Bentley bringt mit dem Torcal sein erstes Elektroauto auf den Markt. Der Luxus-SUV kostet weniger als die Hälfte des Ferrari Luce – und wird damit zum Testfall für die Elektrostrategie von Volkswagen, Ferrari und Porsche.
Die Preisschlacht bei Elektroautos erreicht nun offenbar auch das Luxussegment. Die VW-Tochter Bentley verlangt für den neuen Torcal in Großbritannien 173.000 Pfund, das sind umgerechnet rund 201.000 Euro. Ferrari setzt seinen ersten vollelektrischen Wagen Luce dagegen mit 550.000 Euro an. Damit kostet der Bentley weniger als die Hälfte des Ferrari. Der Vergleich bezieht sich auf die genannten Einstiegspreise; Wechselkurse und lokale Steuern können die tatsächlichen Preise verändern.
Hinzu komt, das der direkte Preisvergleich etwas hinkt: Der Torcal ist ein großes SUV und soll das Einstiegsmodell der Bentley-Palette werden. Der Luce ist Ferraris erster Fünfsitzer und markiert für die Italiener einen deutlich exklusiveren Schritt in das Elektrozeitalter. Dennoch lässt der Preisabstand aufhorchen.
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Luxus-SUV bietet 600 Kilometer Reichweite
Der Torcal ist Bentleys erstes vollelektrisches Fahrzeug in der 107-jährigen Unternehmensgeschichte. Der Luxus-SUV soll bis zu 600 Kilometer Reichweite bieten und in weniger als drei Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde beschleunigen. Produziert wird er im britischen Crewe, wo Volkswagen zuletzt rund 350 Millionen Pfund in den Standort seiner Tochtermarke investiert hat.
Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser sieht trotz der harschen Kritik an dem E-Auto-Vorstoß bei Ferrari eine wachsende Akzeptanz elektrischer Fahrzeuge auch bei wohlhabenden Kunden. Man versuche, die technischen Vorteile des Elektroantriebs mit klassischen Luxusmerkmalen zu verbinden – dazu gehört bei Bentley, wie zuvor schon bei Porsche, auch ein künstlicher Motorsound.
Bloomberg berichtet, Bentley wolle mit dem Modell jüngere Käufer und Kunden gewinnen, die erstmals zur Marke kommen. Der Torcal soll also den Kundenkreis erweitern. Auch das erklärt den vergleichsweise niedrigen Preis.
Der Ferrari Luce ist schon ausverkauft
Ferrari verfolgt einen anderen Ansatz. Der Luce wurde im Frühjahr zu einem Preis von 550.000 Euro vorgestellt. Das Modell bietet fünf Sitzplätze und eine Reichweite von rund 530 Kilometern, ist aber vor allem ein Signal an den Markt: Ferrari will elektrische Antriebe als Teil der eigenen Markenwelt positionieren.
Nach der Vorstellung des Luce reagierten Fans und Analysten teilweise sehr kritisch auf das stark veränderte Design, der Kurs der Ferrari-Aktie fiel sogar um mehr als acht Prozent. Doch mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt: Der Luce ist für 2026 bereits ausverkauft. Allerdings hat Ferrari die Stückzahl mit 500 auch knapp bemessen.
Der Konzern braucht keine großen Stückzahlen wie ein Volumenhersteller. Schon eine begrenzte Nachfrage kann bei einem hohen Preis profitabel sein.
Prüfstein auch für Porsche
Von einer echten Preisschlacht zwischen Bentley und Ferrari zu sprechen, wäre deshalb verfrüht, weil beide Unternehmen auf unterschiedliche Segmente des Luxusmarktes zielen. Doch die Konkurrenz sieht genau hin, ob das Experiment auch bei Bentley aufgeht: Porsche, Lamborghini und andere Sportwagenhersteller hatten ihre Elektropläne zuletzt zurechtgestutzt. Der Torcal nutzt laut Unternehmensangaben technische Grundlagen aus dem Volkswagen-Konzern und teilt seinen Unterbau mit dem elektrischen Cayenne, der ebenfalls bald auf den Markt kommen soll. Lamborghini hat den Zeitplan für sein erstes reines Elektroauto dagegen nach hinten verschoben.
Doch gerade bei Sport- und Luxuswagen scheint der Schritt in die Elektromobilität noch ein großes Risiko zu sein: So berichtete Bloomberg, dass die Auslieferungen für den Rolls-Royce Spectre im ersten Halbjahr 2026 deutlich zurückgegangen seien. Angesichts der gewohnt dicken Margen bei den Luxuslimousinen fehlen da schnell einige Millionen Euro Ergebnis.
Wichtiges Signal auch für VW-Aktionäre
Auch für den Volkswagen-Konzern insgesamt ist der Torcal ein wichtiger Test. Bentley gehört zur Premium-Gruppe des Konzerns und soll gemeinsam mit Audi, Lamborghini und Porsche überdurchschnittliche Renditen liefern. Bei Porsche ging der erste Schuss im E-Auto-Zeitalter mit dem elektrischen Macan jedoch schief: Das Modell erreicht nicht ansatzweise die Absatzzahlen seines Verbrenner-Vorgängers.
Bentley peilt für den Torcal eine zweistellige Umsatzrendite an. Auch das wäre in der aktuellen Erlössituation bei VW eine Ausnahme. Doch bis der VW-Konzern mit dem Fahrzeug Gewinne schreibt, dürfte es dennoch noch lange dauern: Die Entwicklung des Modells soll laut Bloomberg mehr als eine Milliarde Pfund gekostet haben.
Porsche wiederum könnte vom Torcal für seinen elektrischen Cayenne lernen. Er ist konzernintern das wichtigste Vergleichsmodell. Nach dem etwas enttäuschenden Verkaufsstart des Macan muss der Cayenne beweisen, dass auch Porsche bei seinen Kunden Begeisterung für E-Autos wecken kann.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..