Hierzulande gibt es etwa 25 Unternehmen, die ihre Dividenden 2026 steuerfrei „aus der Substanz“ zahlen. Zu diesem Kreis gehörte im vergangenen Jahr auch ein Tenbagger aus Bremen. So ist die steuerliche Lage aktuell.
Der Hintergrund
Die OHB-Aktie hat eine spektakuläre Kursrallye hinter sich. Im Winter 2026 explodierte das Papier förmlich und erreichte am 14. Mai 2026 ein 52-Wochen-Hoch. Von rund 46,50 Euro auf knapp 498,50 Euro innerhalb eines Jahres - mehr als eine Verzehnfachung des Kurses, der zwischenzeitlich noch weiter gestiegen ist.
Details zur Dividendenzahlung
Auf der OHB-Hauptversammlung am 8. Juni 2026 soll eine Dividende in Höhe von 0,60 Euro pro Aktie beschlossen werden. Der Ex-Tag ist der 9. Juni. Die Dividende wird ab 11. Juni 2026 durch die depotführenden Banken ausgezahlt. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei 0,10 bis 0,15 Prozent.
Steuerfreie Ausschüttung im Vorjahr
„Im Geschäftsjahr 2024 wurden die freien Rücklagen der OHB SE nach Paragraf 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB teilweise aufgelöst, um eine Dividendenausschüttung an die Aktionäre zu ermöglichen", erklärt Pia Bausch, Communications Manager bei OHB, auf Anfrage von BÖRSE ONLINE. "Die Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2024 erfolgte vollständig durch eine Entnahme aus der Kapitalrücklage – aus steuerlicher Sicht wurde die Dividende aus dem steuerlichen Einlagekonto geleistet."
Abgeltungsteuerpflichtige Standarddividende 2026
Das aktionärsfreundliche Ausschüttungsprocedere wiederholt sich dieses Jahr nicht: „Dem Einzelabschluss 2025 der OHB SE ist zu entnehmen, dass dies im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht der Fall war“, so Pia Bausch weiter. Die Ausschüttung wird somit standardmäßig als abgeltungsteuerpflichtige Dividende erfolgen.
Eine „Steuerfrei“-Garantie bei der Dividende gibt es grundsätzlich nicht: Unternehmen müssen den Bestand der steuerlichen Einlagekontos jährlich fortschreiben. Daher kann sich dieser fiskalische Status kurzfristig ändern.
Der Steuergestaltung
Vollständige Steuerfreiheit der Ausschüttung bedeutet: Die Dividende wird ohne Abzug von Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ausbezahlt. Basis für diese rechtliche Gestaltung sind bilanzrechtliche Umstrukturierungen in der Vergangenheit.
Das Einlagekonto hat steuerlich die Funktion, dass die von den Anteilseignern geleisteten Gesellschaftereinlagen von den durch die Gesellschaft selbst erwirtschafteten Gewinnen getrennt werden.
Aktionäre bekommen so die Ausschüttung „brutto für netto“ auf ihr Depot-Verrechnungskonto überwiesen, ohne dass der Sparpauschbetrag (1000 Euro Singles, 2000 Euro zusammenveranlagte Partner) belastet wird.
Dauerhafte Steuerfreiheit
Langfristig profitieren bei Ausschüttungen von Einlagekonten nur Anleger, die entsprechende Dividendenpapiere bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 gekauft haben: Sie kassieren bei späteren Verkäufen Kursgewinne ohne Abzug steuerfrei. Der Börsengang von OHB erfolgte 2001 an der Frankfurter Wertpapierbörse, damals noch unter dem Namen OHB Teledata.
Steuerstundungs-Effekt
Alle Aktionäre, die später, also seit 2009, eingestiegen sind, erzielen bei Dividendenzahlungen vom Einlagekonto zumindest einen „Steuerstundungs“-Effekt: Beim Verkauf werden die steuerfreien Ausschüttungen vom Kaufkurs abgezogen, die Differenz zwischen reduziertem Einstandspreis und Verkaufskurs ist dann kapitalertragsteuerpflichtig.
Zum Unternehmen
OHB (kurz für Orbitale Hochtechnologie Bremen) ist ein führender Spezialist für Raumfahrt und Satellitensysteme hierzulande. Das Unternehmen ist nach Airbus und Thales Alenia Space der drittgrößte Spieler der europäischen Raumfahrtindustrie.
OHB befindet sich mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilie Fuchs (ca. 65 Prozent der Anteile),seit 2023 ist KKR Großaktionär (bis zu 29 Prozent). Der US-Finanzinvestor kündigte an, auf ein Delisting zu verzichten – wohl auch, um den hohen Aktienkurs zum teilweisen Anteilsverkauf zu nutzen. Der Freefloat (zuletzt 6 Prozent) könnte auch durch eine geplante Kapitalerhöhung wieder deutlich ansteigen.