Der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz hat auch Folgen für die Arbeit von Anwälten und ihre Dienstleistungen. Mark Schneider, Geschäftsführer der Beck-Noxtua Vertriebs GmbH, erklärt, wie eine ganze Branche diese Transformation durchläuft.

Börse Online: Herr Schneider wie verändern KI-gestützte Workflows das Geschäftsmodell von Kanzleien?
Mark Schneider: Sie automatisieren viele Teilprozesse der Leistungserbringung. Das verändert die Wertschöpfung grundlegend. Standardisierbare und zeitintensive Aufgaben wie Recherche, Sachverhalts- oder Dokumentenanalyse und das Entwickeln geeigneter Handlungsoptionen lassen sich deutlich schneller erledigen. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt juristischer Arbeit hin zu Bewertung, Strategie, Beratung und verantwortlicher Entscheidung.


Welche Konsequenzen hat diese Transformation für Rechtsdienstleistungen?
Für Kanzleien entsteht die Chance, mehr Mandate effizient zu bearbeiten und zugleich neue, stärker standar­disierte Beratungsangebote zu entwickeln. Voraussetzung ist, dass KI nicht als isoliertes Tool, sondern integriert in den Gesamtprozesses eingesetzt wird.


Welche Punkte sind wichtig, damit Rechtsanwälte spezialisierte KI-Agenten und Tools für Recherche, Dokumentenanalyse und Vertragsprüfung optimal in den Kanzlei- und Unternehmensalltag integrieren können?
Für den Start sind klar definierte Use Cases und Prozesse entscheidend. Kanzleien und Rechtsabteilungen sollten vorab festlegen, für welche Aufgaben eine Rechts-KI eingesetzt werden soll, welche Daten verarbeitet werden und welche Anforderungen sie an die Integration haben. 


Was ist hier konkret zu beachten?
Nachhaltig effizient wird der KI-Einsatz erst, wenn die gewählte Legal AI-Lösung tief in bestehende Arbeitsabläufe, Prozesse und Wissensbestände integriert ist, sodass keine zusätzlichen Insellösungen entstehen.


Können Sie dafür ein Beispiel aus der beruflichen Praxis nennen?
Es ist unnötig zeitraubend und fehleranfällig, wenn Anwender ständig zwischen Rechts-KI und Word-Umgebung hin und her wechseln müssen – etwa, um KI-Ergebnisse in ein Vertragsdokument einzuarbeiten. Bei Beck-Noxtua haben wir deshalb ein Word Add-in realisiert, das die Rechts-KI direkt in die gewohnte Text-Umgebung integriert. 

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Welche Ausbildungsinhalte sollten beim Jurastudium zusätzlich vermittelt werden, damit Juristen im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig bleiben?

Diese Frage stellt sich vermutlich gerade jede juristische Fakultät. Zumal wir davon ausgehen können, dass KI gekommen ist, um zu bleiben. Neben der klassischen juristischen Methodik müssen Studierende daher verstärkt auch ein umfassendes Legal AI-spezifisches Verständnis für Daten, Algorithmen und KI-Systeme erwerben. 

Sehen Sie hier schon weitere Entwicklungen?
Neue Disziplinen und Fachgebiete werden in den Fokus rücken und das Studium verändern – juristisches Datenmanagement oder Legal Engineering zum Beispiel. Juristen müssen also mehr denn je verstehen, wie KI-Werkzeuge funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und wie sie verantwortungsvoll in juristische Arbeit integriert werden. Diese KI-bezogene Urteilskraft wird zu einer zentralen beruflichen Kompetenz.



Mark Schneider
Sandra Garcia Photography/Beck-Noxtua
Mark Schneider
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Zur Person

Mark Schneider ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Beck-Noxtua Vertriebs GmbH. Zuvor leitete er von 2019 bis 2024 den Vertrieb des Digitalprodukts beck-online. Gemeinsam mit seinem Team versteht sich Schneider als Transformationspartner für Kunden aus den Bereichen Kanzleien, Rechtsabteilungen, Behörden und Justiz.

Zum Unternehmen

Die Beck-Noxtua Vertriebs GmbH verbindet beck-online (Datenbank  von C. H. Beck, Marktführer für juristische Fach­informationen in Deutschland), mit der KI-Technologie von Noxtua, führender Anbieter souveräner, europäischer Legal-AI-Systeme. Die Gesellschaft wurde im Frühjahr 2025 gegründet, nachdem C.H.BECK als Investor bei Noxtua eingestiegen war.

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