Die Amazon Visa hat Ende Juni 2026 den Teilzahlungszins auf 16,63 Prozent erhöht. Für Karteninhaber, die auf Raten zahlen, kann das schnell sehr teuer werden.
Die Amazon Visa gehört zu den meistgenutzten Co-Branding-Kreditkarten in Deutschland. Doch zum Ende des Junis 2026 wurde der effektive Jahreszins für die Teilzahlungsoption auf 16,63 Prozent erhöht – ein Anstieg, der Karteninhaber mit offenen Restbeträgen hart treffen kann.
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Wie die Amazon Visa funktioniert
Die Amazon Visa ist eine gebührenfreie Kreditkarte, die Amazon gemeinsam mit der Open Bank S.A. anbietet – einer volldigitalen Tochtergesellschaft der spanischen Santander-Gruppe, die in Deutschland unter dem Markennamen Zinia bzw. seit Februar 2026 als „Openbank Pay by Santander" auftritt. Die Karte richtet sich vor allem an Amazon-Stammkunden: Wer bei Amazon.de einkauft, erhält ein Prozent Cashback, beim Einkauf andernorts sind es 0,5 Prozent. Eine Jahresgebühr wird nicht erhoben, ein separates Girokonto ist nicht erforderlich.
Das anfängliche Kreditlimit beträgt meist 2.000 Euro und kann nach Bonitätsprüfung erhöht werden. Verwaltet wird die Karte über die App von Openbank Pay sowie über das Online-Banking auf der Amazon-Website.
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Revolving-Karte: Das steckt hinter der Teilzahlung
Technisch ist die Amazon Visa als sogenannte Revolving-Kreditkarte konzipiert. Das bedeutet: Standardmäßig wird am Monatsende nicht der gesamte offene Betrag vom hinterlegten Referenzkonto abgebucht, sondern lediglich eine Mindestrate – üblicherweise drei Prozent des Ausstands, mindestens jedoch ein festgelegter Mindestbetrag. Der verbleibende Rest wird auf den nächsten Monat übertragen und verzinst.
Dieses Modell ist in anderen Ländern, etwa in den USA oder Großbritannien, der Standard bei Kreditkarten. In Deutschland sind Verbraucher eher an Charge-Karten gewöhnt, bei denen der Saldo monatlich vollständig ausgeglichen wird. Die Teilzahlungsfunktion der Amazon Visa ist daher für viele Nutzer eine ungewohnte – und potentiell teure – Konstruktion, zumal sie bei Beantragung der Karte automatisch voreingestellt ist.
Der Zinssatz ist gestiegen – und das hat Folgen
Zum Ende Juni 2026 hat die Open Bank S.A. den effektiven Jahreszins für die Teilzahlung auf 16,63 Prozent angehoben. Der neue Zinssatz liegt damit über dem Niveau vergleichbarer Konsumentenkredite und macht die Teilzahlungsoption für Karteninhaber spürbar teurer.
Zum Vergleich: Der durchschnittliche Sollzins für Konsumentenkredite in Deutschland liegt nach Angaben der Bundesbank derzeit deutlich darunter. Selbst viele Dispositionskredite rangieren unter dieser Marke.
Die Konsequenz für Karteninhaber: Wer monatlich lediglich die Mindestrate zahlt und einen Restbetrag von beispielsweise 1.000 Euro stehen lässt, zahlt dafür allein an Zinsen rund 166 Euro pro Jahr – ein Betrag, der das über Cashback mühsam angesammelte Guthaben schnell übersteigt. Das Versprechen der kostenlosen Karte verkehrt sich damit in sein Gegenteil.
Die versteckte Falle: Voreingestellte Teilzahlung
Besonders heikel ist, dass die Teilzahlung bei der Amazon Visa standardmäßig aktiviert ist. Wer die Karte erhält und sich nicht aktiv darum kümmert, die Rückzahlungsmodalität in der App auf „100 % Vollzahlung" umzustellen, zahlt automatisch Zinsen – ohne es womöglich zu merken. Verbraucherschützer kritisieren dieses Opt-out-Modell seit Jahren: Wer nicht aktiv handelt, landet in der Zinsschuldenfalle.
Die Umstellung ist zwar technisch einfach möglich – in der Openbank-Pay-App unter dem Menüpunkt „Rückzahlung" – doch nicht jedem Karteninhaber ist diese Notwendigkeit bewusst. Insbesondere weniger finanzerfahrene Nutzer oder Menschen, die selten ihre Kreditkartenkonditionen überprüfen, laufen Gefahr, über Monate hinweg unbemerkt Zinsen zu zahlen.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer die Amazon Visa nutzt und sich nicht sicher ist, wie die Rückzahlung eingestellt ist, sollte die App von Openbank Pay öffnen und die Zahlungsmodalität prüfen. Die Umstellung auf Vollzahlung ist jederzeit möglich und kostenlos. Sondertilgungen sind ebenfalls erlaubt, um aufgelaufene Zinsen so schnell wie möglich zu reduzieren.
Wer die Karte in erster Linie wegen des Cashbacks nutzt, sollte nachrechnen: Erst wer den gesamten Saldo monatlich begleicht, profitiert tatsächlich von den Rückerstattungen. Wer hingegen Schulden auf der Karte angehäuft hat, sollte prüfen, ob eine Umschuldung über einen günstigeren Ratenkredit sinnvoll ist – effektive Jahreszinsen von unter 10 Prozent sind bei guter Bonität auf dem Kreditmarkt derzeit noch zu finden.
Grundsätzlich empfiehlt sich ein kritischer Blick auf die eigene Nutzung: Die Amazon Visa ist als Einkaufsvorteil konzipiert – nicht als Finanzierungsinstrument. Wer sie als Letzeres einsetzt, zahlt dafür inzwischen einen sehr hohen Preis.
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Häufige Fragen
Wie hoch ist der aktuelle Zinssatz bei der Amazon Visa bei Teilzahlung?
Seit Ende Juni 2026 beträgt der effektive Jahreszins für die Teilzahlungsoption der Amazon Visa 16,63 Prozent. Wer monatlich nicht den gesamten offenen Betrag begleicht, zahlt auf den Restbetrag diesen Zinssatz – bei 1.000 Euro Restschuld wären das rund 166 Euro im Jahr.
Ist die Teilzahlung bei der Amazon Visa automatisch aktiviert?
Ja. Die Amazon Visa ist standardmäßig als Teilzahlungskarte konfiguriert. Wer die Karte erhält, muss die Rückzahlungsmodalität aktiv in der App von Openbank Pay (ehemals Zinia) auf „100 % Vollzahlung" umstellen, um Zinsen zu vermeiden. Wer das versäumt, zahlt automatisch den geltenden Teilzahlungszins auf den nicht ausgeglichenen Betrag.
Lohnt sich die Amazon Visa noch, wenn der Zinssatz gestiegen ist?
Für Nutzer, die ihren Saldo monatlich vollständig begleichen, bleibt die Karte attraktiv: Es gibt 1 Prozent Cashback bei Amazon-Einkäufen, keine Jahresgebühr und kein Kontobankzwang. Wer jedoch auf Teilzahlung angewiesen ist oder die Rückzahlungsmodalität nicht umgestellt hat, zahlt inzwischen 16,63 Prozent Zinsen pro Jahr – und verliert damit den gesamten Cashback-Vorteil schnell wieder. In diesem Fall sollte man die Karte konsequent auf Vollzahlung umstellen oder auf eine andere Karte wechseln.