Frankreichs Anleihen rentieren so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Und das hat gute Gründe. Für Anleger steckt darin aber auch eine Chance

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 26. August in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 36/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Emmanuel Macron hat gerade ein unglückliches Gespür für Bilder bewiesen. Während Frankreich unter Hitze und Waldbränden litt, zeigte ihn das Magazin „Paris Match“ beim Jetskifahren vor Fort de Brégançon, seinem Sommersitz. Das sorgte für ordentlich Unmut in Medien und Bevölkerung. Auch, weil es mit den Staatsfinanzen seit einiger Zeit nicht zum Besten steht, und man sich wohl einen bescheidener auftretenden Präsidenten wünscht. Fakt ist jedenfalls, dass die Verschuldung vieler Staaten — Frankreich inklusive — für Unruhe am Anleihemarkt sorgt. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind weltweit kräftig gestiegen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren inzwischen mit mehr als 3,2 Prozent, so hoch wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. Und in Frankreich muss man mit aktuell vier Prozent Rendite bis ins Jahr 2008 zurückgehen, um Ähnliches vorzufinden. 

Woran liegt’s? Zum Teil ist der Renditeanstieg ein globales Phänomen: Höhere Ölpreise schüren Inflationssorgen, die Notenbanken dürften daher die Zinsen eher hoch halten als sie zu senken, und Regierungen müssen wegen Verteidigung, Infrastruktur und anderen Aufgaben viel Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Frankreich hat jedoch ein zusätzliches Problem: Wer Paris Geld leiht, verlangt eine „Prämie“, also mehr Zins. 

Sie ist der Preis für die Unsicherheit, ob Frankreich seine Finanzen politisch stabilisieren kann. Denn die Zahlen geben Anlass zur Skepsis. Nach Prognosen der Europäischen Kommission dürfte Frankreichs Haushaltsdefizit 2026 bei 5,1 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen und 2027 auf 5,7 Prozent steigen. Die Schuldenquote könnte bis 2027 auf 120 Prozent klettern. Denn die Ausgaben für Renten, Sozialleistungen, Zinsen und Verteidigung steigen. Für ein Sparprogramm fehlt es an politischer Kraft. Die Nationalversammlung ist fragmentiert, Regierungen sind auf wechselnde Mehrheiten angewiesen, Haushaltsverhandlungen werden zum Überlebenstest. Vor der Präsidentschaftswahl 2027 dürfte der Spielraum für unpopuläre Einschnitte eher kleiner als größer sein. Für die Bondmärkte zählt deshalb nicht nur die Höhe des Defizits, sondern auch die Glaubwürdigkeit, ob der Weg zurück zu solideren Finanzen gelingt. Und hier hapert es.

Rückhalt durch die EZB

Frankreich ist dabei keineswegs ein zweites Griechenland. Die Wirtschaft ist groß und diversifiziert, die Steuerbasis breit, die durchschnittliche Laufzeit der Staatsschulden lang. Als Mitglied der Eurozone profitiert das Land zudem vom institutionellen Rückhalt der Europäischen Zentralbank. Deren Instrument TPI kann im Notfall gegen ungeordnete Marktverwerfungen eingesetzt werden. Es ersetzt aber keine Haushaltsreform. Die Ratingagenturen senden daher eher einen Warnhinweis als einen Notruf. Frankreich bleibt klar im Investment-Grade-Bereich: Die Noten von Fitch und S&P lauten „A+“, bei Moody’s „Aa3“ — der Ausblick von Moody’s ist indes negativ. Das Land ist damit für institutionelle Anleger nach wie vor investierbar, der Bonitätspuffer wird aber kleiner. Weitere Herabstufungen könnten folgen, falls die nötigen Einsparungen verwässert werden und die Schuldenquote weiter steigt. Ein Ratingverlust würde nicht automatisch eine Krise auslösen, aber wohl für weiter steigende Renditen sorgen. 

Für Anleger ist die entscheidende Frage daher: Wie viel der schlechten Nachrichten steckt bereits im Kurs? Die bis 2036 laufende Frankreich-Anleihe bietet eine Rendite von rund vier Prozent, eine bis 2038 laufende Alternative (WKN: A0GX3N) mit 4,2 Prozent noch etwas mehr.

Fazit

Die Renditen jenseits der vier Prozent bieten eine interessante Chance für Anleger mit langem Atem. Gelingt Paris ein glaubwürdiger Kurswechsel, dürfte der Renditeaufschlag sinken — neben den laufenden Zinsen wären dann auch Kursgewinne möglich, wenn man denn vor Laufzeitende aussteigen wollte. Unterm Strich stufen wir die Anleihe trotz der politischen Baustellen also als kaufenswert ein.

Sie wollen weitere starke Analysen lesen? Dann werfen Sie jetzt einen Blick auf das exklusive BÖRSE ONLINE Probe-Abo.

Weiterführende Links