Michael Burry warnt vor einer Eruption am Aktienmarkt. Der antizyklische Investor bereitet sich auf einen langen Bärenmarkt vor.
An der Börse läuft es rund - der S&P jagt von Rekord zu Rekord, getrieben von der KI-Euphorie. Der antizyklische US-Investor Michael Burry bleibt aber skeptisch. Bekannt geworden ist er durch seine Wette gegen den Immobilienmarkt in der Finanzkrise, die ihn reich gemacht hat und im Film "The Big Short" dargestellt wird.
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Star-Investor: S&P-Rekordhoch mit schwacher Breite
Burry befürchtet auch jetzt wieder einen Rückgang. Er spricht von einem "Supervulkan" und sieht Parallelen zu den Jahren 2000 und 1966 bis 1982. Auf seinem Substack "Cassandra Unchained" schreibt er, dass der S&P 500 am 6. Oktober 2026 ein Rekordhoch erreicht hat. Dies sei aber wenig aussagekräftig, weil sich immer weniger Aktien an der Rally beteiligen. Er verweist auf zwei Kennzahlen:
- Bärenmarkt-Quote: Sie misst, wie viele Unternehmen im Index mindestens 20 Prozent unter ihrem Zehnjahreshoch notieren. Am 6. Oktober 2026 lag sie laut Burry bei 55 Prozent, nach 47 Prozent am Rekordtag des Index, dem 13. August 2026. Der Index stieg also weiter, während sich die Schwäche unter den Einzelwerten ausbreitete.
- Fresh Drawdown Ratio: Sie misst, wie breit die jüngste Kursschwäche im Index ist. Im Oktober 2026 lag sie bei 27 Prozent, im Höhepunkt der Dotcom-Blase im März 2000 war sie bei 53 Prozent.
Nur 15 Aktien des Index erreichten am 6. Oktober neue Hochs. Laut Burry gab es in den vergangenen vier Jahrzehnten nur einen weiteren Fall, in dem der S&P 500 auf einem Rekordstand notierte, während die Mehrheit seiner Titel bereits in einem Bärenmarkt steckte. Es handle sich jetzt wieder um einen "sehr schmalen Gipfel", fast so schmal wie im Jahr 2000. Die Lage sei zwar noch nicht so extrem wie damals, doch die Richtung beunruhige ihn.
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Warnung vor "Supervulkan": Burrys Erklärung
Burry vergleicht den Markt mit einem Vulkan. Bei jedem der zehn Marktgipfel der vergangenen 40 Jahre habe sich darunter eine Caldera aus Magma gebildet, während die Oberfläche noch ruhig wirkte. Als Ursachen nennt er:
- schrumpfende Marktbreite,
- Spekulation,
- überdehnte Bewertungen,
- zurückkehrende Inflation.
Seine Analyse stützt er auf rund 100 Jahre inflationsbereinigter Daten des S&P 500. Er erinnert an zwei Phasen, in denen Aktien über lange Zeit kaum vorankamen: 1929 bis 1949 mit einem Rückgang von 58 Prozent sowie 2000 bis 2011 mit minus 40 Prozent. Burry fürchtet nun auch eine lange Durststrecke. Die Erträge realer Anlagen könnten über 15 bis 20 Jahre schwach ausfallen.
Positionierung: Puts statt Leerverkäufe
Burry hat seine bärischen Wetten nach eigenen Angaben gebündelt. Er setzt auf Put-Optionen auf den Nasdaq-100 mit Laufzeit bis April 2027 und auf den VanEck Semiconductor ETF (SMH) mit Laufzeit bis Juni 2027. Der Vorteil von Puts liegt in der begrenzten Verlustgefahr. Der Nachteil: Die Optionen verlieren mit der Zeit an Wert, wenn der erwartete Rückgang ausbleibt.
Einordnung: Warum Vorsicht bei Burry angebracht ist
Burrys Analysen sind datenbasiert und in sich schlüssig. Trotzdem gibt es gute Gründe für Skepsis:
- Treffsicherheit: Eine Auswertung seiner früheren Warnungen kommt zu dem Schluss, dass nur drei von zwölf bärischen Einschätzungen mit tatsächlichen Kursrückgängen zusammenfielen. Vom Zeitpunkt seiner Warnungen stieg der S&P 500 zeitweise um bis zu 281 Prozent.
- Timing: Auch wenn Burry recht behält, sagt seine Warnung wenig über den Zeitpunkt aus. Wer aus Angst früh aussteigt, verpasst womöglich weitere Gewinne.
- Konzentration: Die Stärke des Index hängt stark von wenigen Technologiewerten ab. Genau das macht den Markt anfällig, spricht aber nicht zwingend für einen kurzfristigen Einbruch.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Burrys Warnung ist kein Anlass für Panikverkäufe, aber eine Risikoprüfung wäre durchaus sinnvoll:
- Klumpenrisiken bewerten: Wer in mehreren Fonds und ETFs stark in denselben Technologiewerten investiert ist, sollte Überschneidungen abbauen.
- Diversifikation: Breit gestreute Anlagen über Regionen und Branchen hinweg reduzieren das Risiko, dass eine einzelne Schwäche das Depot dominiert.
- Schrittweise Anpassung: Eine stufenweise Umschichtung ist in der Regel sinnvoller als eine schnelle Umstellung auf Basis einer einzelnen Prognose.
- Liquidität: Ein Puffer an verfügbarem Kapital hilft, in einer schwächeren Phase handlungsfähig zu bleiben.
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Häufige Fragen
Wer ist Michael Burry?
Der US-Investor wurde durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt in der Finanzkrise bekannt. Seine Marktkommentare veröffentlicht er unter anderem auf seinem Substack "Cassandra Unchained".
Was bedeuten Bärenmarkt-Quote und Fresh Drawdown Ratio?
Die Bärenmarkt-Quote zeigt den Anteil der Indexunternehmen, die mindestens 20 Prozent unter ihrem Zehnjahreshoch liegen. Die Fresh Drawdown Ratio misst, wie breit die jüngste Kursschwäche im Index ist. Beide Kennzahlen zeigen, wie viele Einzelwerte schwächeln, obwohl der Index selbst Rekorde erreicht.
Bedeutet Burrys Warnung, dass ein Crash bevorsteht?
Nicht zwingend. Burry erwartet vor allem eine lange Phase schwacher Renditen und keinen kurzfristigen Einbruch. Der Zeitpunkt bleibt offen, und seine früheren Warnungen haben sich nur teilweise bestätigt.