Alphabet | A14Y6F
Die Börse hat plötzlich Zweifel an Alphabets Stärke. Antizyklische Anleger nehmen die Kursschwäche dankend an, denn die Wachstumsmaschine läuft in Wirklichkeit nach wie vor auf Hochtouren.
Die Alphabet-Aktie hat am Montag den schwächsten Tag seit einem Jahr erlebt – 225 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung lösten sich in Luft auf. Die Börse war eh schon nervös, weil viele nach der steilen Rally im KI- und Chipsektor mit Gewinnmitnahmen gerechnet haben. Bei Alphabet kam erschwerend hinzu, dass mit Noam Shazeer und John Jumper zwei Top-KI-Talente dem Unternehmen den Rücken kehren und zu OpenAI beziehungsweise zu Anthropic wechseln.
Der Verlust schmerzt, keine Frage. Doch der Konzern hat in den vergangenen Monaten massiv in neues Personal investiert und dabei auch etliche ehemalige Beschäftigte zurückgeholt. Alphabet ist ja schließlich keine 08/15-Adresse.
Dips waren bei Alphabet noch immer hervorragende Kaufchancen. Das Unternehmen ist seit fast genau 22 Jahren börsennotiert, davon gab es in 16 Jahren Kursgewinne. Besonders gut lief es für die Aktie in der zweiten Jahreshälfte: In nur vier Fällen verloren die Anleger Geld.
KI treibt das Wachstum
Alphabet hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch weiterentwickelt: vom reinen Suchmaschinenanbieter zum Powerhouse mit einem enormen Cloud-Geschäft und eigener Chipentwicklung. Vom KI-Boom profitiert der Konzern in mehrfacher Hinsicht: Erstens verkauft Google über die Cloud immer mehr KI-Leistung an Unternehmen. Die Analysten rechnen für das laufende Jahr mit einem Umsatz der Cloud-Sparte von 95,6 Milliarden Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 60 Prozent wäre. Das Geschäft ist hochprofitabel – das EBIT soll 2026 bei 29,7 Milliarden Dollar liegen. Zweitens hat Google mit Gemini ein eigenes KI-System, das nicht nur als Chatbot läuft, sondern in Suche, Android, Workspace und Cloud eingebaut werden kann. Die Zahl der aktiven Nutzer dürfte Anfang 2027 die Marke von einer Milliarde übersteigen. Drittens sind die eigenen TPUs, die Spezialchips für KI, ein Volltreffer. Wegen der hohen Nachfrage will Google die TPUs sogar ausgewählten Kunden direkt zur Verfügung stellen.
Trotz all der KI-Chatbots, die es mittlerweile gibt, ist die klassische Google-Suche kein Auslaufmodell. Im laufenden Jahr soll der Umsatz mit Werbung von 295 Milliarden auf 333 Milliarden Dollar steigen. Clever war es von Alphabet, eine Gemini-Version zu integrieren. Vielen Nutzern reichen diese Antworten. Und sinnvoll war es auch, eine werbefreie YouTube-Version anzubieten. Insgesamt kommt Alphabet bei all seinen kostenpflichtigen Abodiensten nun auf rund 350 Millionen Nutzer.
Fazit
Dreht wieder auf
Alphabet ist eine Maschine, die im zweiten Halbjahr an der Börse mindestens einen Gang höher schalten sollte. Auf Sicht von zwölf Monaten bleibt der aktionaer bei seinem Kursziel von 430 Euro.