Die Allianz-Aktie eilt bei vergleichsweise geringer Volatilität von Rekord zu Rekord und hat den DAX 2026 deutlich hinter sich gelassen. Nach dem erstmaligen Sprung über 450 Euro stellt sich für Anleger zunehmend die Frage: Kaufen, Halten oder Verkaufen?
Während der DAX inklusive Dividenden seit Jahresbeginn über sieben Prozent und auf Zwölfmonatssicht mehr als acht Prozent gewonnen hat, kommt die Allianz-Aktie – selbst ohne Berücksichtigung ihrer Dividende – auf Kursgewinne von etwa 16 beziehungsweise 22 Prozent. Zuletzt markierte der Versicherer oberhalb von 450 Euro sogar ein neues Rekordhoch.
Warum sich die Allianz-Aktie besser entwickelt hat als der DAX
Die Outperformance kommt nicht von ungefähr. Das operative Geschäft entwickelt sich robust. Im ersten Halbjahr erhöhte sich das Geschäftsvolumen organisch um 4,3 Prozent auf 98,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 8,6 Prozent auf den Rekordwert von 9,4 Milliarden Euro zu. Der bereinigte Überschuss der Anteilseigner stieg sogar um 15,5 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie um 17,5 Prozent. Gleichzeitig erreichte die Solvency-II-Quote komfortable 225 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt die Allianz weiterhin ein operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro an, wobei eine Abweichung von einer Milliarde Euro nach oben oder unten einkalkuliert ist.
Unterstützt wird der Aktienkurs zudem durch umfangreiche Aktienrückkäufe. Im Februar kündigte die Allianz ein Programm von bis zu 2,5 Milliarden Euro an. Bis Ende Juni waren davon bereits 1,4 Milliarden Euro umgesetzt. Zwischen dem 17. und 21. August kamen weitere 241.631 Aktien hinzu. Rückkäufe verringern die Zahl der umlaufenden Papiere und erhöhen damit bei ansonsten unveränderten Bedingungen den Gewinn je Aktie.
Allianz-Bewertung: Teurer, aber nicht extrem
Für Anleger ist allerdings weniger entscheidend, wie gut die Aktie bislang gelaufen ist, sondern welche Erwartungen im aktuellen Kurs bereits enthalten sind. Hier mahnen die Bewertungskennzahlen zumindest zu etwas mehr Zurückhaltung.
Auf Basis der erwarteten Gewinne des kommenden Geschäftsjahres kommt die Allianz derzeit auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,6. Das liegt rund ein Drittel über dem Fünfjahresdurchschnitt von 10,2. Noch deutlicher fällt der Bewertungsaufschlag beim Kurs-Buchwert-Verhältnis aus: Mit 2,6 übertrifft es den fünfjährigen Mittelwert von 1,7 um rund 50 Prozent.
Eine starke Überbewertung lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. Zum einen war die Allianz in früheren Börsenphasen erheblich höher bewertet. Zum anderen steht dem gestiegenen Kurs eine hohe Ertragskraft gegenüber. Eine annualisierte bereinigte Eigenkapitalrendite von 20,7 Prozent im ersten Halbjahr unterstreicht, dass der Konzern sein Eigenkapital derzeit sehr profitabel einsetzt.
Hinzu kommt die Dividende. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 17,10 Euro je Aktie ausgeschüttet. Bezogen auf Kurse um 450 Euro entspricht dies einer Dividendenrendite von rund 3,8 Prozent. Trotz des starken Kursanstiegs bleibt die laufende Ausschüttungsrendite damit für einen DAX-Blue-Chip beachtlich. Zusätzlich fließt über die Aktienrückkäufe Kapital an die Anteilseigner zurück.
Kaufen, halten oder Gewinne mitnehmen?
Fundamental spricht weiterhin einiges für die Allianz: Rekordergebnisse, hohe Kapitalstärke, eine attraktive Dividendenrendite und Aktienrückkäufe bilden ein solides Fundament. Gleichzeitig ist die markante Unterbewertung früherer Jahre verschwunden. Wer heute einsteigt, bezahlt für diese Qualität einen deutlich höheren Preis als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Fazit: Nach einem Kursanstieg von mehr als 23 Prozent innerhalb von nur dreieinhalb Monaten wären zudem technische Korrekturen oder eine längere Konsolidierung keine Überraschung. Das allein liefert jedoch noch kein Argument für einen grundsätzlichen Ausstieg. Solange Gewinnentwicklung und Kapitalausstattung überzeugen, bleibt die Allianz ein qualitativ starkes DAX-Schwergewicht. Für Neueinsteiger ist nach der Rekordfahrt allerdings mehr Bewertungsdisziplin gefragt, während langfristig orientierte Aktionäre allein wegen des neuen Allzeithochs nicht zwangsläufig handeln müssen.
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