Es war Palantirs schlimmste Phase seit Jahren. Sieben Handelstage in Folge nach unten bis Donnerstag. Ein neues 52-Wochen-Tief. Ein Kursverlust von mehr als 30 Prozent allein im Juni. Und mittendrin: Michael Burry, der seinen Short teilweise eindeckt. Was zuletzt alles bei Palantir passiert ist – und was es für Anleger bedeutet.
107,27 Dollar. So schloss Palantir am Donnerstag – der siebte Verlusttag in Folge, minus 5,5 Prozent an einem einzigen Tag. Seit Anfang Juni ist das der schlimmste Rückgang innerhalb eines Monats seit Februar 2021. Damals war Palantir noch ein tief unrentables Unternehmen.
Burry deckt ein – aber nicht alles
Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“, hatte seit Monaten eine Short-Position auf Palantir laufen. Am Donnerstag ließ er wissen, dass er die Hälfte seines Shorts bei 107,15 Dollar eingedeckt hat. Nur eine Teilgewinnmitnahme also. Die Bärenthese läuft weiter.
Burrys Kernargument ist, dass Palantir selbst nach dem Kursrutsch noch ambitioniert bewertet ist. Zwar sinkt das bereinigte KGV von rund 68 für 2026 auf 52 für 2027 und 36 für 2028 – eine Entwicklung, die bei entsprechendem Umsatz- und Gewinnwachstum das Bild relativiert. Aber kann Palantir die extrem hohen Wachstumsraten von mehr als 50 Prozent pro Jahr bei Umsatz und Gewinn tatsächlich nachhaltig liefern, um diese Bewertung zu rechtfertigen?
Wedbush-Analyst Dan Ives nennt die Aktie hingegen „deutlich überverkauft“ und einen „erstklassigen Premiumwert“. Das 12-Monats-Kursziel der Analysten liegt im Schnitt bei 189 Dollar – bei einem Kurs von zuletzt um die 107 Dollar.
Das Problem: Diese Lücke hat die Aktie nicht gestützt. Kapital rotiert gerade weg von hochbewerteten Softwarewerten und hinein in KI-Hardware. Micron legte am Donnerstag rund 16 Prozent zu. Palantir verlor 5,5 Prozent. Das erzählt die Geschichte der Woche besser als jede Analyse.
Cathie Wood kauft weiter
Ark Invest kaufte am Donnerstag erneut Palantir-Aktien: 30.528 Stück für rund 3,3 Millionen Dollar. Bereits zuvor hatte Ark in dieser Woche 81.254 Palantir-Aktien für rund 9,5 Millionen Dollar erworben. Cathie Wood nutzt die Schwäche also konsequent.
Gegenwind in Europa
Dazu kommt Gegenwind aus Europa. Frankreich hat Palantir zuletzt bei seinen Geheimdiensten nicht weiter berücksichtigt. In London blockierte Bürgermeister Sadiq Khan einen 50-Millionen-Pfund-Vertrag mit der Metropolitan Police. Offiziell ging es um Vergaberegeln, politisch schwingen aber größere Vorbehalte mit. Immerhin: Einen kleineren Zwei-Millionen-Pfund-Vertrag zur Aufdeckung von Polizeivergehen ließ Khan passieren. Palantir klagt gegen die Entscheidung und spricht von einem eklatanten Machtmissbrauch.
Während die Palantir-Führung es verstanden hat, sich in den USA bei der Trump-Führung anzubiedern, bleibt das Verhältnis zu den Regierenden in Europa also schwierig.
Fazit
AKTIONÄR-Leser kennen die Lage. Der Stopp wurde rechtzeitig nachgezogen, der Trade verlustfrei beendet. Wer noch nicht investiert ist, wartet ab. Die Aktie ist charttechnisch angeschlagen, die Bewertung trotz Kursrutsch nicht günstig. Ein Boden ist noch nicht in Sicht. Dass Burry nun aber zumindest einen Teil seiner Short-Spekulation beendet, deutet immerhin darauf hin, dass das Chance-Risiko-Verhältnis aus Bullen-Sicht wieder etwas günstiger wird. Prognose: Wenn sich der Kurs nicht ungefähr auf dem aktuellen Niveau, also über 100 Dollar, stabilisieren kann, dürfte mittelfristig der Bereich um 85 Dollar als Auffangzone in den Fokus rücken.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Palantir Technologies.