(neu gefasst, mehr Details, Kommentar DZ Bank und aktueller Kurs)

NEW YORK (dpa-AFX) - Sorgen über weiter steigende Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) haben am Donnerstag die Aktien der Google-Mutter Alphabet auf Talfahrt geschickt. Die am Vortag vorgelegten Quartalszahlen waren zwar stark ausgefallen und der zu den "Magnificent Seven" gehörende Tech-Gigant übertraf mit seinen Umsätzen die Erwartungen am Markt. Allerdings will Alphabet nun noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur stecken. Anleger hinterfragen dies inzwischen zunehmend.

Die A- und C-Aktie sackten im US-Handel zuletzt jeweils um 7,5 Prozent auf 316 Dollar ab und sind zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte April. Zugleich wurden etwas mehr als 300 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Im aktuellen Jahresverlauf steht nur noch jeweils ein knappes Prozent Plus zu Buche. Das Mitte Mai nach einer steilen Rally erreichte Rekordhoch bei rund 409 Dollar ist wieder in die Ferne gerückt.

Marktteilnehmer sind zunehmend verunsichert, ob sich die Investitionen auszahlen werden. Außerdem sorgen sie sich vor neuen Konkurrenten, die mithilfe von KI auf Anfragen eher Antworten statt Links liefern wollen und Googles führender Suchmaschine das Leben schwer machen könnten. Allerdings hat der Internet-Riese selbst auch KI-Funktionen in seine Suchmaschine integriert und baut das eigene Geschäft dadurch aus.

Die weiter hochgeschraubten Investitionen bei Alphabet reflektierten größtenteils die Anstrengungen für einen raschen Kapazitätsausbau, um eine steigende Nachfrage zu bedienen, kommentierte Analyst Doug Anmuth von der US-Bank JPMorgan und bekräftigte seine "Overweight"-Empfehlung. Denn trotz dieser Bemühungen herrsche weiterhin ein Angebotsmangel, und so greife der Konzern verstärkt auf Kapazitäten von Drittanbietern zurück, um die Lücke zu schließen und seinen Kundenstamm weiter auszubauen. Dies dürfte kurzfristig zu etwas Druck auf die Margen führen. Er senkte zwar sein Kursziel von 460 auf 420 Dollar, rät aber Anlegern bei Kursrücksetzern zu kaufen.

Und auch DZ-Bank-Analyst Ingo Wermann bleibt optimistisch und rät unverändert zum Kauf der Alphabet-Aktie, auch wenn er deren fairen Wert nun etwas gesenkt hat. Die Cloud-Sparte bleibe auf Rekordkurs, verlange aber auch Rekord-Investitionen, schrieb er. Die hohen Investitionen belasteten zunächst den freien Cashflow, sollten sich jedoch langfristig auszahlen.

Dennoch scheinen die Milliarden-Investitionen in KI im Techsektor zunehmend kritisch gesehen zu werden. Nicht nur Alphabet, auch andere Tech-Riesen stecken sehr viel Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Alphabet rechnet jetzt für 2026 mit Ausgaben von 195 bis 205 Milliarden Dollar. Die Spanne war erst im Frühjahr von 175 bis 185 auf dann 180 bis 190 Milliarden angehoben worden./ck/jsl/he

Quelle: dpa-Afx