendungen; eine Plattform, auf der Modelle nicht nur gespeichert, sondern auch verbreitet, getestet und oft hardware-nah optimiert werden.
Wer sind Konkurrenten von Hugging Face?
Direkte Konkuurenten für dieselbe Aufgaben gibt es nicht - aber ähnliche. Neben GitHub udn Cursor konkurreirem auf der Entwicklerseite Plattformen wie GitLab, Codeberg oder eigene Unternehmenslösungen um die künftigen Code-Workflows, also um die Frage, in welchem Code künftige KI-Modelle geschrieben werden.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.