Starke Zahlen, die Expansion nach Serbien und eine mögliche Erholung des Cashflows sprechen für diese SDAX-Aktie. Dazu kommt eine interessante charttechnische Konstellation
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 16. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 39/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Wer schon einmal an einem Samstagvormittag durch einen Hornbach-Baumarkt geschoben wurde, kennt das Gefühl: riesige Hallen, randvolle Regale, ein großes Sortiment und vergleichsweise günstige Preise. Kunden von Hornbach sind vor allem ambitionierte private Handwerker und Handwerksbetriebe. Mit genau diesem simplen Prinzip hat sich die Pfälzer Familienfirma aus Bornheim über Jahrzehnte zu einem der größten Baumarktkonzerne Europas hochgearbeitet. Trotz schwächelnder Baukonjunktur lohnt sich ein genauerer Blick auf die Aktie. Aktuell notiert die Notiz der Hornbach Holding bei 85,40 Euro. In den vergangenen drei Monaten legte der Titel bereits um mehr als zwölf Prozent zu.
Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 kletterte der Umsatz um 7,3 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit legte um 12,8 Prozent auf 124,6 Millionen Euro zu. Beide Werte liegen über den Konsensschätzungen der Analysten. Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz um sechs Prozent, das bereinigte Ebit um knapp fünf Prozent. Zusätzliche Verkaufstage und sommerliche Nachfrage nach Kühlung, Bewässerung und Baustoffen halfen dabei, doch auch bereinigt bleibt die Entwicklung solide.
Trotz des starken Zwischenspurts bestätigte das Management nur die Jahresprognose, statt sie anzuheben. Eine klassisch konservative Guidance, die erst die saisonal entscheidenden Monate abwarten will. Setzt sich die Dynamik fort, ist zum Jahresende eine positive Überraschung möglich.
Bemerkenswert ist die Konsequenz, mit der die Familie ihr Geschäftsmodell nach vorne trägt. Neun europäische Länder sind es aktuell, mit Serbien soll das zehnte dazukommen. In Rumänien betreibt Hornbach inzwischen elf Märkte und hat dort gelernt, das eigene Format, also große Flächen, Projektfokus, Everyday-Low-Price-Strategie, auf einen weniger gesättigten Markt zu übertragen. Dieses Rezept soll nun in Serbien wiederholt werden, wo der großflächige DIY-Handel noch in den Kinderschuhen steckt und der Wettbewerb laut Unternehmensangaben minimal ist. Bis dort die Umsätze fließen, dauert es jedoch noch etwas: Die erste Filiale soll erst Ende 2027 öffnen, vorher fallen Kosten für Grundstücke, Personal und Aufbau an. Auch die Logistik muss aufgebaut, das Sortiment an lokale Bedürfnisse angepasst und zunächst ein Kundenstamm gewonnen werden. Im Erfolgsfall entwickelt sich die Expansion ähnlich wie einst in Rumänien mit mehreren Standorten rund um Belgrad und hoher Flächenproduktivität. Der entscheidende Vorteil wäre dann nicht nur zusätzlicher Umsatz, sondern die frühe Positionierung in einem Markt, in dem ein großer, professioneller Anbieter noch vergleichsweise wenig Konkurrenz hat. Aus einer anfänglichen Belastung für den Cashflow könnte so ein langfristiger Wachstumsmotor werden. Auch in anderen Ländern geht Hornbach voran: Im April öffnete eine Filiale in Trnava in der Slowakei, für das dritte Quartal sind Märkte in Graz und im niederländischen Beuningen geplant.
„Wir bekennen uns zur familiengeführten Zukunft der Gruppe.“
Solide Bilanz, günstige Bewertung
Ein kleinerer, aber möglicher zusätzlicher Hebel könnte aus der Krise der Konkurrenz entstehen. Die Hellweg-Gruppe, zu der auch Baywa Bau & Garten gehört, hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Zuletzt verfügte sie in Deutschland über 68 Hellweg- und 46 Baywa-Bau-&-Garten-Standorte. Ein Teil der Märkte soll von Wettbewerbern übernommen werden, andere dürften geschlossen werden. OBI hat bereits die Übernahme mehrerer Standorte angekündigt, auch Bauhaus zeigt Interesse. Für Hornbach könnten einzelne Standorte interessant sein, wenn Grundstück, Einzugsgebiet und Modernisierungsbedarf zum großflächigen Hornbach-Format passen.
Rund 62 Prozent der DIY-Verkaufsflächen befinden sich im Eigentum des Konzerns. Das reduziert das Mietrisiko und dürfte stille Reserven bergen, die in den Büchern nicht sichtbar sind. Die Nettoverschuldung inklusive Leasing liegt bei rund 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro, das Verhältnis zum Ebitda bei überschaubaren 2,7. Für einen Handelskonzern mit eigenem Immobilienbestand ist das vertretbar. Dazu kommt eine stabile Dividende von rund 2,40 Euro je Aktie. Der freie Cashflow ist aktuell schwach, weil die Investitionen deutlich über den Abschreibungen liegen. Doch genau hier liegt der nächste Hebel: Läuft das Ausbauprogramm aus, sollte sich der freie Cashflow erholen. Von rund 47 Millionen Euro könnte er auf deutlich über 200 Millionen Euro klettern, sobald sich das Working Capital normalisiert. Vor Kurzem sicherte sich der Konzern ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro zur Anleiheablösung und kauft eigene Aktien fürs Mitarbeiterprogramm zurück.
Zudem ist für Kontinuität gesorgt: Zum 1. November übergibt Albrecht Hornbach den Vorsitz der Hornbach Management AG an Erich Harsch, der mit dem Konzern bestens vertraut ist. Gleichzeitig rücken die Neffen Jan und Nils Hornbach in den Vorstand auf. Die Kontrolle bleibt in der Familie, während operativ ein erfahrener Manager übernimmt. Die Übergabe ist langfristig geplant.
Wer lieber auf den Chart schaut, findet bei Hornbach gerade gute Argumente: Der 50-Tage-Durchschnitt hat sich zuletzt von unten kommend dem 200-Tage-Durchschnitt angenähert — klassische Zutaten für ein sogenanntes Golden Cross, also den Moment, in dem der kurzfristige Trend den langfristigen von unten nach oben kreuzt. Charttechniker feiern solche Kreuzungen gerne als Startschuss für eine nachhaltigere Aufwärtsbewegung. Kombiniert mit der spürbaren Erholung der vergangenen Wochen, liefert die Charttechnik der fundamentalen Bullenstory zumindest ein passendes Bild dazu: Der Boden scheint gefunden, die Richtung stimmt.
Fazit
Hornbach ist operativ solide, bilanziell stabil und verfügt mit dem eigenen Immobilienportfolio über ein Sicherheitsnetz. Serbien, mögliche Zukäufe insolventer Wettbewerber und eine anziehende Cashflow-Erholung liefern gleich mehrere potenzielle Kurstreiber, die der Markt noch nicht vollständig eingepreist hat. Risiken wie eine schwache Baukonjunktur oder Anlaufverluste in Serbien gibt es zwar. Doch überwiegen die Chancen deutlich. Der Titel ist mit einem KGV von 8,3 für 2027 moderat bewertet. Wir erhöhen den Stopp- und Zielkurs.