FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem verhaltenen Wochenstart hat der Dax am Dienstag etwas weiter Boden gut gemacht. Der deutsche Leitindex legte bis zum Mittag um 0,3 Prozent auf 24.916 Punkte zu und profitierte damit von einer konjunkturellen Überraschung: Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim erhobenen Konjunkturerwartungen haben sich im Juli stärker verbessert als erwartet. Damit bleibt das Rekordhoch des Börsenbarometers von rund 25.900 Punkten von Anfang Juli in Sichtweite.

"Die befragten Finanzmarktanalysten sind trotz der neuerlichen Zuspitzung am Persischen Golf und gestiegener Ölpreise deutlich optimistischer", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank und ergänzte: "Und tatsächlich, die deutsche Wirtschaft zeigte zuletzt eine gewisse Resilienz."

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 0,2 Prozent auf 31.746 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,6 Prozent.

Derweil bleibt die Lage im Nahen Osten unklar, denn der Krieg zwischen den USA und dem Iran dauert unvermindert an. Aktuell bemühen sich zwar die Vermittler im Nahost-Krieg Berichten zufolge um eine neue Waffenruhe, allerdings dauern die Militärschläge der USA im Iran seit nunmehr zehn Nächten an.

"Die Anleger suchen derzeit nach Leitplanken für ihre Entscheidungen", schrieb Analyst Timo Emden von Emden Research. Doch zwischen Friedenssignalen und neuen militärischen Eskalationen verschöben sich diese Orientierungspunkte beinahe täglich.

Für Investoren ist der geopolitische Kompass Emden zufolge derzeit schwer abzulesen. Solange unklar bleibe, ob Diplomatie oder weitere Kampfhandlungen im Iran-Krieg die Oberhand gewinnen, dürfte Vorsicht das dominierende Anlagemotiv bleiben. Starke US-Unternehmenszahlen könnten zwar den Blick der Märkte vorübergehend auf fundamentale Daten lenken. Doch die geopolitische Unsicherheit dürfte das Grundrauschen bleiben, das jede Erholung jederzeit wieder überlagern kann.

An den asiatischen Börsen sorgte die Aussicht auf eine Entspannung im Nahen Osten für Rückenwind. In Seoul legten KI- und Halbleiteraktien wieder zu, die zuletzt in großem Stil verkauft worden waren. Davon profitierten auch Branchenwerte hierzulande. So stiegen die Anteilsscheine von Infineon an der Dax-Spitze um 2,4 Prozent. Im Nebenwerteindex SDax hatten die Papiere von LPKF mit einem Plus von 7,7 Prozent die Nase vorn.

Die Vorzugsaktien von Jungheinrich fielen im SDax um zuletzt 0,6 Prozent, nachdem sie zwischenzeitlich um 5,5 Prozent abgesackt waren. Die Finanzaufsicht Bafin hatte eine Prüfung des Halbjahresabschlusses 2025 des Gabelstaplerherstellers eingeleitet. Es lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass das Unternehmen gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat. Bei der Prüfung gehe es ausschließlich darum, wann Jungheinrich eine bestimmte Wertminderung hätte erfassen müssen, betonte das Unternehmen selbst. Der Konzern habe die Wertminderung im Juli 2025 vollständig erfasst. Umsatz und Ergebnis im Konzernabschluss der Geschäftsjahre 2025 und 2026 seien von der Prüfung nicht betroffen.

Unter den schwächsten Werten im Dax fielen die zuletzt stark gelaufenen Aktien der Munich Re um mehr als zwei Prozent. Finanzchef Andrew Buchanan sagte der "Börsen-Zeitung" mit Blick auf die Rückversicherung: "Im Rahmen der Arbeiten für den Halbjahresabschluss werden wir sehr genau auf das Geschäft in der Pipeline für das dritte und vierte Quartal schauen. Daraus wird sich ergeben, welche Prognose wir dem Markt geben." Munich Re scheine also seine Prognosen für die Schaden- und Unfallrückversicherung zu hinterfragen, sagte ein Händler./la/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx