Fünf der größten US-Technologieriesen tragen eine verborgene Schuldenlast von 1,65 Billionen Dollar – achtmal mehr als noch vor vier Jahren. Was das für Anleger bedeutet.
Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle schultern gemeinsam eine versteckte Schuldenlast von rund 1,65 Billionen Dollar – das zeigt eine aktuelle Analyse der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei.
Der Schätzwert für das jüngste Quartal liegt damit etwa achtmal höher als noch vor vier Jahren und übersteigt sogar die offiziell in den Bilanzen ausgewiesenen Verbindlichkeiten von 1,35 Billionen Dollar. Doch diese Schulden tauchen in den klassischen Geschäftsberichten der Konzerne gar nicht auf.
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Exkurs: Was sind „versteckte Schulden"?
Die sogenannten Off-Balance-Sheet-Verbindlichkeiten umfassen Kosten, die nicht direkt in der Bilanz erscheinen – allen voran langfristige Leasingverträge für Grafikprozessoren (GPUs) und noch nicht in Betrieb genommene Rechenzentren. Solche Vereinbarungen können sich auf Dutzende von Milliarden Dollar belaufen.
Das Prinzip ist nicht neu: Bereits vor der Finanzkrise 2008 nutzten Banken ähnliche Konstruktionen, um Risiken aus ihren Bilanzen auszulagern. Heute sind es die Technologieriesen, die im Zuge des KI-Booms massiv in Rechenkapazitäten investieren – und dabei auf Finanzierungsmodelle setzen, die außerhalb der klassischen Buchführung liegen.
So viele versteckte Schulden haben Oracle, Meta und Co.
Besonders auffällig ist der Fall Oracle: Der Datenbankkonzern hat gemeinsam mit OpenAI das ambitionierte Stargate-Rechenzentrum-Projekt aufgelegt. Laut Nikkei ist Oracles versteckte Schuldenlast in den vergangenen vier Jahren um das Dreißigfache gestiegen – auf inzwischen 273,3 Milliarden Dollar.
Noch drastischer fällt die Diskrepanz allerdings bei Meta aus: Der Facebook-Mutterkonzern hat gemeinsam mit der Investmentgesellschaft Blue Owl Capital ein gigantisches Rechenzentrum im US-Bundesstaat Louisiana geplant. Anfänglich war eine Investitionssumme von 27 Milliarden Dollar kommuniziert worden – mittlerweile hat Meta die Gesamtkosten auf über 50 Milliarden Dollar nach oben korrigiert. Die Nikkei-Analyse schätzt Metas Off-Balance-Sheet-Schulden auf 420 Milliarden Dollar – fast das Dreifache der offiziell ausgewiesenen Verbindlichkeiten.
Auch Microsoft, Alphabet und Amazon stehen vor massiven Verpflichtungen: Die drei Konzerne haben öffentlich Auftragsbestände von zusammen rund 1,45 Billionen Dollar für Cloud-Dienste und verwandte Geschäftsbereiche zum Ende des ersten Quartals 2025 offengelegt. Diese Backlog-Zahlen sind zwar bekannt, fließen aber ebenfalls nicht unmittelbar in die klassische Schuldenberechnung ein.
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Geheime Schulden der Tech-Riesen: Was bedeutet das für Anleger?
Die eigentliche Frage, die sich Investoren stellen müssen: Wie belastbar sind die Bilanzen dieser Unternehmen dann wirklich? Solange die KI-Infrastruktur die erhofften Renditen liefert, sind die Verpflichtungen beherrschbar. Doch sollte sich der KI-Hype abkühlen – oder die Auslastung der teuer finanzierten Rechenzentren hinter den Erwartungen zurückbleiben – könnten die versteckten Schulden schnell zu einem handfesten Problem werden.
Hinzu kommt: Steigende Zinsen erhöhen die Refinanzierungskosten auch für außerbilanzielle Verpflichtungen. Wer in Tech-Aktien investiert ist, sollte die Off-Balance-Sheet-Risiken im Blick behalten – auch wenn diese in keinem klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis auftauchen.
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Häufige Fragen
Was sind Off-Balance-Sheet-Schulden und warum sind sie gefährlich?
Off-Balance-Sheet-Schulden sind finanzielle Verpflichtungen, die ein Unternehmen eingegangen ist, die aber nicht direkt in der klassischen Bilanz auftauchen – etwa in Form von langfristigen Leasingverträgen oder Zweckgesellschaften. Sie sind problematisch, weil sie das wahre Verschuldungsniveau eines Unternehmens verschleiern und von Investoren sowie Rating-Agenturen leicht übersehen werden können.
Warum investieren Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle so massiv in KI-Infrastruktur?
Der Wettbewerb um KI-Vorherrschaft hat unter den großen Technologiekonzernen eine regelrechte Investitionsspirale ausgelöst. Wer in der KI-Entwicklung – insbesondere bei großen Sprachmodellen und Cloud-KI-Diensten – nicht mithalten kann, riskiert, langfristig Marktanteile zu verlieren. Deshalb verpflichten sich die Unternehmen zu milliardenschweren Leasingverträgen für Rechenkapazitäten, oft noch bevor die entsprechenden Rechenzentren überhaupt fertiggestellt sind. Das treibt die Off-Balance-Sheet-Verbindlichkeiten in die Höhe.
Sollten Anleger Tech-Aktien wegen der versteckten Schulden verkaufen?
Nicht zwangsläufig – aber die Risiken sollten bewusst eingepreist werden. Solange die KI-Investitionen profitabel sind und die Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten robust bleibt, sind die Verbindlichkeiten für finanziell starke Konzerne wie Microsoft oder Alphabet gut beherrschbar. Kritischer könnte die Lage werden, wenn Zinsen hoch bleiben, die KI-Auslastung enttäuscht oder regulatorische Eingriffe die Expansionspläne bremsen. Anleger sollten daher nicht nur auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse schauen, sondern auch die Gesamtverschuldung inklusive Off-Balance-Sheet-Positionen im Auge behalten.
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