Die Abschwächung der Margen drückte zuletzt auf die Stimmung der Anleger. Da diese saisonal bedingt ist und das starke Weihnachtsgeschäft bereits vor der Tür steht, bietet der Rücksetzer der Aktie Einstiegschancen.
Nach dem dynamischen Zwischenspurt im Sommer konsolidiert die Tonies-Aktie aktuell auf erhöhtem Niveau. Auch die Ergebnisse für das zweite Quartal, die das Unternehmen vor gut drei Wochen vorgelegt hat, konnten den Kurs nicht beflügeln. Die Notierung kämpft weiter mit der Zwölf-Euro-Marke. Anleger stießen sich beim Zahlenwerk insbesondere an der saisonal bedingten Margenabschwächung. Im ersten Halbjahr kletterte der Konzernumsatz währungsbereinigt um 41 Prozent auf 242,9 Millionen Euro — angesichts eines Kurs-Umsatz-Verhältnisses von über zwei ist das Wachstum als moderat einzustufen. Das zweite Quartal zeigte mit einem Erlösplus von 49 Prozent auf 117,3 Millionen Euro jedoch bereits wieder eine stärkere Dynamik. Das bereinigte Ebitda fiel im ersten Halbjahr allerdings auf 0,7 Prozent der Erlöse nach 2,1 Prozent im Vorjahr. Der erhebliche Vorratsaufbau für das vierte Quartal belastete zudem den freien Cashflow mit minus 64,3 Millionen Euro. Die phasenweise eingeführten US-Importzölle drückten die Rohmarge im ersten Halbjahr von 70,9 auf 64,3 Prozent. Der operative Hebel glättet diesen Effekt auf Konzernebene jedoch etwas. In Nordamerika schoss der Umsatz im ersten Halbjahr währungsbereinigt um 57 Prozent nach oben, im zweiten Quartal sogar um 85 Prozent auf 104,3 Millionen Euro. Trotz der Zollbelastung behauptete sich die operative US-Ebitda-Marge bei 1,3 Prozent. Die DACH-Region lieferte mit einer Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 24,4 Prozent das finanzielle Fundament für den US-Hochlauf. Effizienzgewinne in der Logistik fangen die höheren Einfuhrabgaben außerdem auf. Zudem verlagert das Management Fertigungskapazitäten nach Südostasien, um das China-Klumpenrisiko und die effektive Zollsatzbelastung systematisch zu senken. Als wesentlicher Stützpfeiler der Profitabilität erweist sich der sogenannte Software-Attachment-Buffer. Einem Anstieg der Hardwareverkäufe um 65 Prozent folgt zeitversetzt eine Welle hochmargiger Content-Nachkäufe. Während die Zölle primär die physische Einfuhr der Toniebox 2 verteuern, weisen die nachgelagerten Figurenkäufe deutlich geringere Fracht- und Zollkosten auf. Dieser Effekt sollte im zweiten Halbjahr seine volle Wirkung entfalten und die Konzernmarge anheben.
Stark in der Fläche
Außerdem sollte im späten dritten und vierten Quartal der Skalierungshebel im US-Einzelhandel greifen. Das Unternehmen ist in über 6.000 Einzelhandelsgeschäften vertreten und belegt die Spitzenposition im Segment der Vorschulspielwaren. Bei Target wuchs Tonies’ Regalfläche zuletzt um 50 Prozent. Neben der Präsenz in nahezu allen Walmart-Filialen sichern exklusive Produkt-Bundles die Regalprominenz im Jahresendgeschäft. Da der Konzern über 80 Prozent seines Jahresgewinns im vierten Quartal erwirtschaftet, sollte der bevorstehende Abverkauf die aufgebauten Vorräte rasch in Liquidität umwandeln.
Fazit
Die im Jahresvergleich beschleunigte US-Expansion und die bevorstehende Margenerholung durch Content-Verkäufe im Weihnachtsgeschäft machen die Tonies-Aktie aus Sicht von BÖRSE ONLINE weiterhin zum Kaufkandidaten.