Mit einer Steuerreform will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Beschäftigten ab 2027 entlasten. Doch höhere Sozialabgaben fressen das Plus bei vielen wieder auf. Gutverdiener zahlen teils sogar drauf, wie Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner zeigen.

Die Bundesregierung verspricht den Bürgern ab 2027 Entlastungen bei der Steuer. Doch netto dürfte davon auf dem Gehaltszettel am Ende oft wenig ankommen. Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der FAU Erlangen-Nürnberg für das „Handelsblatt“ zeigen: Weil auch die Sozialbeiträge steigen, bleibt für viele Bürger allenfalls eine Mini-Entlastung übrig – und manche zahlen sogar drauf.

Ein kinderloser Single mit 2.000 Euro Bruttogehalt im Monat hätte nach Hechtners Berechnungen im Jahr 2027 nur rund 34 Euro mehr im Jahr – das sind knapp drei Euro monatlich. Bei 4.000 Euro Monatsbrutto beträgt das Plus nur etwa zehn Euro jährlich. Ab 6.000 Euro kippt dann sogar für Singles die Rechnung: Dann bleiben laut Berechnung rund 147 Euro weniger im Jahr. Bei 7.500 Euro Bruttomonatsgehalt sind es 390 Euro weniger.

Warum die Steuer-Entlastung verpufft

Zwar steigen der Grundfreibetrag und der Kinderfreibetrag; auch das Kindergeld wird erhöht. Eine umfassendere Steuersenkung bleibt jedoch aus. Das liegt laut Hechtner unter anderem daran, dass die geplanten steuerlichen Entlastungen die kalte Progression nicht vollständig ausgleichen. Die vollen Entlastungseffekte der Steuerreform sollen zudem erst 2028 greifen, ein großer Teil bereits 2027.

Zusätzlich steigen die Sozialabgaben für viele Beschäftigte. So werden die Beitragsbemessungsgrenzen zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung 2027 deutlich angehoben. Dadurch werden bei höheren Einkommen größere Teile des Gehalts beitragspflichtig. Kinderlose sollen außerdem einen höheren Pflege-Zuschlag zahlen. „Die Steuerentlastungen werden durch die Mehrbelastungen bei den Sozialversicherungen deutlich aufgezehrt“, sagte Hechtner dem Handelsblatt.

Familien kommen häufiger ins Plus

Bei Familien fällt die Rechnung oft günstiger aus. Ein Paar mit zwei Kindern und jeweils 4.000 Euro Monatsbrutto könnte laut den Berechnungen rund 416 Euro mehr im Jahr haben – etwa 35 Euro pro Monat. Verdient ein Partner 6.000 und der andere 4.000 Euro, liegt das Plus sogar bei rund 272 Euro jährlich. Einen wichtigen Anteil daran hat allerdings das höhere Kindergeld, darüber hinaus gehende Entlastungseffekte halten sich in Grenzen.

Die Folgen für Beschäftigte

Für die Haushaltsbudgets heißt das: Die angekündigte Steuersenkung, über die der Bundestag derzeit noch berät, führt nicht automatisch zu einem höheren Nettogehalt. Besonders Gutverdiener sollten die steigenden Sozialbeiträge im Blick behalten. Bei Familien können das steigende Kindergeld und Steueränderungen dagegen einige hundert Euro im Jahr ausmachen. 

Eine weitere, echte Entlastung könnte aus der Stromsteuer kommen, die Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich senken will. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Häufige Fragen zum Thema Steuerreform

Warum kommen die versprochenen Entlastungen aus der Steuerreform bei vielen Bürgern nicht an?

 Das liegt laut dem Finanzwissenschaftler Frank Hechtner unter anderem daran, dass die geplanten steuerlichen Entlastungen die kalte Progression nicht vollständig ausgleichen. Außerdem steigen im kommenden Jahr die Sozialabgaben für viele Beschäftigte. So werden etwa die Beitragsbemessungsgrenzen zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung 2027 deutlich angehoben. Dadurch werden bei höheren Einkommen größere Teile des Gehalts beitragspflichtig. Kinderlose sollen außerdem einen höheren Pflege-Zuschlag zahlen.

Wer profitiert unterm Strich von der Steuerreform?

Für Familien fällt die Rechnung oft günstig aus. Ein Paar mit zwei Kindern und jeweils 4.000 Euro Monatsbrutto könnte laut den Berechnungen rund 416 Euro mehr im Jahr haben – etwa 35 Euro pro Monat. Einen wichtigen Anteil daran hat allerdings das höhere Kindergeld, andere Entlastungseffekte halten sich in Grenzen.

Welchen Effekt hätte eine Senkung der Stromsteuer?

Eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau von 0,1 Cent je kWh würde den Strompreis für deutsche Haushalte um rund zwei Cent auf 32,04 Cent/kWh reduzieren (nkl. Mehrwertsteuer). Damit würden die jährlichen Stromkosten für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh um rund sieben Prozent auf rund 1.282 Euro sinken.