Morgan Stanley hält einen letzten Kursrücksetzer für wahrscheinlich, bevor es wieder aufwärtsgeht. Chefstratege Mike Wilson sieht darin eine Kaufgelegenheit.
Nach einem holprigen Börsenjahr fragen sich viele Anleger, wie tief die Kurse vor der nächsten Erholung noch fallen können. Morgan-Stanley-Chefstratege Mike Wilson erwartet einem “Bloomberg”-Interview zufolge vor dem nächsten Kursanstieg einen weiteren Rückgang des S&P 500 auf rund 7.100 Punkte. Das wäre etwa neun Prozent unter dem jüngsten Rekordhoch. Danach sieht er den Index bis zum Jahresende wieder bei 8.000 Punkten. Für Anleger heißt das: Die Korrektur könnte noch nicht vorbei sein, aber sie könnte eher eine Einstiegschance bieten als das Ende des Bullenmarkts sein.
Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App auf iOS oder Android herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.
Das Szenario in Zahlen: Wie stark soll die Börse fallen?
In der vergangenen Woche schloss der S&P 500 bei rund 7.580 Punkten. Von dort sind es bis 7.100 Punkte etwa sechs Prozent Abschlag, bis 8.000 Punkte knapp sechs Prozent Aufschlag. Vom möglichen Tiefpunkt aus wären es fast 13 Prozent bis zum Jahresendziel.
Die 200-Tage-Linie liegt bei rund 7.310 Punkten. Das Niveau von 7.100 Punkten liegt etwas darunter und gilt damit als technisch wichtige Unterstützungszone. Ein Rutsch dorthin würde den Aufwärtstrend erstmals ernsthaft infrage stellen.
Tipp: Wenn Sie auf der Suche nach sicheren Aktien sind, dann sollten Sie unbedingt einen Blick auf den BÖRSE ONLINE Stabile Werte Index werfen.
S&P 500: Drei Auslöser für den Rückschlag
Wilson nennt drei sogenannte "Clearing Events", also Ereignisse, die den Markt bereinigen könnten:
1. Die Zwischenwahlen. Die US-Midterms finden am 3. November statt. Historisch belasten Wahljahre die Aktienmärkte, doch Wilson verweist auf eine Morgan-Stanley-Auswertung: Seit 1950 lag der S&P 500 sechs und zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl im Plus. Er räumt aber ein, dass die Zeit von November bis Jahresende nicht immer positiv war, 2018 ist dafür ein Beispiel. Mit kurzfristiger Volatilität nach dem Wahltag ist also zu rechnen. Besonders relevant ist laut Wilson ein deutlicher Sieg der Demokraten: Das könnte zu strengeren Regeln oder einer Bremse beim Ausbau von Rechenzentren führen.
2. Zweifel an den KI-Ausgaben. Die großen Technologiekonzerne investieren Milliarden in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Ob sich diese Ausgaben auszahlen, ist offen. Wilson hält die Welle an Aktien- und Anleiheemissionen für KI und Übernahmen zwar für verkraftbar, solange die Wirtschaft kräftig wächst. Höhere Finanzierungskosten treffen aber zuerst Unternehmen mit dünner Kapitaldecke.
3. Knappe Liquidität. Wilson nennt die Liquidität als wichtigsten Faktor: "Von allen Sorgen ist Liquidität das größte Risiko und der letzte Katalysator, der einen Marktboden bildet." Steigende Renditen und straffere Finanzierungsbedingungen könnten die Kurse zusätzlich drücken, falls sie länger anhalten als erwartet.
Die Korrektur läuft schon seit Monaten
Wilson betont, dass die eigentliche Korrektur schon seit Monaten im Gange ist, nur unter der Oberfläche. Laut einer Morgan-Stanley-Kundennotiz liegen rund 84 Prozent der Indexwerte bereits mindestens zehn Prozent unter ihren Hochs. Die Breite des Rückgangs spricht also dafür, dass ein großer Teil des Marktes schon bereinigt wurde, auch wenn der Index selbst lange stabil wirkte.
Wilson sieht die Korrektur damit in ihrer späten Phase. Der Iran-Krieg habe die US-Aktien das ganze Jahr über belastet, doch sobald die Korrektur ende, werde der Bullenmarkt weitergehen, so Wilson laut “Bloomberg”. Ein Teil des Widerstands gegen Rechenzentren könnte nach den Wahlen nachlassen.
Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Sie ihr Geld am besten anlegen können, dann kann sich ein Probeabo von BÖRSE ONLINE für Sie lohnen.
Häufige Fragen
Warum erwartet Mike Wilson vor der Erholung noch einen Rückgang?
Wilson nennt drei Auslöser: die US-Zwischenwahlen am 3. November, Zweifel an den hohen KI-Ausgaben der Technologiekonzerne und eine knapper werdende Liquidität. Nach seiner Einschätzung läuft die Korrektur seit Monaten unter der Oberfläche des Marktes, und die Ereignisse könnten sie noch bis etwa 7.100 Punkte vertiefen.
Wie verlässlich ist das historische Wahljahresmuster?
Laut einer Morgan-Stanley-Auswertung lag der S&P 500 seit 1950 sechs und zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl im Plus. Wilson weist jedoch darauf hin, dass die Entwicklung von November bis Jahresende nicht immer positiv war, 2018 ist dafür ein Beispiel. Zudem könnten der Iran-Krieg und die unklare Regierungspolitik das Muster diesmal verändern.
Welche Rolle spielt der Iran-Krieg für die Prognose?
Wilson sieht den Konflikt als Unsicherheitsfaktor, der die US-Aktien in diesem Jahr bereits belastet hat. Er zählt ihn nicht zu den drei zentralen Auslösern des Rückschlags, nennt ihn aber als Wildcard, die das historische Wahljahresmuster verkomplizieren könnte. Seine Grundannahme bleibt, dass der Bullenmarkt nach Ende der Korrektur auch trotz des Konflikts weiterläuft.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.